Zur Wochenmitte sind es jedenfalls Zinsspekulationen, die für etwas Bewegung sorgen. Am Nachmittag bekommt man für einen Euro 3,92 Zloty, nachdem es am Vormittag noch 3,96 Zloty waren.
Verantwortlich für den Anstieg des Zloty und die ebenfalls steigenden Renditen der lokalen Staatsanleihen ist die Meldung, wonach die Inflation in Polen im September stärker gestiegen ist als erwartet. Nach einem im August nach markierten Dreijahrestief von 2 Prozent ist die Teuerungsrate zuletzt wegen steigender Lebensmittelpreise auf 2,5 Prozent gestiegen. Volkswirte hatte im Schnitt nur mit 2,3 Prozent gerechnet.
Inflationszahlen fachen Zinsspekulationen an
Vor diesem Hintergrund und unter der Annahme, dass die Preise bis zum Jahresende weiter steigen werden) zudem steht 2010 eine Umsatzsteuererhöhung von einem Prozent an), spekulieren die Marktteilnehmer nun verstärkt darauf, ob dies die Notenbank vielleicht schon bei ihrem nächsten Treffen am 26. und 27. Oktober auf den Plan rufen wird. Bei der jüngsten Sitzung hatten die Verantwortlichen den Leitzins den 15. Monat in Folge auf einem Rekordtief von 3,5 Prozent belassen.
„Die Zahlen von heute verstärken die Argumente für eine Zinsanhebung in diesem Monat. Es wird eine heftige Debatte darüber geben und auch wenn es noch keine beschlossene Sache ist, rechen wir doch mit steigenden Leitzinsen“, prognostiziert Piotr Kalisz, Chefvolkswirt bei Citibank Handlowy in Warschau. Auch Nordea-Chefanalyst Anders Svendsen rechnet nach den hohen Inflationszahlen für September nun damit, dass die Notenbank noch im Oktober die Zinszügel straffen wird.
Durch die Kursentwicklung am Berichtstag kratzt die Notiz des Zloty nun im Verhältnis zum Euro am unteren Rand der zuletzt gültigen Handelsspanne. Sollten die Zinsen tatsächlich angehoben werden, dürfte es mittelfristig zu einem Angriff auf das Zloty-Jahreshoch von 3,8325 Zloty kommen.
Markt wartet auf neue Impulse
Außer der Zinsüberlegung gibt es ansonsten derzeit aber kaum zusätzliche neue Argumente, die für einen steigenden Zloty sprechen. Die relativ robuste konjunkturelle Verfassung des Landes ist hinlänglich bekannt.
Nicht mehr groß negativ überraschen würde es vermutlich auch, wenn die Lücke im Staatshaushalt in diesem Jahr 7,9 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt betragen würde statt dem bisher angestrebten Minus von 6,9 Prozent. Zumindest ist darüber jüngst schon öffentlich spekuliert worden, ohne dass diese große Kurswirkungen gehabt hätte. Und mit voraussichtlich rund 53 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt in diesem und 56 Prozent im nächsten Jahr bleibt die Gesamtverschuldung laut Helaba-Analystin Marion Dezenter vermutlich noch innerhalb der Maastricht-Grenzwerte.
Ohne größere Kursreaktionen wurde auch das für August auf 1,13 Milliarden Euro beziffert Leistungsbilanzdefizit hingenommen. Lethargische Reaktionen wie diese zeigen, dass der Markt auf neue Impulse wartet. Und vielleicht bekommen die Akteure diese schon bald in der Form einer Zinserhöhung geliefert.