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Ölproduktion Der Ölpreis klettert trotz Konjunktursorgen

 ·  Produktionsausfälle in der Nordsee lassen den Ölpreis weiter steigen. Das niedrigere Angebot ist nur ein Grund dafür. Anleger spekulieren auf eine Lockerung der Geldpolitik.

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Obwohl die Konjunktur in vielen Industrieländern schwächelt und die Nachfrage nach Rohöl niedriger ist, legt der Ölpreis deutlich zu. Seit Mitte Juni ist der Preis für europäisches Nordseeöl der Sorte Brent um 27 Prozent gestiegen. Auch an den Tankstellen haben die Preise für Kraftstoffe wieder angezogen.

Es gibt mehrere Ursache für den Ölpreisanstieg: Zum einen sind es Produktionsausfälle in der Nordsee, weil dort Ölförderanlagen gewartet werden. Hinzu kommt, dass viele Anleger auf dem Ölmarkt der Überzeugung sind, dass sich die Lage im Nahen Osten verschärft. Damit würden Lieferausfälle wahrscheinlicher. Zudem gibt es die Einschätzung der Anleger, dass Notenbanken wie die amerikanische Fed ihre Geldpolitik weiter lockern. Die Folge wäre, dass zusätzliches Kapital in die Rohstoffmärkte fließt und die Preise treibt.

Ölförderanlagen werden in Stand gesetzt

In der Nordsee werden derzeit viele Ölförderanlagen gewartet. „Diese Instandsetzungen sind üblich und werden immer häufiger nötig, weil die Anlagen in der Nordsee im Schnitt recht alt sind“, sagt Steffen Bukold vom Beratungsbüro Energycomment. „Nicht nur Plattformen, sondern auch Anlagen am Meeresboden müssen überprüft werden.“ Allerdings können sich solche Arbeiten zu längerfristigen Angelegenheiten entwickeln.

Bukold schätzt, dass die Brent-Produktion um 10 Prozent auf täglich 700000 Barrel sinken wird. „Das wäre der niedrigste Wert, der je gemeldet wurde. Ölhändler fürchten Verknappungen, die von den Förderunternehmen in der Nordsee ausgenutzt werden“, sagt Bukold.

Produktionsausfälle und Importstopps sorgen für Preisanstieg

Die Ölsorte Brent ist eine Mischung aus verschiedenen Ölsorten, die in der Nordsee gefördert werden. Die sinkende Ölförderung in der Nordsee hat dazu geführt, dass Brent-Öl zur Lieferung im Oktober teurer ist als die Lieferung im November. Solch einen Zusammenhang am Terminmarkt bezeichnen Fachleute als Backwardation. „Die Backwardation macht das Brent-Rohöl aus Sicht von Finanzanlegern interessanter“, sagt Bukold. „Läuft der Oktober-Ölkontrakt an der Börse aus, entstehen Rollgewinne für Anleger, die den billigeren Novemberkontrakt erwerben.“

Es sind nicht nur die Produktionsausfälle, die am Ölmarkt für Unruhe sorgen. Ebenso sprechen Rohstoffanalysten von einer erhöhten Spannung im Nahen Osten. So hatte sich der Ton zwischen Israel und Iran zuletzt verschärft. Wegen des Atomstreits mit dem Westen gelten bereits Sanktionen der Vereinigten Staaten sowie der Europäischen Union gegen Iran. Das Land kann sein Öl nicht in diese Regionen ausführen, andere Länder wie Südkorea beteiligten sich zudem an dem Importstopp.

Saudi-Arabien baut Förderung aus

Inzwischen hat Iran den zweiten Rang der größten Anbieter in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) an den Irak abgegeben. Saudi-Arabien bleibt führend in der Opec und hat die Förderung deutlich ausgebaut, um den Ausfall iranischen Öls zu kompensieren. Das deutlich gestiegene Ölangebot Saudi-Arabiens war in den vergangenen Monaten einer der wichtigsten Gründe dafür, dass die Ölpreise trotz der Sanktionen gegen Iran nachgegeben haben.

Nun ist der Preisabstand zwischen Brent und der amerikanischen Ölsorte WTI auf rund 20 Dollar angestiegen. So hoch war der Preisabstand zuletzt im April. Brent kostete am Mittwoch 113 Dollar je Barrel (je 159 Liter), für WTI waren es 93 Dollar. Das gestiegene Ölangebot in den Vereinigten Staaten sorgt dafür, dass der Preis für WTI-Öl deutlich unter dem Brent-Preis liegt. Das große Angebot an Öl in Cushing (Bundesstaat Oklahoma), dem wichtigsten Umschlagplatz für amerikanisches Rohöl, kann nicht schnell genug abgebaut werden. Dafür fehlt die Infrastruktur.

Lockere Geldpolitik könnte weitere Erhöhungen zur Folge haben

Auch die Aussicht auf eine weiterhin lockere Geldpolitik der Notenbanken lässt viele Anleger am Rohstoffmarkt auf steigende Ölpreise setzen. Zwar ist es alles andere als ausgemacht, dass etwa die Fed abermals die Geldpolitik lockert. Doch bei den vergangenen beiden Lockerungen seit dem Jahr 2008 hat die Fed im Kampf gegen die Krise Wertpapiere im Volumen von rund 2 Billionen Dollar erworben. Damit pumpte die Fed allerdings Milliardensummen in die Finanzmärkte, die Investoren auch an den Rohstoffmärkten anlegten und den Ölpreisanstieg stützten. Die Analysten der Bank of America Merrill Lynch urteilen, dass eine dritte Runde der Geldpolitiklockerung den Ölpreis um 14 Prozent erhöhen könnte.

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