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Veröffentlicht: 18.04.2017, 18:19 Uhr

Devisen Neuwahl in Großbritannien treibt das Pfund

Die Mehrheit der Investoren hält es offensichtlich für eine gute Nachricht, dass auf der Insel ein neues Parlament gewählt werden soll. Doch die größte Unsicherheit für die Investoren bleibt.

von , London
© EPA Am 8. Juni soll in Großbritannien neu gewählt werden.

Zuerst fuhr den Anlegern am Devisenmarkt der Schrecken in die Glieder: Als die britische Regierung am Dienstagmorgen überraschend eine Erklärung von Premierministerin Theresa May ankündigte, erlitt das Pfund einen Schwächeanfall. Die Investoren befürchteten offensichtlich Schlimmes und verkauften deshalb die britische Währung. Doch als May kurz vor Mittag die Katze aus dem Sack gelassen hatte, drehte der Pfundkurs plötzlich und stieg rasant. Die Mehrheit der Marktteilnehmer hielt es offensichtlich für eine gute Nachricht für die britische Wirtschaft, dass auf der Insel am 8. Juni ein neues Parlament gewählt werden soll.

Marcus Theurer Folgen:

Die Achterbahnfahrt des Pfunds am Dienstag zeigte ein weiteres Mal, wie groß die Nervosität an den Finanzmärkten ist angesichts des bevorstehenden EU-Austritts der Briten. Nach anfänglichen Einbußen stieg das Pfund am Nachmittag zeitweise um 1,5 Prozent auf 1,28 Dollar und damit den höchsten Stand seit Anfang Dezember. Gegenüber dem Euro wertete die britische Währung ebenfalls um 1,0 Prozent auf. Am Londoner Aktienmarkt fielen dagegen die Kurse. Der Leitindex FTSE 100 sank im Handelsverlauf um 2,2 Prozent. Durch ein steigendes Pfund werden die Papiere britischer Großkonzerne für ausländische Anleger teurer und damit tendenziell unattraktiver.

Mehr Spielraum für Kompromisse

Am Devisenmarkt setzte sich am Dienstag eine optimistische Lesart durch: Meinungsumfragen zufolge kann May nach den Neuwahlen im Juni mit einer deutlich größeren Mehrheit im britischen Unterhaus rechnen als bisher. Derzeit verfügen die Premierministerin und ihre Konservative Partei nur über eine schmale Mehrheit von 17 Sitzen. Eine am Sonntag veröffentlichte Umfragen gibt den Konservativen dagegen eine Mehrheit von 21 Prozentpunkten gegenüber der Labour Party, denn die führende Oppositionspartei steckt in einer existenziellen Krise. Der stramm linke Labour-Chef Jeremy Corbyn ist stark umstritten.

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Wenn die Neuwahl tatsächlich für klarere Mehrheitsverhältnisse im Unterhaus sorgen sollte, werde dies Mays Position stärken, kommentierten Bankenanalysten am Dienstag. Die Premierministerin habe in den vergangenen Wochen mit Blick auf die bevorstehenden schwierigen Brexit-Verhandlungen mit der EU mehr Kompromissbereitschaft signalisiert und ein klarer Wahlsieg würde ihr innenpolitisch mehr Autorität verschaffen, diesen flexiblen Kurs fortzusetzen, kommentierte Dean Turner, Ökonom der Schweizer Großbank UBS in London.

„Klarheit ist allemal gut“

Andere Beobachter setzten dagegen ein Fragezeichen hinter den steigenden Pfundkurs: Die Neuwahl werde in zentralen Brexit-Fragen nicht für mehr Klarheit sorgen, warnten die Analysten des niederländischen Geldhauses ING. So wüssten die Unternehmen in Großbritannien auch nach der Wahl nicht, inwiefern der Brexit zu Handelshürden zwischen dem Königreich und den EU-Staaten führen werde. Diese Ungewissheit werde weiterhin die Bereitschaft zu Investitionen auf der Insel hemmen.

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Die Briten haben Ende März formell den Austritt aus der EU erklärt und werden sie wohl im Frühjahr 2019 verlassen. Bis dahin müssen beide Seiten die komplexen Einzelheiten der Scheidung aushandeln. May will beim Brexit auch den EU-Binnenmarkt und die Europäische Zollunion verlassen, wodurch gravierende neue Handelshemmnisse drohen.

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Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, begrüßte die Neuwahlen, weil sie die parteipolitischen Spannungen der Torys entschärfen und das Verhandlungsmandat von Zweifeln befreien könnten. „Klarheit ist allemal gut“, schreibt Hüther in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der EU rät er dazu, sich in den Verhandlungen nicht auseinanderdividieren zu lassen.

© AFP, Reuters May kündigt Neuwahl in Großbritannien für Juni an
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