29.08.2005 · Platin und Palladium gehören chemisch zur selben Gruppe. Platin erhält dennoch immer den Vorzug. Ändern könnte sich das erst gegen Ende des Jahrzehnts.
Palladium war einst eine feine Sache. Bis Anfang 2001 sorgten lange Zeit anhaltende, Lieferausfälle beim Hauptproduzenten Rußland dafür, daß der Preis Anfang des Jahres 2001 schließlich auf ein Allzeithoch von 1.090 Dollar geklettert war. Seitdem ist es, abgesehen von halbherzigen Gegenreaktionen nur abwärts gegangen. Mittlerweile notiert das Edelmetall bei 182,50 Dollar.
Ganz anders dagegen hat sich Platin entwickelt. Schon im Jahr 2000 war der Preis des Rohstoffes von Preisen um 380 Dollar bis auf über 600 Dollar geklettert. Dort verharrte er einige Monate, gab dann erst nach, bevor ihn ein anhaltende Hausse im April 2004 auf ein Allzeithoch von 935 Dollar trieb. Danach gab es einen scharfen Einbruch und der Preis fiel bis auf 772 Dollar. Seitdem hat sich der Preis erneut erholt und tendiert vorsichtig nach oben. Bei 898 Dollar schielt er mittlerweile wieder in Richtung eines neuen Allzeithochs.
Die ungleichen Brüder
Das Schicksal beider Metalle gilt als eng miteinander verknüpft. Beide Stoffe finden Einsatz vorwiegend in der Autoindustrie, vor allem in Katalysatoren sowie in der Schmuckindustrie. Unter diesen Umständen sollte man angesichts der aktuellen, relativen Preise eigentlich annehmen, daß die Werte sich umgekehrt verhalten sollten. Den Palladiumpreis sollte eine steigende Nachfrage nach oben treiben, gleichzeitig sollte Platin weniger gewünscht sein und der Preis fallen.
Daß dem nicht so ist, liegt zum einen daran, daß beide Metalle nur bedingt austauschbar sind. Das zeigt sich nirgends so deutlich wie in der Schmuckindustrie. Palladium hat alles - nur keinen Glamour. Rund zehn Prozent der Produktion finden in der Schmuckindustrie Einsatz, meist als Goldlegierung. Bei Platin sind dies immerhin 35 Prozent.
Zwar wird immer wieder berichtet, daß Schmuckverarbeiter, vor allem in China vermehrt preiswertes Palladium als Ersatz für teures Platin einsetzten. Weltweit verdreifachte sich der Palladiumverbrauch in der Schmuckverarbeitung im vergangenen Jahr. Doch gleichzeitig sagen andere Branchenkenner, daß gerade in Asien Palladium-Schmuck sehr gering geschätzt werde. Das begrenzt das Wachstumspotential. Außerdem hält dies die Preise für palladiumhaltigen Schmuck auf Distanz zu Platin-Schmuck. Darauf läßt sich keine Preishausse bauen.
Der Katalysator als Katalysator
Auch geht Palladium völlig der Krisennimbus ab, was Platin einen relativen Vorteil verschafft, auch wenn der Ruf von Platin in puncto Wertbeständigkeit weit entfernt von dem des Goldes liegt. Übrigens nicht ganz zu Recht - wer beispielsweise 1998 in Gold investierte kann auf ein Plus von rund 50 Prozent zurückblicken. Wer Platin den Vorrang gab, kann sich über rund 130 Prozent freuen.
Was bleibt, ist die industrielle Anwendung in der Autoindustrie. Spätestens hier, wo es nicht um Nimbus und Dekoration geht, sondern um industrielle Anwendungen unter Kostendruck, sollte ein Impuls für die Angleichung der Preise herkommen. Schließlich ist es die wichtigste Anwendung beider Metalle.
Gesetzt wird vor allem auf die Substitution von Platin durch Palladium in Katalysatoren. Dies sei, sagen Palladium-Freunde, bislang vor allem daran gescheitert, daß gerade in Dieselkatalysatoren der Einsatz von Palladium jetzt möglich geworden sei. Indes vermeldete der belgische Chemiekonzern Umicore die Existenz einer solchen Technik bereits vor anderthalb Jahren.
