03.03.2009 · Das Gipfeltreffen in Brüssel hat die Anleger mit Fokus auf Osteuropa enttäuscht - frische Ideen von der Politik blieben aus. So starteten die Währungen nicht nur am Montag mit weiteren Kursverlusten, sondern könnten auch weiter unter Druck bleiben.
Von Hanno MußlerAnalysten mit Fokus auf Osteuropa haben am Montag enttäuscht auf den Ausgang des Gipfeltreffens am Wochenende in Brüssel reagiert. „Es hat sich gezeigt: Jedes Land ist auf sich allein gestellt, solange nicht der Notfall eintritt“, sagte Lutz Karpowitz, Währungsanalyst der Commerzbank. David Lubin von der Citigroup vermisste von den Politikern „frische Ideen“ zur Lösung der Schwierigkeiten in Osteuropa. „Auch die Anleger können nun weitermachen wie bisher“, meint Lubin.
Die seit Juli 2008 unter Abwertungsdruck stehenden Währungen Polens, Ungarns und Tschechiens starteten denn auch am Montag mit weiteren Kursverlusten zwischen 1 und 3 Prozent zum Euro in den Tag. Neue, die Tiefstkurse von Mitte Februar unterbietende Wechselkurse mussten die wichtigsten Ost-Währungen auch im weiteren Handelsverlauf am Montag allerdings nicht hinnehmen. Dies lag auch daran, dass der Euro zum Dollar abwertete. Die Aktienindizes in Osteuropa, allen voran in Polen, konnten sich nach anfänglichen Verlusten sogar dem allgemeinen Abwärtsrutsch an den Weltaktienbörsen am Nachmittag entziehen.
Hilfen noch nicht endgültig abgeschmettert
Dass sich die Regierungschefs des Westens auf dem Gipfeltreffen in Brüssel den Forderungen Ungarns nach einem Rettungsfonds für Osteuropa in Höhe von 180 Milliarden Euro widersetzten, überraschte nur wenige Analysten. Allerdings glaubt Harwig Wild vom Bankhaus Metzler nicht, dass weitere Hilfen für Osteuropa ein für alle Mal abgeschmettert sind. „Ich glaube zwischen den Zeilen Hinweise erkannt zu haben, dass in zwei Wochen auf dem nächsten Treffen konkrete Maßnahmen bekanntgegeben werden“, sagt der Währungsfachmann. Solange aber die Weltkonjunktur und mit ihr die Aktienbörsen keine Wende signalisierten, dürften auch die osteuropäischen Währungen weiter abwerten, meint Wild. Schließlich gingen die Ausfuhren gerade von Ungarn und Tschechien, aber auch von Polen zu mehr als der Hälfte in die Europäische Union. Daher hänge die Konjunktur in Osteuropa ganz entscheidend von der Nachfrage des Westens ab.
Skeptisch zeigten sich Analysten zu der nach dem Gipfeltreffen in Gang gekommenen Diskussion über eine kürzere Verweildauer im sogenannten Wechselkursmechanismus (WKM) II. Polen und Ungarn wollen schon Mitte des Jahres ihre Währung auf einen Kurs festlegen, zu dem sie nur noch 15 Prozent zum Euro auf- und abwerten darf. Mitglieder im WKM II müssen dann bisher über zwei Jahre hinweg die Maastricht-Stabilitätskriterien erfüllen, um den Euro einführen zu können.
Ungarn will Zieldatum für Euro-Einführung bekanntgeben
Die Regierung Polens plant die Euro-Einführung für 2012, was aber insbesondere angesichts der derzeit noch deutlich über Maastricht-Niveau liegenden Inflation als unrealistisch gilt. Bei Ungarn kommt die hohe Staatsverschuldung erschwerend hinzu. Gleichwohl will die Minderheitsregierung von Ferenc Gyurcsány in den kommenden Tagen ein Zieldatum für die Euro-Einführung bekanntgeben.
Dahinter steht, dass gerade Ungarn mit seiner hohen Verschuldung in Fremdwährung daran interessiert ist, die Abwertung des Forint zu stoppen. Noch sind die Währungsreserven, die für Interventionen zugunsten des Forint am Devisenmarkt zur Verfügung stehen, hoch. Ende Dezember lagen sie bei 35 Milliarden Dollar, Tschechien hat Reserven in ähnlicher Größenordnung, und Polen verfügt sogar über 59 Milliarden Dollar an Währungsreserven.
Geld aus dem Westen nur Tropfen auf den heißen Stein
Die schon vor dem Gipfeltreffen bereitgestellten 24,5 Milliarden Euro Fördermittel des Westens für osteuropäische Banken sind nach einhelliger Ansicht von Analysten allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Als Hauptzielland dieser Mittel gilt die Ukraine, die schon im Herbst 20 Milliarden Dollar Notkredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) benötigt hat. Wie am Montag bekannt wurde, hat die ukrainische Zentralbank nach einem „Stresstest“ unter den größten Banken des Landes in 17 Fällen zusätzliches Eigenkapital angemahnt. Die österreichische Raiffeisenbank stellte daraufhin am Montag ihrer Tochtergesellschaft Aval 160 Millionen Dollar zur Verfügung.
Die Ukraine ist bisher nicht bereit, die Auflagen des IFW zu erfüllen, der unter anderem eine „Nullverschuldung“ des Staatshaushaltes in diesem Jahr fordert. Deshalb ist bisher nur ein kleiner Teil des 20-Milliarden-Dollar-Kredites vom Herbst an die Ukraine ausgezahlt worden. Vor kurzem hat die Regierung in Kiew Gespräche über Hilfen mit Russland aufgenommen, die aber bisher ebenfalls zu keiner Einigung geführt haben. Die Rating-Agentur S&P zweifelt an der Fähigkeit der Ukraine, ihre Schulden zurückzuzahlen. Am Montag betrug die jährliche Versicherungsprämie für den Ausfall von fünf Jahre laufenden ukrainischen Staatsanleihen rund 35 Prozent des versicherten Betrags. Zum Vergleich: Für deutsche Staatsanleihen müssen 0,8 Prozent, für baltische 8 Prozent bezahlt werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17 % |
| Silber | 28,10 $ | +1,52 % |
| Platin | 1.412,00 $ | −0,07 % |
| Palladium | 610,00 $ | +2,35 % |
| Rohöl Brent Crude | 99,95 $ | −1,64 % |
| Gas | 0,53 £ | −1,98 % |
| Kaffee | 1,61 $ | −1,89 % |
| Zucker | 0,19 $ | −0,05 % |
| Orangensaft | 1,11 $ | +1,42 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |