10.11.2009 · Der Ölpreis hat zwar Auftrieb. Die Internationale Energie Agentur (IEA) jedoch senkt die Prognose für die langfristige Nachfrage. Die Wirtschaftskrise mindere den Verbrauch. Gleichzeitig werde es immer reizvoller, die Energieeffizienz zu verbessern.
Die langsam abflauende Kredit- und Wirtschaftskrise hat nicht nur Nach-, sondern auch Vorteile. Einer davon ist, dass sie die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen zumindest in den Staaten mit bisher starkem Konsum dämpft. Dadurch verlängert sie die Zeit, die zur Verfügung steht, um alternative Energien zu erschließen und um gleichzeitig die Klimaproblematik anzugehen.
Sollte in den kommenden Monaten ein globales Abkommen zur Verringerung der Emission von Treibhausgasen abgeschlossen und auch umgesetzt werden, könnte sich das Wachstum des globalen Ölverbrauchs nach Ansicht der Internationalen Energieagentur (IEA) in den kommenden Jahren deutlich verlangsamen. Es würde dazu führen, dass Energie effizienter genutzt und alternative Energiequellen stärker ausgebaut werden, heißt es in dem am Dienstag in London vorgestellten Jahresbericht „World Energy Outlook“.
Effizientere Energienutzung kann den Nachfragezuwachs deutlich dämpfen
Der Ölverbrauch würde ausgehend vom aktuellen Niveau um rund sechs Millionen Barrel pro Tag bis ins Jahr 2030 zunehmen auf einen Verbrauch von dann 91 Millionen Fass Öl täglich. Das wäre gerade einmal dreieinhalb Prozent mehr als die bisherige Spitzenmenge, die im Februar des vergangenen Jahres auf dem Höhepunkt des Kredit getriebenen Wirtschaftsbooms verbraucht worden war. Die bisherige Verbrauchsspitze von 88 Millionen Barrel Öl pro Tag werde voraussichtlich erst in Jahr 2015 wieder erreicht werden, erklärt die IEA nun unter dieser optimistischen Annahme. Noch bei der Schätzung des vergangenen Jahres war die Organisation davon ausgegangen, dass die Welt im Jahr 2015 etwa 94 Millionen Barrel Öl täglich verwenden werde.
Im Dezember werden Vertreter von rund 190 Nationen in Kopenhagen über ein neues Klimaschutzabkommen verhandeln. Ziel ist es, die Konzentration von Treibhausgasen in der Luft bei 450 Millionstel Kohledioxydäquivalenten (450-Szenario) zu stabilisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste der CO2-Ausstoss im Jahr 2020 mit knapp 31 Gigatonnen seinen Höhepunk erreichen und danach bis im Jahr 2030 auf 26,4 Gigatonnen zurückgehen. Dieses Ziel sei ambitioniert, aber erreichbar.
Um es zu erreichen müssten 10,5 Billionen Dollar zusätzlich zu bisher schon notwendigen und vorgesehenen Investitionen im Energiesektor getätigt werden. Solche Investitionen würden sich jedoch mehr als bezahlt machen durch entsprechende Einsparungen beim Energieverbrauch. Alleine die Transportbranche - der Hauptverbraucher von Energie schlechthin - würde bis ins Jahr 2030 6,2 Billionen Dollar an Energiekosten sparen können. Die Öl- und Gasimporte in den OECD-Staaten wären geringer als im vergangenen Jahr. In Staaten wie China und Indien könnten sie rund 30 Prozent unter dem Niveau liegen, das bei unveränderter Fortschreibung der gegenwärtigen Trends und der Energiepolitiken zu erwarten wäre.
... und damit indirekt den Preisauftrieb
Unter Annahme diese Standardszenarios würde der IEA-Ölimportpreis bis im Jahr 2015 real ein Niveau von 87 Dollar erreichen, bis im Jahr 2020 ein Niveau von 100 Dollar und bis im Jahr 2030 einen Preis von 131 Dollar je Barrel. Nominal würden die entsprechenden Preise - bei volatiler Entwicklung natürlich - im Trend bei 102, 131 und 190 Dollar je Barrel liegen. Gas und Kohle würden aufgrund von Substitutionseffekten ebenfalls teurer werden. Sollten sich die Staaten weltweit jedoch zum so genannten 450-Szenario verpflichten, würde der Preisauftrieb ab dem Jahr 2005 aufgrund nachlassender Nachfragedynamik gedämpft werden.
Der Ölmarkt lässt sich jedoch von solchen Modellrechnungen nur wenig beeindrucken. Der Ölpreis liegt am Dienstag mit einem Plus on 0,8 Prozent bei 80 Dollar je Fass der Sorte WTI. Optimisten wetten spekulativ gegen den fallenden Dollar und darauf, dass der Ölpreis kurzfristig weiter nach oben laufen wird. Solche Wetten haben in den vergangenen Monaten eine Eigendynamik entwickelt, obwohl die Öl- und Gas lager gut gefüllt sind und obwohl die Opec mehr als genug Kapazitäten hat, ihre Förderung auch kurzfristig deutlich zu steigern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |