08.02.2008 · Die Rezession in den Vereinigten Staaten könnte den Ölpreis spürbar sinken lassen: In den nächsten Monaten wird ein Rückgang auf weniger als 80 Dollar pro Barrel erwartet. Doch eine Londoner Analystin ist skeptisch - sie glaubt nicht an große Preisschwankungen.
Die Fachleute sind sich weitgehend einig, dass der Preis für Rohöl in den kommenden Monaten nicht mehr nennenswert steigen wird. Strittig ist allerdings, ob er sich auf dem aktuellen Niveau halten wird oder ob angesichts der bevorstehenden Rezession in den Vereinigten Staaten mit einem Rückgang zu rechnen ist.
Das Zentrum für Globale Energiestudien (CGES) in London geht davon aus, dass der Ölpreis stark sinken wird. Im zweiten Quartal, schreiben die Fachleute, werde sich der Preis bei 86 Dollar je Barrel (159 Liter) einpendeln und im vierten Quartal auf Kurse um 66 Dollar fallen. Dies wäre ein Rückgang von mehr als 30 Prozent innerhalb eines Jahres.
Noch Anfang Januar 100-Dollar-Grenze überschritten
Noch Anfang Januar hatte der Rohölpreis erstmals die magische Marke von 100 Dollar überschritten und am 3. Januar einen Rekord von 100,09 Dollar pro Barrel erreicht. Seitdem ist der Preis etwas zurückgegangen. Am Donnerstagnachmittag kostete in New York ein Barrel West Texas Intermediate (WTI) fast 87 Dollar, und in London waren gut 87 Dollar pro Barrel Brent-Öl fällig.
WTI und Brent sind die beiden bekanntesten Rohölsorten. Während in New York das leichte, schwefelarme WTI angeboten wird, wird auf dem Londoner Parkett das in Europa geförderte Brent-Öl gehandelt. Qualität und Preis der beiden Öle sind nahezu identisch. Täglich werden weltweit rund 32 Millionen Barrel Öl gefördert.
Rezession in Amerika lässt Ölpreis wahrscheinlich sinken
Helmut Buchmann vom unabhängigen Branchendienst Oil Market Report hält ein Absinken der Preise für wahrscheinlich. „Wenn es in den Vereinigten Staaten zu einer Rezession kommt, dann ist die logische Konsequenz, dass der Ölpreis fällt“, sagt Buchmann. Allerdings sei der Ölmarkt sehr sensibel und reagiere sofort, Voraussagen seien sehr schwer zu treffen. „Wenn irgendwo in Afrika oder im Nahen Osten ein militärischer Konflikt ausbricht, schlägt das sofort auf den Ölpreis“, sagt Buchmann.
Trotzdem seien die aktuellen Höchststände hauptsächlich durch Spekulationen verursacht worden. „Bei einem Preis von 100 Dollar sind zwischen 25 und 30 Dollar Spekulationsaufschlag enthalten“, meint Buchmann. „Deshalb gehen wir im Moment von einem Rückgang auf rund 75 Dollar pro Barrel aus. Dann hätten wir schon 25 Dollar der Spekulationsblase verfrühstückt“, prognostiziert Buchmann.
Durchschnittspreis für 2008 liegt wohl bei 95 Dollar
Auch die Analysten der Commerzbank gehen von einem Rückgang des Rohölpreises aus. „Die Vereinigten Staaten sind für rund ein Viertel des weltweiten Ölverbrauchs verantwortlich. Kommt es dort zur Rezession, wird der weltweite Zuwachs der Ölnachfrage gedämpft und der Preis fallen, wir erwarten einen Ölpreis von rund 80 Dollar“, sagt Barbara Lambrecht, Analystin der Commerzbank.
Joachim Hitzfeld, Analyst der Unicredit, ist skeptischer: „Vielleicht geht der Preis noch um 3 oder 4 Dollar zurück. Für das gesamte Jahr 2008 rechnen wir aber mit einem durchschnittlichen Preis von 95 Dollar pro Barrel.“ Eine mögliche Talfahrt in den Vereinigten Staaten werde keinen Einfluss haben. „Die Börsenkrisen 1987 und 1990 haben gezeigt, dass es selbst im Fall einer Rezession in den Vereinigten Staaten noch zu Verbrauchszuwächsen gekommen ist.“
Londoner Analystin glaubt jedoch nicht an große Preisschwankungen
Diese Meinung teilt Constanza Jacazio, Analystin bei Barclays Capital in London. Sie hält große Preisschwankungen für unwahrscheinlich: „Der Ölverbrauch in den Vereinigten Staaten ist in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben und nur geringfügig gestiegen. Eine erhöhte Nachfrage gibt es aber in China, Indien und dem Nahen Osten, das treibt den Preis.“
Da es nicht danach aussieht, als käme der chinesische Konjunkturmotor ins Stottern, erwartet Barclays Capital dieses Jahr einen durchschnittlichen Rohölpreis von 87,40 Dollar je Barrel. „Es ist möglich, dass die Wirtschaft in der Volksrepublik in diesem Jahr um ein oder zwei Prozentpunkte langsamer wächst, trotzdem wird in China und Indien die Nachfrage hoch bleiben“, ist sich Jacazio sicher.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |