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Ölförderung Tropensturm Isaac bedroht Ölplattformen

 ·  Der Tropensturm Isaac zwingt Energiekonzerne zur Schließung ihrer Förderanlagen im Golf von Mexiko. Das treibt auch die Preise für Benzin in Europa.

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© Bloomberg Isaac könnnte Schäden an den Ölförderungsanlagen im Golf von Mexiko hinterlassen

Der Tropensturm Isaac im Süden der Vereinigten Staaten droht die Situation am Ölmarkt zu verschärfen. Energiekonzerne im Golf von Mexiko haben ihre Mitarbeiter abgezogen und die Produktion teilweise eingestellt. Damit wächst die Furcht vor Angebotsengpässen und steigenden Ölpreisen. Seit Juni kletterte der Ölpreis für die amerikanische Sorte WTI um rund 20 Prozent und liegt bei 95 Dollar je Barrel (je 159 Liter). Die Nordseesorte Brent kostet 112 Dollar. Auch am Montag verteuerte sich das Rohöl, die Preise gaben im Handelsverlauf aber wieder nach.

Der Wirbelsturm scheint wohl keine Ausmaße zu erreichen wie der Katrina-Hurrikan vor sieben Jahren. Doch das schlechte Wetter trifft die Ölindustrie zu einem Zeitpunkt, zu dem es schon Produktionsausfälle in der Nordsee gibt. Dort liegt es aber an Wartungsarbeiten, die zur Schmälerung der geförderten Ölmenge führen. Zudem hat kürzlich ein Feuer in Venezuela Teile der zweitgrößten Raffinerie der Welt lahmgelegt. Zuletzt hatten auch die Befürchtungen vor einer Eskalation zwischen Iran und Israel den Ölpreisen Auftrieb verliehen. Das wirkt sich auf die Benzinpreise aus, die hierzulande auf einem Rekordhoch liegen - auch wegen des schwächeren Euro, der das primär in Dollar gehandelte Rohöl, Benzin und Heizöl in Europa verteuert.

BP stoppt Produktion, Chevron evakuiert Teil der Mitarbeiter

Im Golf von Mexiko findet 23 Prozent der amerikanischen Rohölproduktion statt sowie 7 Prozent der Gasproduktion des Landes. Zudem liegen an der Golfküste 44 Prozent der Raffineriekapazitäten. Der Ölkonzern BP meldete, wegen Isaac sein Personal aus dem Golf von Mexiko abzuziehen und die Ölproduktion zu stoppen. Der Chevron-Konzern hingegen hält die Produktion aufrecht, während das Personal teilweise evakuiert wurde. Das Unternehmen Transocean brachte vier Ölplattformen aus der Gefahrenzone.

Nach Einschätzung von Olivier Jakob, Ölexperte des Analysehauses Petromatrix, könnten sich die Produktionsausfälle wegen des Sturms auf 600000 bis 800000 Barrel Rohöl am Tag summieren. Zum Vergleich: Der Weltölverbrauch am Tag beträgt rund 90 Millionen Barrel. „Die Frage ist, ob die Anlagen beschädigt werden und ob es nach dem Sturm wieder Strom gibt, so dass auch Raffinieren wieder schnell arbeiten können.“ Die Bedeutung der Raffinieren im Süden der Vereinigten Staaten für den Weltmarkt ist gewachsen, da sie immer mehr Ölprodukte wie Benzin exportieren. „Solch ein Sturm ist keine Angelegenheit, die nur die Amerikaner trifft“, sagt Jakob. „In den vergangenen zwei Jahren hat das Land immer mehr Benzin exportiert - auch nach Europa.“ Mit Blick auf die Wartungsarbeiten in der Nordsee rechnet Jakob damit, dass dort die Lieferunterbrechungen noch bis in den Oktober fortbestehen werden.

Mehr Wetten auf hohe Ölpreise

Andere Analysten urteilen, dass die Bedeutung der Ölförderregion im Golf von Mexiko etwas abgenommen habe. Denn im Landesinneren hat die Ölmenge erheblich zugenommen. Neue Techniken wie das Fracking erlauben die Förderung von Schieferöl in großem Stil, das amerikanische Ölangebot hat deutlich zugelegt.

Derweil setzten die Anleger an den Rohstoffbörsen auf weiter steigende Ölpreise. Daten der amerikanischen Terminmarktaufsicht CFTC belegen, dass die spekulativ orientierten Anleger ihre Wetten auf höhere Ölpreise (Netto-Long-Positionen) in der Woche bis zum 21. August um 18 Prozent erhöht haben. Das ist so hoch wie seit Anfang Mai nicht mehr. Dabei hatten zuvor noch viele Anleger damit gerechnet, dass wegen der europäischen Schuldenkrise und der internationalen Konjunkturabschwächung die Ölnachfrage niedrig bleiben werde.

Baldige Öffnung der Notfallreserven?

Kein Wunder, dass mittlerweile die Debatte um eine Öffnung der strategischen Öl-Notfallreserven besonders in den Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien abermals an Fahrt gewinnt. Die Idee: Das zusätzliche Angebot könnte die Preise drücken. Vergangenes Jahr gab die Internationale Energieagentur (IEA) wegen der Förderausfälle in Libyen 60 Millionen Barrel kurzfristig frei. Die Ölpreise sanken aber nicht langfristig. „Bislang stand die IEA den vornehmlich aus Amerika stammenden Plänen kritisch gegenüber“, urteilen die Rohstoffanalysten der Commerzbank. Doch ein Dementi der IEA bezüglich der vielen Berichte über eine baldige Öffnung sei wohl ausgeblieben, weil die IEA „die Spekulationen bewusst im Raum stehen lässt, damit die Preise nicht noch weiter steigen“.

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