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Tanken wird wieder teurer : Ölpreis steigt in Richtung 50 Dollar

Tanken wird wieder teurer. Bild: dpa

Obwohl die Fördermenge nicht begrenzt wird, nimmt der Preis Fahrt auf. Auch das Tanken mit dem Auto kostet wieder deutlich mehr.

          Der Ölpreis hat in den knapp zwei Wochen seit dem großen Treffen der Ölförderländer in der qatarischen Hauptstadt Doha deutlich zugelegt. Obwohl sich die Förderländer nicht auf ein Einfrieren der Fördermenge verständigen konnten, ist der Preis der Nordseesorte Brent von gut 41 Dollar unmittelbar nach dem Treffen zuletzt auf mehr als 47 Dollar am Donnerstag gestiegen.

          Unter Ölanalysten war die Rede davon, der Preis bewege sich in Richtung 50 Dollar. „So wie es aussieht, ist das der Fall“, sagte Eugen Weinberg, Ölfachmann der Commerzbank. „Zumindest ist 50 Dollar pro Barrel die nächste wichtige technische Marke, die es zu testen geben könnte“, sagte Giovanni Staunovo, Ölanalyst der Schweizer Großbank UBS. Und auch Will Riley, Ko-Manager des Guinness Global Energy Fund, sagt, er rechne damit, dass der Ölpreis zumindest noch in diesem Jahr über 50 Dollar steige.

          Sowohl die Scheichs als auch arme Ölförderstaaten wie Venezuela würden einen dauerhaften Anstieg des Ölpreises natürlich sehr begrüßen. Ob es ihn geben wird und wie weit er dann steigt, ist aber noch umstritten. Über Venezuela heißt es in einer Studie, für einen ausgeglichenen Haushalt brauche das Land eigentlich einen Ölpreis von 121 Dollar je Fass (159 Liter). Dass der Preis auf absehbare Zeit so weit steigt, scheint aber ausgeschlossen.

          In Saudi-Arabien hat Prinz Mohammed bin Salman el-Saud, Sohn des Königs Salman, verkünden lassen, dass man die Wirtschaftsstruktur des Landes unabhängiger vom Ölpreis machen wolle. Gleichwohl war es beim Treffen in Doha vor allem Saudi-Arabien gewesen, das eine Einigung platzen ließ, weil Iran nicht mitmachen wollte - nachdem Saudi-Arabien und Russland sich im Februar im Grunde schon auf ein Einfrieren der Fördermenge auf den Stand von Januar verständigt hatten.

          Unmittelbar nach dem Treffen der Ölförderländer war der Ölpreis zunächst kräftig gefallen. Am Morgen danach hatte die Nordseesorte Brent zeitweise 7 Prozent verloren. Seither geriet jedoch offenbar an den Ölmärkten stärker in den Blick, dass die lange Phase billigen Öls in Amerika den Fracking-Boom bremst. Am Donnerstag hieß es, die Förderung in den Vereinigten Staaten habe den niedrigsten Stand seit Oktober 2014 erreicht.

          Weltölmarkt immer noch überversorgt

          Spekulationen darüber, wie es mit dem Fracking weitergeht, scheinen ein Faktor zu sein, der den Ölpreis im Augenblick treibt. Ein anderer Faktor, der offenbar eine Rolle spielt, sind die Erwartungen über die Zinsentwicklung in Amerika. Das Kalkül geht dabei so: Wenn die amerikanische Notenbank Fed sich mit den Zinserhöhungen mehr Zeit lässt als erwartet, steigt das Zinsniveau langsamer. Das hält den Kurs des Dollars niedrig. Damit wird Öl in Ländern außerhalb des Euroraumes günstiger, das lässt die Nachfrage steigen und damit den Ölpreis. Am Mittwoch, am Tag der Zinssitzung, war der Ölpreis zwar zunächst etwas gesunken, hatte am Ende aber seinen Aufwärtstrend fortgesetzt.

          Insgesamt ist der Weltölmarkt nach Einschätzung der Analysten immer noch überversorgt - auch wenn die Entwicklung in Amerika dazu führen könnte, dass diese Überversorgung langsam zurückgeht. Zumindest derzeit seien diese Spekulationen aber noch sehr vage, heißt es: „Die einzige plausible Erklärung ist, dass die Preise steigen, weil sie steigen“, sagte Weinberg.

          Auch Heizöl, Benzin und Diesel sind etwas teurer geworden. „Die Heizölpreise befinden sich weiter im Aufwind“, meldet das Internetportal Heizoel24, das sich auf Meldungen von 500 Ölhändlern stützt. Im Durchschnitt habe Heizöl am Donnerstag in Deutschland 48,22 Euro je 100 Liter gekostet, ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vortag. Auch Autofahrer müssen laut ADAC in dieser Woche tiefer in die Tasche greife. „Im Durchschnitt kostet der Liter Super E10 1,286 Euro, 2,2 Cent mehr als in der Vorwoche“, schreibt der ADAC. Dieselfahrer zahlten im Schnitt 1,058 Euro: „Damit verteuerte sich der Selbstzünderkraftstoff um 2,1 Cent.“ Ein Tipp:

          Unterstützung beim Auffinden der preiswertesten Station bietet unter anderem der Online-Preisvergleich unter www.adac.de/tanken sowie die kostenlose App "ADAC Spritpreise".

          Quelle: F.A.Z.

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