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Groß wie nie : Der Krügerrand wird 50

Nur etwas für erlesene Käufer: der 50-Unzen-Krügerrand Bild: Archiv

Ein wahres Schwergewicht kommt zum 50-jährigen Jubiläum der wohl bekanntesten Gold-Anlagemünze auf den Markt: Ein Riesen-Krügerrand mit einem Durchmesser von stolzen 10 Zentimeter.

          Die zarte Goldkette ist ein Leichtgewicht, auch der klassische Goldbarren im Banktresor wiegt meist nicht viel. Zum 50-jährigen Jubiläum der wohl bekanntesten Gold-Anlagemünze der Welt bringen die südafrikanische Rand Refinery und die South African Mint gleichwohl ein wahres Schwergewicht auf den Markt. 1,6 Kilogramm wiegt der Riesen-Krügerrand mit seinen 50 Unzen (31,1 Gramm). Der Durchmesser beträgt stolze 10 Zentimeter. Die Feinunze Gold kostet aktuell rund 1260 Dollar. Der reine Materialwert der Münze beträgt etwa 60.000 Euro – der Kreis der Käufer dürfte also sehr erlesen sein. Die Stückzahl ist auf 50 begrenzt.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wirklich groß ist die Münze dennoch nicht. „Österreich hat den ,Big Phil‘ mit seinen 31,1 Kilogramm, also 1000 Unzen, und Australien sogar eine 1 Tonne schwere Goldmünze“, sagt Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service. Mit diesem Koloss hat die westaustralische Perth Mint im Jahr 2011 die zuvor größte Goldmünze der Welt, den 100 Kilogramm schweren Maple Leaf aus Kanada, klar überholt. Ein rotes Riesenkänguru – eines der Wahrzeichen Australiens – ziert sie.

          Erst im März sorgte der spektakuläre Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bodemuseum für Aufsehen. Die Diebe waren in der Nacht durch ein Fenster eingestiegen und hatten den „Big Maple Leaf“ geraubt, der als unverkäuflich gilt. Man vermutet daher, dass die Münze nun eingeschmolzen werden könnte. Auf der Welt gibt es davon nur sieben Exemplare.

          „Die Auflage der Großmünzen ist jeweils sehr klein und gerade so groß wie die prognostizierte Nachfrage“, sagt Lochmann. Entweder fertigten die Prägeanstalten diese „Showmünzen“ nur für Wanderausstellungen an oder, wie nun im Fall der 50-Unzen-Krügerrand-Münze, für wohlhabende Sammler. Dabei sei diese Goldmünze quasi schon jetzt ausverkauft. Sie sei für mehr als 100.000 Euro gehandelt worden – also rund zwei Drittel über dem reinen Goldwert. Angesichts ihrer Größe seien diese Münzen eher in den Bereich der Sammlermünzen einzuordnen und weniger in den Anlagebereich. Gleichwohl profitierten sie wegen des hohen Goldgewichtes natürlich ebenso von steigenden Edelmetallpreisen wie kleine Anlagemünzen oder Barren – oder verlieren bei fallenden Notierungen an Wert.

          Nun auch in Silber und Platin

          Die international eigentlich „Krugerrand“ genannte Münze hat einen Reinheitsgehalt von 22 Karat. Das heißt: Von 1000 Teilen bestehen 916,67 aus Gold. Die Legierung mit Kupfer macht die Münze unempfindlicher gegen Kratzer und verleiht ihr den typischen rötlichen Farbton. Eine 1-Unzen-Münze wiegt daher nicht 31,1 sondern 33,9 Gramm. Klassischerweise gibt es den Krügerrand in verschiedenen Größen – von einer Zehntel Unze bis hin zu einer Unze. Der geriffelte Rand weist bei normaler Prägung 180 Kerben auf, in der höheren Qualität sind es 240 Kerben.

          Der Krügerrand ist sehr beliebt. „In Deutschland hat er einen Marktanteil von rund 60 Prozent“, sagt Lochmann. In Nordamerika seien natürlich auch der American Eagle und der kanadische Maple Leaf sehr gefragt, was aber eher historische Gründe habe. „Denn während der Jahre des Apartheids-Embargos gegen Südafrika kamen kaum Krügerrand-Münzen auf den Weltmarkt; dadurch hatten andere Münzen Zeit, sich zu etablieren“, sagt Lochmann.

          Erstmals seit dem Jahr 1967 ist der Krügerrand nun auch in Silber und Platin erhältlich, jeweils in der Größe einer Unze. Die Stückzahl ist ebenso limitiert. Auch eine Krügerrand-Armbanduhr mit der Jubiläumsmünze als Zifferblatt gebe es in einer Auflage von 15 Stück, heißt es vom Edelmetallhändler Degussa.

          Es geht auch etwas günstiger

          Ob riesengroß oder winzig klein, ob golden oder silbern – alle Krügerrand-Münzen tragen ein charakteristisches Design: der Springbock, das Wahrzeichen Südafrikas, auf der Vorderseite und das Porträt Paul Krugers, von 1882 bis 1902 Präsident der Südafrikanischen Republik, auf der Rückseite. Alle Jubiläums-Münzen verfügen über die Prägung „1967-2017 50 Year Anniversary“. Krügerrand-Münzen sind in Südafrika ein gesetzliches Zahlungsmittel und daher bis zu einem Aufgeld von 80 Prozent über dem Goldwert steuerfrei.

          Es geht auch etwas günstiger. Wer in Edelmetalle investieren will, der bekommt mehr Gold für sein Geld, wenn er nicht Münzen, sondern Barren kauft. Dies sagt Bernhard Winter von der Münzenhandlung Heinrich Winter in Düsseldorf. Münzen seien durch die vielen Verarbeitungsschritte in der Herstellung immer etwas teurer. Natürlich sind sie – von Künstlerhand gestaltet – auch schöner anzuschauen. Das Bild des Springbocks zum Beispiel stammt aus dem Jahr 1947 von Coert Steynberg. Da die Auflage der großen Jubiläumsmünze nun sehr gering gewesen wäre und der Krügerrand eben auch recht beliebt sei, habe das hohe Aufgeld bei der Münze keine Rolle gespielt, sagt Lochmann: „Wer eine haben wollte, der hat bezahlt, was gefordert wurde.“ Die nächste Sonderprägung kommt bestimmt.

          Quelle: F.A.Z.

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