Die Folge war eine kurzfristige Preisreaktion. Palladium stieg scharf um 100 Dollar auf ein bis heute gültiges 35-Monats Hoch von 332,50 Dollar. Platin rutschte dagegen, wie oben beschrieben, vom Allzeithoch ab. Doch die prognostizierten Auswirkungen haben auf sich warten lassen. Zwar prognostizierte Wolfgang Wrzesniok-Roßbach von der Heraeus Metallgesellschaft in der Süddeutschen Zeitung, daß der Einsatz von Palladium „schon Ende 2006 spürbare Auswirkungen auf die Nachfrage haben werde“. Dies werde zulasten von Platin gehen, der Palladiumpreis könnte im kommenden Jahr 250 Dollar je Unze erreichen.
Komfortables Angebot dämpft
Doch, wie gesagt, das haben andere Experten bereits früher prognostiziert - passiert ist nichts. Dies liegt daran, daß über die Marktreife der Technik gestritten wird. Die Deutsche Bank gibt dieser erst mittelfristig Chancen und nennt vor allem die Jahre 2010/2011 als Zeitpunkt. Auslöser könnte die dann fällige Euro 5-Norm sein, durch die Schadstoffe weiter reduziert werden sollen. Dann hätte Palladium einen technischen Vorteil, weil es mit einer Belastbarkeit bis zu 950 Grad die für die Emissionsreduktion notwendigen Temperaturen besser aushält.
Da gerade in Europa Dieselfahrzeuge die höchste Bedeutung haben, könnte dies wirklich ein Katalysator für die Nachfrage sein. Außerdem zeigten nach einem Bericht des GSF - Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit sich im Partikelstaub deutlich geringere Mengen von Palladium als von Platin. Andererseits waren die gelösten Mengen deutlich höher, während sich mit zunehmender Alterung der Partikelvorteil verlor.
Preishemmend wirkt sich vor allem bei Palladium auch die Angebotsseite aus. Die Beseitigung der Lieferengpässe beim wichtigsten Lieferanten Rußland haben den Preis seinerzeit einbrechen lassen. Außerdem gab es eine deutliche Ausweitung der Produktion. Zum einen fällt das Metall primär beim Abbau von Nickel, Kupfer und Blei an - und weil die Förderung dieser Industriemetalle zuletzt stark zugenommen hat, ist derzeit mehr Palladium verfügbar als früher. Außerdem hat das Recycling hohe Bedeutung. Zum anderen hat Südafrikaner in den vergangenen fünf Jahren die Produktion um etwa ein Drittel gesteigert.
Palladium weiter shorten
Laut „Wirtschaftswoche“ geht der weltgrößte Edelmetallhändler Johnson Matthey von einem Angebotsüberhang von mehr als einer Million Unzen oder ungefähr 15 Prozent der jährlichen Nachfrage aus. Der Preis werden durch hohe Lagerbestände in Rußland und Südafrika belastet. Indes geht Wrzesniok-Rossbach davon aus, daß Rußlands Palladiumvorräte überschätzt würden.
Bei Platin ist die Prognose etwas besser. Zwar übersteigt die Produktion erstmals seit Jahren aufgrund des Ausbaus der südafrikanischen Produktion diese die Nachfrage. Doch erwartet das südafrikanische Minenunternehmen Impala Platinum in den kommenden vier bis fünf Jahren einen ausgeglichenen Platinmarkt. Denkbar sei ein Defizit bzw. Überschuß von 100.000 Feinunzen pro Jahr.
Mit negativen Preisreaktionen ist in den nächsten Jahren bei Platin also nicht zu rechnen. Für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung spricht eine kurzfristig stabile charttechnische Situation, die noch keinen Bruch erkennen läßt. Bei Palladium schein die Situation noch eindeutiger. Wer damit Geld verdienen will, setzt wohl in den nächsten Jahren noch besser auf Shorts.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |