06.05.2008 · Der Ölpreis klettert weiter steil bergauf: Goldman Sachs sagt eine Steigerung von bis zu 200 Dollar pro Barrel in den nächsten 24 Monaten vorher. Auch die Benzinpreise steigen - doch die Rekordpreise von Anfang Mai sind noch nicht geknackt.
Der Preis für Rohöl bleibt auf Rekordjagd. Am Dienstag mussten für ein Barrel (rund 159 Liter) der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) in der Spitze 122,49 Dollar bezahlt werden - gut 2 Prozent mehr als am Vortag und so viel wie nie zuvor. Am Montag war der Ölpreis sogar um 3,5 Prozent gesprungen. Auch die Notierungen von Nordseeöl der Sorte Brent erreichten am Dienstag mit fast 121 Dollar ein Rekordhoch. Als Hauptgrund für den jüngsten Preisschub nannten Händler den wieder schwächeren Dollar und geopolitische Faktoren, welche die Angst vor Störungen im Ölhandel schürten.
Preistreibend hätten zudem positive Wirtschaftsdaten aus Amerika gewirkt, die die Angst vor einer deutlichen Abschwächung der dortigen Ölnachfrage dämpften, hieß es bei der Commerzbank. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs rechnet unterdessen nicht mit einem baldigen Ende der Rekordjagd. Der WTI-Preis könnte in den nächsten sechs bis 24 Monaten auf 150 bis 200 Dollar steigen, sagen deren Analysten. Sie hatten bereits im März 2005 ausgehend von einem Ölpreis von 55 Dollar einen Preisschub auf mehr als 100 Dollar vorhergesagt.
Kein Rekordpreis
Hierzulande bekommen vor allem die Autofahrer die höheren Ölpreise zu spüren: Die Treibstoffe sind teurer geworden. An den Tanksäulen kostete ein Liter Benzin nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) im Bundesdurchschnitt zum Wochenbeginn 1,44 Euro, für Diesel waren es 1,37 Euro. „Neue Rekordpreise sind dies nicht“, sagt Barbara Meyer-Bukow vom MWV. Anfang Mai wurden mit 1,49 Euro für den Liter Benzin und 1,42 Euro für Diesel die bisherigen Höchstpreise erreicht.
Die Ölsorten WTI und Brent stehen im Handel und in der Berichterstattung im Vordergrund. Doch was haben deutsche Autofahrer in ihrem Tank? „Man kann kaum feststellen, woher das Öl im Treibstoff kommt, geschweige denn, die im Detail verwendeten Ölsorten nachvollziehen“, sagt Meyer-Bukow. WTI beispielsweise werde aber gar nicht importiert.
Deutschland beziehe Rohöl aus 24 Ländern, aus denen nicht nur eine Sorte komme. Der wichtigste Öllieferant sei Russland, mit einem Anteil von rund einem Drittel im Jahr 2007. Laut MWV stammen gut 40 Prozent der deutschen Ölimporte aus GUS-Staaten. Ein Drittel der Einfuhren kam aus der Nordsee-Region. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) deckte ein Fünftel des deutschen Rohölbedarfs, 1970 waren es 94 Prozent.
Raffinerien teilweise 30 Jahre alt
Öl ist dabei nicht gleich Öl. Es werden gut 160 unterschiedliche Sorten gehandelt. Sie unterscheiden sich in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften. Dies erklärt sich schon aus dem unterschiedlichen Alter der Vorkommen und aus deren geologischen Bedingungen. Für die kommerzielle Verwertung ist vor allem der Schwefelgehalt der einzelnen Sorten wichtig. Das Spektrum reicht von sehr schwefelarmen, leichten oder „süßen“ Sorten, die sich ohne großen Aufwand zu Benzin raffinieren lassen und daher teurer sind, bis hin zu schweren Sorten mit sehr hohem Schwefelgehalt.
Die besonders rege Nachfrage nach leichten Ölen hat ihre Ursache vor allem darin, dass die Raffinerien in den westlichen Ländern alt und großteils nur für die Verarbeitung dieser Sorten geeignet sind. In Amerika sollen seit 30 Jahren keine neuen Raffinerien mehr gebaut worden sein. Zum einen seien die Anreize für Investitionen in neue Anlagen lange zu gering gewesen, zudem stünden solchen Plänen langwierige und teure, vom Umweltschutz bestimmte Genehmigungsverfahren entgegen. In Asien hingegen, wo der Umweltschutz meist noch eine vergleichsweise geringe Rolle spiele, entstünden seit Jahren moderne Anlagen, die ohne weiteres auch stark schwefelhaltige, schwere Öle verarbeiten könnten.
Brent und WTI Maßstab für Ölterminhandel
Wenn Ölpreise genannt werden, beziehen sie sich in westlichen Ländern fast ausschließlich auf die Sorten Brent und WTI, das ursprünglich aus der Region Cushing im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma stammt. Brent ist der Name des Ölfeldes in der Nordsee, aus dem das Öl zuerst gefördert wurde. Dieses Vorkommen wurde aber weitgehend ausgebeutet, so dass die Bezeichnung inzwischen für etwa gleichwertige Sorten aus dem sogenannten Brent- und Ninian-System in der Nordsee steht.
Sowohl bei Brent als auch bei WTI handelt es sich um besonders schwefelarme Sorten, wobei der Schwefelgehalt des WTI noch geringer ist. Daher kostet die amerikanische Ölsorte im langjährigen Durchschnitt etwa ein bis 2 Dollar je Barrel mehr als Brent. Die Bedeutung von Brent und WTI liegt vor allem darin, dass diese Sorten den Standard für den Ölterminhandel in London und in New York bilden. Sie gelten als Bezugsgrößen für andere Ölsorten. Die Terminkontrakte schaffen kommerziellen Anbietern und Abnehmern dieser und anderer Öle die Möglichkeit, ihre Absatz- und Bezugspreise zu sichern.
Auch der Opec-Preis für Öl ist bekannt. Er setzt sich aus einem Korb von sieben Ölsorten zusammen, von denen sechs in Mitgliedsländern des Kartells gefördert werden: Saharan Blend (Algerien), Fateh (Dubai), Minas (Indonesien), Bonny Light (Nigeria), Arab Light (Saudi-Arabien) und Tia Juana Light (Venezuela). Die siebte Sorte, Isthmus, stammt aus Mexiko, das nicht der Opec angehört. Der Opec-Korb liegt im Durchschnitt 5 bis 6 Dollar unterhalb des WTI-Preises.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |