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Regulierung der Finanzmärkte Aufseher wollen Rohstoffhandel stärker beschränken

20.10.2011 ·  Amerikas Börsenaufsicht CFTC hat einen Entwurf vorgelegt, um den Handel mit Rohstoffen einzuschränken. Auch in Europa nimmt die Debatte um schärfere Regeln Fahrt auf.

Von Tim Höfinghoff, Hendrik Kafsack, Norbert Kuls
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Die amerikanische Terminbörsenaufsicht CFTC beschränkt die Spekulation mit Rohstoffen. In einer Mehrheitsentscheidung verabschiedete eine fünfköpfige Kommission der Behörde Grenzen für die Positionen, die Händler in Märkten für Rohöl, Gold, Weizen und anderen Rohstoffen eingehen dürfen. Unternehmen wie Fluggesellschaften oder Agrarkonzerne, die sich auf den Terminmärkten gegen Preisschwankungen absichern, sind von den neuen Regularien allerdings ausgenommen.

Mit den Regeln setzt die CFTC Vorgaben des im vergangenen Jahr verabschiedeten Finanzmarktreformgesetzes um, des sogenannten Dodd-Frank-Act. "Es ist unsere Pflicht, sowohl Marktteilnehmer als auch die amerikanische Öffentlichkeit vor Betrug, Manipulation und anderem Missbrauch zu schützen", sagte der Vorsitzende der CFTC, Gary Gensler. Er wies zudem darauf hin, dass es schon seit den dreißiger Jahren gesetzliche Vorgaben gibt, die die Spekulation in bestimmten Agrarrohstoffen limitiert.

Hochgekochte Debatte

In den Vereinigten Staaten war die Debatte um die Rolle von Spekulanten hochgekocht, weil die Nahrungsmittelpreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen waren. Auch in Europa gibt es eine Debatte darüber, ob die Rohstoffmärkte stärker reguliert werden sollen. Kritiker machen primär spekulativ orientierte Anleger für die Preisschwankungen verantwortlich. Sollte der CFTC-Entwurf umgesetzt werden, könnten Banken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley, die im Rohstoffgeschäft stark engagiert sind, ihre Geschäfte zurückfahren.

Die neuen Regularien betreffen die Kontrakte von insgesamt 28 Rohstoffen von Erdgas bis zu Silber. Unter anderem sollen Händler künftig nicht mehr als 25 Prozent der Kontrakte mit kurzfristiger Fälligkeit eines Rohstoffs halten dürfen. Die Regeln sollen spätestens bis zum Jahr 2013 in Kraft treten.

Der „Nebenkriegsschauplatz“

Die Folgen der Spekulation auf den Trend der Rohstoffpreise sind allerdings umstritten: CFTC-Kommissar Michael Dunn bezeichnete die Debatte um die Begrenzung der Handelspositionen daher als "Nebenkriegsschauplatz". Es gebe keine Beweise für exzessive Spekulation und dafür, dass die Preise nach Einführung der Handelsbeschränkungen fallen würden. Dunn rechtfertigte seine Zustimmung zu den Beschränkungen einzig mit den Vorgaben des Dodd-Frank-Reformgesetzes. "Für die Landwirte und Erzeuger, könnten die Positionsbeschränkungen es möglicherweise sogar schwieriger machen, die Risiken abzusichern, die sie eingehen, um die Öffentlichkeit mit Milch, Brot und Gas zu versorgen", sagte Dunn.

Nach Einschätzung von Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank "wird die Entscheidung der CFTC weitreichende Folgen haben": Die Rohstoffmärkte würden transparenter. Und: "Es wird großen Marktteilnehmern nicht mehr so einfach gelingen, die Preise in ihrem Sinne zu beeinflussen." Allerdings könne bis zur Einführung der Vorschriften noch viel passieren, "die Regeln könnten auch wieder aufgeweicht werden" - oder in möglichen Gerichtsverfahren keinen Bestand mehr haben.

Rekordpreise für Öl und Rohstoffe als Auslöser

Mit Blick darauf, dass es bereits Handelsbeschränkungen im Rohstoffgeschäft gibt und diese Regeln durch die Börsenbetreiber überwacht werden, kritisiert Weinberg, dass "die Börsenbetreiber nicht in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass diese Regeln auch tatsächlich eingehalten werden".

Steffen Bukold, unabhängiger Rohstoff-Fachmann von der Beratungsagentur Energycomment, sagt: "Auslöser der Reform waren die Rekordpreise für Öl und andere Rohstoffe im Jahr 2008." Seiner Meinung nach werden die Ölpreise trotz der CFTC-Vorschläge weiter steigen, denn die Ursachen blieben unverändert. "Allerdings werden Verwerfungen und Manipulationen erschwert."

Aus Sicht von Rohstoffinvestoren werden die Entscheidungen der amerikanischen CFTC allerdings nicht dazu führen, dass der Kapitalstrom in die Rohstoffmärkte abnimmt. Christoph Eibl, der mit seinem Schweizer Unternehmen Tiberius Group rund 2,5 Milliarden Dollar in Rohstoff-Fonds verwaltet, sagt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich wegen der CFTC-Entscheidungen nun das Interesse an Rohstoffen aus Anlegersicht grundlegend ändern wird." Es gebe bereits für 20 Rohstoffe eine Begrenzung der Zahl der Terminkontrakte, die Anleger halten dürfen. Zudem müssten Regeln im Rohstoffmarkt global umgesetzt werden, nationale Alleingänge seien wenig hilfreich: "Auch in Europa kann ich nicht erkennen, dass es eine Verschärfung der Regeln im Rohstoffsektor geben wird." Außerdem helfe es nichts, wenn die Rohstoffgeschäfte, die außerhalb einer Börse stattfinden, unreguliert blieben.

Positive Resonanz zu erwarten

In der Europäischen Union (EU) beginnt die Debatte über die Regulierung der Rohstoffmärkte erst. An diesem Donnerstag legt der zuständige Binnenmarktkommissar Michel Barnier seinen Vorschlag für die Neufassung der Vorgaben für den Wertpapierhandel, kurz Mifid, vor. Darin geht es nicht nur um Informationspflichten, die Börsenhandelspflicht von Derivaten sowie die Einschränkung des umstrittenen Hochfrequenzhandels, sondern auch die stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte. Auch auf diesen will Barnier vor allem die Transparenz erhöhen. Zudem will er - wie jetzt von den Vereinigten Staaten beschlossen - Positionslimits für Derivate auf den Rohstoffmärkten einführen. Die Limits sollen nach einem Entwurf für die EU-Regelung sowohl die EU-Kommission als auch die nationalen Aufsichtsbehörden setzen können - falls es Hinweise auf übermäßige Spekulationen gibt. Die neue Wertpapieraufsichtsbehörde soll dabei die Koordination übernehmen.

Barnier macht in dem Papier jedoch klar, dass die Kommission keineswegs allein übermäßige Spekulationen für die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten verantwortlich hält. Auch die gestiegene Nachfrage spiele dabei eine zentrale Rolle. Die Kommission ist seit jeher skeptisch, ob es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Rohstoffpreise und der Spekulation an den Rohstoffmärkten gibt. Dass sie nun dennoch neue Regeln für diese Märkte vorschlägt, ist vor allem auf den Druck Frankreichs zurückzuführen. Im Europäischen Parlament dürften die Vorschläge jedoch auf positive Resonanz stoßen.

Quelle: F.A.Z. von nks./tim./hmk.
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