16.09.2008 · Die Pleite von Lehman Brothers führt nicht nur an den Börsen zu Turbulenzen, sondern auch am Ölmarkt. Der Ölpreis ist inzwischen auf unter 92 Dollar gefallen. Banken und Broker sind und waren im Energiemarkt sehr aktiv und bauen Positionen ab.
Die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, der überstürzte Verkauf von Merrill Lynch und der offensichtliche Kapitalbedarf des amerikanischen Versicherungsriesen AIG sorgen am Montag an den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten für Turbulenzen.
Die Börsen stehen unter Druck, die Kursentwicklung am Devisenmarkt ist erratisch und zumindest am Ölmarkt geht der Ausverkauf der vergangenen Wochen mit gesteigerter Dynamik weiter. Nach einem Tagesverlust von 5,5 Prozent am Montag und von 4,3 Prozent am Dienstag kostet ein Barrel Öl der Sorte WTI an der New York Mercantile Exchange noch 91,71 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit Februar des laufenden Jahres.
Preisverfall am Ölmarkt entwickelt inzwischen eine gewisse Eigendynamik
Inzwischen geht der Preisverfall ebenso rasch von statten, wie der Anstieg in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. Für die Entwicklung werden unterschiedliche Gründe angeführt. Erstens habe der Hurrikan Ike die Raffinerien an der Küste des Golfs von Mexiko verschont. Das führe zusammen mit der wirtschaftlichen Abkühlung dazu, dass die Nachfrage zurückgehe und Sorgen über Versorgungsnöte abnähmen, heißt es.
Auf der anderen Seite dürften jedoch auch die Ereignisse bei den Finanzunternehmen eine Rolle spielen. Die anhaltende Verunsicherung führt nicht nur dazu, dass Banken und Broker bei der Kreditvergabe an Unternehme und risikofreudige Anleger restriktiver werden als in der Vergangenheit, sondern dass sie auf der Suche nach Liquidität inzwischen alle nur denkbaren Vermögenswerte verkaufen, die noch liquide handelbar sind. Dazu dürften unterem auch Terminkontrakte an den Energie- und Rohstoffmärkten gehören können.
In den vergangenen Monaten gab es genügend Indizien, nach welchen der Preisauftrieb gerade auch Öl weniger auf die starke fundamentale Nachfrage, als vielmehr auf spekulative Käufe von Anlegern zurückzuführen waren. Inzwischen hat sich diese Entwicklung offensichtlich umgekehrt. Darauf deuten die jüngsten Daten der amerikanischen Commodity Futures Trading Commission hin. Sie zeigen, dass Hedge-Fonds und andere spekulative Anleger in den vergangenen Tagen ihre Positionen reduziert haben: Die Netto-Long-Positionen - also die Nettowetten auf steigende Preise - wurden danach in der Woche bis zum neunten September um 56 Prozent reduziert auf noch 6.336 Kontrakte.
Banken und Broker sind und waren im Energiemarkt sehr aktiv
Dazu mögen auch Untersuchungen beigetragen haben, die die Preisentwicklung am Ölmarkt in den vergangenen Monaten analysierten. Sie zeigten, dass der Markt nicht nur direkt durch Käufe und Verkäufe an den Terminbörsen beeinflusst wurde, sondern auch durch so genannte OTC-Kontrakte. Das sind Terminkontrakte, die individuell zwischen verschiedenen Marktteilnehmern ausgehandelt werden.
JPMorgan, Goldman Sachs, Barclays und Morgan Stanley kontrollierten insgesamt 70 Prozent der Positionen an Rohstoff-Swaps - und die Swap-Händler hielten die größten Positionen an Rohölkontrakten an der Nymex, erklärt Hedge-Fondsmanager Michael Masters jüngst. Das würde erklären, wieso sie diese Positionen aufgrund der aktuellen Turbulenzen reduzieren und auf diese Weise zum weiteren Preisverfall beitragen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |