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Prognose 2003 Der Dollar wird zur „Wild Card“ am Devisenmarkt

 ·  Der Euro hat im Jahr 2002 erstmals seit langer Zeit seinen Abstieg gegenüber dem Dollar beendet. Es kann durchaus sein, dass diese Trendwende anhält.

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Wer in den Jahren 1995 bis 2001 als deutscher Anleger auf den Dollar vertraute, der konnte nicht viel falsch machen. Die Wall Street war groß in Mode und es flossen stolze Summen aus dem Ausland in die USA.

Doch seit Februar 2002 ist die Erfolgsserie wie abgerissen. Seitdem hat plötzlich der oft schon totgesagte Euro die Oberhand gewonnen und sich einen Aufwärtstrend erkämpft. Der breiten Masse der Anleger ist diese Entwicklung erst jüngst durch den symbolträchtigen Sprung über die Parität so richtig bewusst geworden.

Wachstumsvorsprung als größter Pluspunkt für den Dollar

Bei der Frage, ob dieser Trend auch im Jahr 2003 eine Fortsetzung findet, scheint die Antwort auf den ersten Blick negativ ausfallen zu müssen. Zumindest wenn man die Vorhersage auf die Verfassung der Konjunktur fußt. Denn während die Wirtschaft in den USA im nächsten Jahr vermutlich um rund 2,8 Prozent wachsen wird, hinkt die europäische Konjunktur mit einem wahrscheinlich nur halb so hohen Plus deutlich hinterher.

Es kann aber passieren, dass Prognosen, die nur auf den Wachstumsunterschieden basieren, zu kurz greifen. Im abgelaufenen Jahr spielte der Wachstumsvorsprung der USA beim Bestimmen der Devisenkurse zumindest nicht die entscheidende Rolle.

Die US-Devise hat auch viele Schwachpunkte

Anders als in den vergangenen Jahren fielen 2002 die gegen den Dollar sprechenden Faktoren wieder stärker ins Gewicht. Plötzlich spielt in den Überlegungen auch das enorme Außenhandelsdefizit wieder eine Rolle. Intensiver als zuvor wird in den Handelssälen zudem die Gefahr eines Platzens der Immobilien- und Konsumblase diskutiert. Mit einer ungesund hohen Verschuldung der Privathaushalte sind die Zutaten für eine derartige Entwicklung bereits angerichtet.

Als wichtiges Problem für den Dollar erweist sich zudem der drohende Krieg gegen den Irak. Sollte es tatsächlich dazu kommen, könnte die US-Devise dieses Mal, anders als sonst oft in solchen Fällen üblich, vielleicht ihren Status als Sicherheitshort verlieren. Alle jene Anleger und Länder, welche die Politik der USA nicht gut heißen, könnten nämlich auf die Idee kommen, weniger Dollar als bisher zu kaufen.

Euro eindeutig im Aufwärtstrend

Zu bedenken ist auch, dass angesichts des rekordniedrigen Zinsniveaus US-Anleihen ebenso wenig zum Einstieg verlocken wie die oftmals noch immer sehr hoch bewerteten US-Aktien. Nach Aufzählung aller dieser Punkte wird klar, dass vor allem hausgemachte Gründe für einen weiter nachgebenden Dollar sprechen. An eigener Stärke kann der Euro eigentlich nur die Tatsache nachweisen, dass die Einheitswährung seit ihrer physischen Einführung eine steigende Geldnachfrage erfährt.

Angesichts von Argumenten wie den zuvor genannten kann es sein, dass der Dollar weiter abwerten muss. Zumal den USA nach dem Amtswechsel im Finanzministerium das strikte Einhalten der Politik des starken Dollar nicht mehr so ohne weiteres abgenommen wird. Dass die daran bestehenden Zweifel berechtigt sind, davon legt rein optisch betrachtet die Charttechnik ein beredtes Zeugnis ab. Denn um beim Verhältnis Euro-Dollar einen etablierten Aufwärtstrend zu Gunsten des Euro zu erkennen, muss man nicht stundenlang Argumente hin und her schieben. Wer es sich einfach machen will, setzt deshalb so lange auf einen anziehenden Euro, wie dieser Aufwärtstrend nicht verletzt wird.

Dollar-Yen steckt noch in einer Pattsituation

Ganz so einfach ist die Ausgangslage beim Verhältnis des Dollar zum Yen übrigens nicht. Selbst die Charttechnik macht einem hier einen Richtungsentscheid nicht leicht. Denn im Grunde genommen bewegt sich der Yen zum Dollar fast auf dem gleichen Niveau wie vor rund zwei Jahren. Wer genauer hinschaut, der kann die Gefahr, dass der Yen allen Unkenrufen zum Trotz vielleicht sogar aufwertet, bisher höchstens erahnen.

Fundamental gesehen gibt es dafür mit denkbaren Repatriierungen von im Ausland geparkten Geldern und einem hohen japanischen Außenhandelsüberschuss aber nur zwei überzeugende Gründe. Dem stehen als gleichgewichtete Gegenargumente wie der seit Jahren erfolglos geführte Kampf gegen Deflation und Konjunkturschwäche sowie die Tatsache gegenüber, dass die Japaner selbst aus ihrem Wunsch nach einem schwachen Yen zur Ankurbelung der Exporte keinen Hehl machen. Angesichts dieser Pattsituation ergibt sich bei diesem Währungspaar fürs Erste noch kein echter Handlungszwang.

Abwertungswettlauf wäre die ungünstigste Alternative

Die Schlimmste aller Optionen wäre es mit Blick auf den Devisenmarkt, wenn sich im kommenden Jahr zwischen den drei großen Währungsblöcken ein Abwertungswettlauf entwickeln würde. Da alle drei Mitspieler derzeit nicht mit Stärke glänzen können, ist ein derartiges Szenario nicht einmal gänzlich von der Hand zu weisen.

Im Chart sehen Sie die Kursentwicklung von Euro-Dollar seit der Euro-Einführung.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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