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Ölförderung Die neuen Scheichs aus Amerika

Dank neuer Fördertechnik wird Amerika zum größten Gas- und Ölproduzenten der Welt. Anleger können profitieren, wenn sie auf die richtigen Firmen setzen.

© © Kirsten Ulve/Corbis Vergrößern

Momentan explodieren noch nicht die Gewinne - aber die Erwartungen. Mit ihrem jüngsten Jahresbericht hat die internationale Energieagentur (IEA) sie befeuert, als sie feststellte: Bis 2017 wird Amerika zum größten Erdölproduzenten und damit die bisher führenden Produzentenländer Saudi-Arabien und Russland hinter sich lassen.

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Sogar noch früher, nämlich 2015, würden die Vereinigten Staaten auch beim Erdgas die Weltspitze übernehmen. Sie wären die größten Förderer fossiler Energie und könnten bis 2035 unabhängig von Rohöl- oder Gasimporten aus anderen Staaten werden. Wie sie das schaffen sollen? Mit den Schieferöl- und Schiefergasvorkommen in ihrem Grund, die für die nächsten 100 Jahre reichen sollen.

Beim Fracking sickern giftige Chemikaliengemische ins Grundwasser

Amerika zapft seit 2005 im großen Stile mit Fracking seine unterirdischen Rohstoffvorkommen an. Dabei werden Gemische aus Wasser, Sand und Chemikalien ins Erdreich gepresst, die das Gestein aufbrechen und durchlässig machen. So lässt sich das darin gebundene Gas oder Öl gewinnen. Die Fracking-Technik ist allerdings umstritten, denn die teils giftigen Chemikaliengemische bleiben nicht nur im Erdreich, sie sickern auch ins Grundwasser. Zudem bleiben riesige Abwasser-Seen zurück, die die Industrie nur unzureichend klärt, das gefährdet Flüsse und Seen.

Infografik / BASF

Infografik / Exxon Mobil

Gemessen an der Ausbeute gilt Fracking jedoch in den Vereinigten Staaten als Riesenerfolg, vor allem beim Gas. Allein in den vergangenen zwei Jahren hat sich der Anteil des geförderten Fracking-Gases dort mehr als versiebenfacht. Ein Viertel der Förderung läuft bereits über diese unkonventionelle Methode, wobei die Firmen so schnell so viel Gas auf den Markt pressten, dass der Preis auf ein 10-Jahres-Tief sank. Dadurch implodierten die Umsätze und Gewinne selbst bei den ganz großen Herstellern wie Exxon Mobil und Chevron, deren Aktienkurse brachen zuletzt ein. Aber, so frohlocken Analysten, das eröffne nun Anlegern Kurschancen, die vom Fracking-Boom profitieren wollen.

Energiekonzerne wittern gigantischen Markt

Bis 2035, schätzt die Energieagentur IEA, werden weltweit 2,8 Billionen Dollar in die Erdgasförderung durch Fracking gepumpt, rechnet man die Kosten für Erschließung und Transport noch hinzu, könnten es sogar 9,5 Billionen sein. Großkonzerne wie Exxon wittern einen gigantischen Markt, auch in Europa: 1,3 Billionen Kubikmeter Gas sollen allein im deutschen Grund liegen, schätzt eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts. Könnte man die an die Oberfläche befördern, würden sie den Gesamtenergiebedarf Deutschlands für 13 Jahre decken - und die Gewinne von Firmen wie Exxon und der BASF-Tochtergesellschaft Wintershall sprudeln lassen. Beide bemühen sich in Europa um Bohrrechte.

Infografik / Cat Oil

Infografik / BHP Billiton

Nur ist längst noch nicht ausgemacht, dass man fördern kann - und darf. Denn in vielen Ländern formiert sich Widerstand gegen die Abbauunternehmen, weil sich die Umwelt- und Gesundheitsschäden kaum abschätzen lassen. „Das Ressourcenpotential von Schiefergas und seine Kosten bleiben höchst unsicher“, sagte EIA-Chef Richard Newell erst im Juni. Auch der Energieexperte Chris Nelder warnt: „Bisher haben wir noch keine Ahnung, wie viele der Gasvorkommen sich der Förderung als würdig erweisen. Und wir werden es wohl auch in den kommenden Jahren nicht erfahren.“ Es könnten noch hohe Kosten auf die Förderfirmen zukommen, wenn sie künftig per Gesetz gezwungen würden, Bohrstellen abzusichern, Abwässer besser aufzubereiten oder auf ungiftige Chemikalien umzusteigen.

Anleger sollten auf europäische Ausrüstungsfirmen setzen

Dennoch halten viele die Aussichten für Erdgas langfristig für gut, wie Rohstoffinvestor Harry Rady von Rady Asset Management; er schränkt aber ein: „Zurzeit überflutet das Angebot den Markt.“ Noch arbeiten die amerikanischen Gasförderer mit Verlust. Sie pumpen auf den Markt, was das Gestein hergibt, um die sinkenden Preise wettzumachen. Das stabilisiert den Gaspreis nicht gerade. Dazu kommen die hohen Anlaufkosten für Bohrstellen. Vorerst gehören eher die Ausrüstungsfirmen zu den Gewinnern, wie Cat Oil, die sich auf die Technik für die hydraulischen Tiefenbohrungen spezialisiert hat. Oder Hersteller wie Linde, dessen Chemie die Förderer einsetzen.

Zudem erteilen die amerikanischen Behörden schon Exportlizenzen für die Betreiber von Terminals, die das Gas nach Europa und Asien verschiffen. Angesichts der viel höheren Preise hierzulande lohnt sich das, und es beflügelt Firmen wie Cheniere Energy oder die britische BG Group, die weltweit nach Erdgas sucht. Anleger, die schon jetzt dem Gasrausch verfallen sind, sollten daher am besten auf europäische Ausrüstungsfirmen setzen. Mutige kaufen Exxon-Aktien und hoffen, dass der Boom nicht in ein paar Jahren mit dem großen Knall endet.

Quelle: F.A.S.

 
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