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Ölpreis Im Bann der Investoren

11.12.2009 ·  Nicht nur der Dollar, auch der Ölpreis ist in den vergangenen Tagen gesunken: Ein Barrel der westtexanischen Sorte WTI kostet derzeit 70 Dollar. Ohne den Einfluss von Spekulanten wäre der Rohstoff sogar noch billiger, sagen Analysten.

Von Gerald Braunberger
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Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der westtexanischen Sorte WTI bewegt sich um 70 Dollar. Ohne den Einfluss von Finanzinvestoren würde er vermutlich bei eher 60 Dollar liegen, sagen Rohstoffanalysten. Die Finanzinvestoren seien an den Terminmärkten für Rohstoffe und damit auch für Öl aktiver als vor der Finanzkrise, heißt es bei der Commerzbank. Der seit längerem schwache Dollar sowie die Erwartung einer sich rasch belebenden Weltkonjunktur hätten in den Vormonaten Finanzinvestoren veranlasst, mehr in Rohstoffe zu investieren. Daher sei es kein Wunder, dass der Ölpreis in den vergangenen Tagen zusammen mit dem etwas festeren Dollar gesunken sei. Die Commerzbank sieht den Ölpreis am Ende des ersten Quartals 2010 bei 60 Dollar und zum Jahresende dann wieder bei 70 Dollar.

Unsicherheit herrscht am Markt derzeit über die künftige Rolle von Finanzinvestoren, da es nicht für ausgeschlossen gilt, dass die amerikanischen Aufsichtsbehörden den Rohstoffhandel für Finanzinvestoren stärker regulieren werden. Kurzfristig drohen Investoren zudem sogenannte „Rollverluste“. Sie gibt es, wenn die Preise so wie derzeit mit der Laufzeit von Terminkontrakten zunehmen; eine solche Situation heißt in der Fachsprache „Contango“.

Mexiko sichert sich Preis von 57 Euro je Barrel

Wenn am Terminmarkt investierte Großanleger fällige Terminkontrakte durch neue und wegen ihrer längeren Laufzeit teurere Kontrakte ersetzen müssen, entstehen die „Rollverluste“. Sie fallen aus der Sicht von Privatanlegern auch bei Rohstofffonds an, die an Terminmärkten agieren. Großanleger bemühen sich zwar, durch ausgefeilte Handelstechniken diese „Rollverluste“ zu minimieren: Im Falle eines „Contango“ lassen sie sich aber am Terminmarkt nicht ganz vermeiden. Wer „Rollverluste“ ausschließen will, müsste Rohstoffe physisch handeln, aber in diesem Falle entstünden Lager- und Transportkosten.

Wo der Ölpreis heute in etwa ohne den Einfluss von Finanzinvestoren liegen könnte, zeigt Mexiko. Die Regierung dieses Ölförderlandes hat in den vergangenen Wochen einen erheblichen Teil ihrer Ausfuhren des kommenden Jahres über die Terminmärkte bei einem Preis von 57 Dollar je Barrel abgesichert. Über das Volumen dieser Sicherungsgeschäfte sind unterschiedliche Zahlen zu hören. Eine Quelle aus der Finanzbranche spricht von 70 Milliarden Dollar. „Wir betrachten das als eine Versicherungspolitik“, sagte der mexikanische Finanzminister Augustin Carstens, der einen Rückgang des Ölpreises auf 57 Dollar allerdings nur in einem – aus der Sicht von Produzenten – sehr pessimistischen Szenario für möglich hält.

2010 erhöhte Ölnachfrage gerade in den Schwellenländern

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Vorhersage für die Ölnachfrage im kommenden Jahr leicht erhöht. Sie erwartet für 2010 eine Nachfrage auf der Welt von 86,3 Millionen Barrel am Tag. Dies entspräche einem Zuwachs von 1,7 Prozent gegenüber der für dieses Jahr erwarteten Nachfrage. Auch in ihrem mittelfristigen Ausblick hat die Agentur die Prognosen leicht erhöht: Nunmehr erwartet sie für den Zeitraum 2009 bis 2014 eine durchschnittliche Zunahme der Nachfrage nach Mineralölerzeugnissen um 1,4 Prozent im Jahr. Dies entspräche einer Nachfrage von 90,9 Millionen Barrel am Tag im Jahre 2014. Auch viele Analysten sehen eine wachsende Nachfrage vor allem in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien.

Gegenwärtig ist Öl allerdings nicht knapp. Die Lagerbestände betrugen im vergangenen Oktober gut 2,7 Milliarden Barrel und lagen damit um 2,5 Prozent über ihrem Niveau vom Vorjahr. Gleichzeitig nahm die Förderung der Mitgliedsstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) vor allem wegen der politischen Beruhigung in Nigeria zu.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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