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Veröffentlicht: 16.05.2017, 10:09 Uhr

Ölförderkürzung Rubelkurs könnte Russland einen Streich spielen

Der Ölpreis steigt. Grund ist der Beschluss Russlands und Saudi-Arabiens, die Förderung weiter knapp zu halten. Doch lohnt sich das für Russland überhaupt?

von Benjamin Triebe, Moskau
© Reuters Ölförderung bei Kogalym in Sibirien

Die beiden großen Förderländer Russland und Saudi-Arabien sind sich einig, die Erdölproduktion auch künftig zu begrenzen. Die Energieminister beider Länder erklärten am Montag in Peking, die seit Jahresanfang zwischen 24 Ländern geltende Produktionskürzung müsse verlängert werden. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich daraufhin um 3,3 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 52,52 Dollar je Barrel (159 Liter).

Ohne Erneuerung würde die Abmachung von Mitgliedern der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) und anderen wichtigen Förderländern Ende des ersten Halbjahres auslaufen. Moskau und Riad, die beiden größten Produzenten dieser Allianz, möchten die Begrenzung nun gleich bis Ende März 2018 aufrechterhalten. In einer Woche werden die Allianzländer in Wien darüber beraten.

Infografik / Rohöl © F.A.Z. Vergrößern

Ob sich der Beschluss für das Nicht-Opec-Mitglied Russland auszahlt, ist aber unsicher: Erdöl wird am Weltmarkt in Dollar gehandelt, und daheim rechnen die Firmen und der Staat in Rubel ab. Wie positiv sich ein Anstieg des Ölpreises, der durch die Förderbeschränkung erreicht werden soll, in den russischen Büchern niederschlägt, hängt vom Wechselkurs ab. Der Rubel folgt üblicherweise eng dem Ölpreis, und wenn sowohl das Öl als auch der Rubel teurer werden, können beide Effekte sich gegenseitig aufheben. Im ersten Quartal 2017 habe die Rubelstärke die Vorteile des Preisanstiegs in den Firmenbilanzen fast vollständig ausradiert, resümieren Analysten der Investmentbank Aton.

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Präsident Wladimir Putin zeigte sich in Peking überzeugt, die Förderbegrenzung werde zu einem stabilen Ölpreis beitragen. Die 24 Erdölproduzenten hatten sich Ende November entschlossen, ihre Produktion im laufenden ersten Halbjahr um 1,8 Millionen Fass pro Tag gegenüber Oktober 2016 zu senken. Russland übernahm eine Senkung um 300.000 Fass und hat dieses Ziel nach eigenen Angaben Ende April erreicht. Seit dem Beschluss war der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent über 55 Dollar geklettert. Seit März bröckelte er aber wieder ab und steht nun bei 52 Dollar. Die Regierung in Moskau zeigte sich im April unzufrieden. Russische Firmen sollen auf einen Preis zwischen 55 und 60 Dollar gehofft haben, hieß es.

Für die russischen Ölkonzerne, die im April zusammen rund 11 Millionen Fass Rohöl pro Tag förderten, spielt neben dem Wechselkurs auch die Verteilung der Kürzung eine Rolle. Laut der Bank VTB trug der staatlich kontrollierte Branchenprimus Rosneft bisher rund die Hälfte bei. Die Unternehmen kürzten zudem hauptsächlich auf alten, längst erschlossenen Feldern, wo die Produktion hoch besteuert wird.

Wenn sie bei einer anhaltenden Kürzung auch auf neuen, steuerlich besonders rentablen Feldern eingreifen müssen, könnte das die Kalkulationen belasten – zusätzlich zu den Wechselkursen. Der stärkere Rubel ließ Rosneft bereits im ersten Quartal nur einen Gewinn von umgerechnet 222 Millionen Dollar.

Der Rubel hat unter dem im Jahr 2014 begonnenen Preisverfall erheblich gelitten. Der Druck auf die Währung wurde damals so groß, dass die Zentralbank den zuvor gesteuerten Wechselkurs nicht mehr verteidigen wollte und ihn freigab. Der Wert eines Dollars kletterte von 33 Rubel zur Jahresmitte 2014 auf fast 80 Rubel zum Jahresanfang 2016.

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Doch im laufenden Jahr zeigt die russische Währung die Tendenz, bei einem stärkeren Ölpreis ebenfalls anzuziehen, bei dessen Absinken aber auf hohem Niveau zu verharren. Gegenwärtig ist ein Dollar 56 Rubel wert und nahe am schwächsten Stand seit zwölf Monaten.

Verbale Interventionen wie auch Devisenkäufe durch das Finanzministerium haben den Rubel nicht zurückdrängen können. Aufgrund des nach zweijähriger Rezession erst zögerlichen Wirtschaftswachstums wünschen sich viele Politiker eine schwächere Währung, um die Exporte zu fördern. Die Reformerrungenschaft eines freien Wechselkurses will Moskau aber nicht aufgeben. Putin sagte in Peking, Russland plane keine „künstlichen Maßnahmen“ zur Beeinflussung des Wechselkurses.

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