Home
http://www.faz.net/-gvz-75udd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Baufinanzierung

Ölförderung Die Lücke schließt sich langsam

Bis in das Jahr 2010 haben amerikanisches und europäisches Öl nahezu gleichviel gekostet. Durch Fracking kam es zu einem Überangebot der ersten Sorte – und zu einem großen Preisunterschied. Dieser soll nun verringert werden.

© dpa Vergrößern Ölförderung in Pennsylvania

Es ist eine Geschichte, wie sie eigentlich nur in Schildbürgerstreichen vorkommt: Im kleinen Örtchen Cushing im amerikanischen Oklahoma, in dem gerade einmal 8000 Menschen wohnen, staut sich seit mehreren Jahren das Erdöl Amerikas. Dort fließt nahezu alles Öl zusammen, welches auf dem nordamerikanischen Kontinent gefördert wird – aber der Abfluss Richtung Küste und Häfen ist einfach zu klein. Dabei war die gut ausgebaute Pipeline-Infrastruktur in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Grund, warum die New York Mercantile Exchange die Kleinstadt zum offiziellen Auslieferungszentrum für leichtes Rohöl bestimmte.

Keine ausreichenden Pipeline-Kapazitäten

Eine relativ neue Technik, das sogenannte Fracking, erlaubt es, bisher ungenutzte Gas- und Erdölquellen auszubeuten. Das hat besonders im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten zu einem wahren Boom geführt – allein in North Dakota hat sich die Produktion von Öl aus Schiefersanden im vergangenen Jahr verdreifacht. Vermehrt wird auch Öl aus Kanada importiert, da die Ausbeutung der Ölsande durch die steigenden Erdölpreise rentabler ist als in der Vergangenheit. Das führt dazu, dass es mittlerweile ein Überangebot an Öl in den Vereinigten Staaten gibt. Anstatt es von Cushing aus zu verteilen, musste nun ein Großteil des Öls in Richtung des nächsten Hafens transportiert werden – nach Freeport bei Houston in Texas. Dafür waren aber keine ausreichenden Pipeline-Kapazitäten vorhanden. Das entwickelte sich ab dem Jahr 2010 zu einem großen Problem, als sich immer mehr Öl staute. Seitdem wurden in Windeseile mehrere Lager hochgezogen, um das Öl aufzufangen. Aktuell lagern etwa 52 Millionen Barrel in Cushing – so viel wie nie zuvor. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten werden täglich etwa 20 Millionen Barrel verbraucht.

Karte / USA / Seaway-Pipeline © F.A.Z. Bilderstrecke 

Das Problem wurde dann relativ schnell erkannt. Als erster Schritt wurde die Fließrichtung der Seaway-Pipeline umgekehrt. Wo früher Öl von den Häfen in Houston nach Cushing floss, fließt es heute von Cushing aus nach Houston, um es in riesigen Tankern in die Welt hinaus zu transportieren. Dabei reichte die Kapazität bei weitem nicht aus. In einem zweiten Schritt wurde nun eine Parallelpipeline zur Seaway gebaut und damit die Transportkapazität von 140.000 Fass am Tag auf über 400.000 Fass mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: Es würde trotzdem immer noch ein halbes Jahr dauern, um die Lager in Cushing zu leeren – unter der Voraussetzung, dass kein Tropfen neues Öl nach Cushing fließt. Deshalb soll die Kapazität bis 2015 nochmals verdoppelt werden. Die riesigen Lager werden dann langsam wieder entleert werden.

Mehr zum Thema

Deshalb gehen viele Analysten davon aus, dass sich der Preis zwischen Brent und WTI wieder annähern wird und der Spread somit verringert wird. Während er im Herbst des Jahres 2011 bei knapp 30 Dollar lag, hat er sich mittlerweile auf etwa die Hälfte bei 15 Dollar halbiert. Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass sich der Spread im Laufe des Jahres auf etwa 10 Dollar verringern wird. WTI soll dann etwa 115 Dollar kosten – und damit 20 Dollar mehr als aktuell.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Umbruch auf dem Erdölmarkt Ölpreisrutsch bedroht Amerikas Frackingwunder

Die Vereinigten Staaten haben Schieferöl im Überfluss – aber die Förderung ist teuer. Wie lange rechnet sich das Geschäft noch angesichts fallender Preise? Mehr Von Marcus Theurer, London

30.10.2014, 08:52 Uhr | Finanzen
Waldbrände wüten in Oklahoma

Waldbrände im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma halten Feuerwehrleute und Einwohnerin Guthrie in Atem. Starke Winde und hohe Temperaturen um die 38 Grad erschweren die Löscharbeiten. Mehr

06.05.2014, 09:29 Uhr | Gesellschaft
Grünen-Parteitag in Niedersachsen Abgefrackt

Beim Parteitag der niedersächsischen Grünen in Walsrode führt die Basis die Parteiführung vor. Sie verpflichtet die Parteispitze auf ein kategorisches Verbot von Fracking - und des Imports gefrackter Energieträger. Mehr Von Reinhard Bingener, Walsrode

18.10.2014, 21:04 Uhr | Politik
Debatte um Schiefergasförderung

In Amerika ist die Schiefergasgewinnung eine Erfolgsgeschichte. Doch in Deutschland sind die Bedenken groß. Die Regierung will bald ein Gesetz zum Gas-Fracking vorlegen. Mehr

01.07.2014, 13:09 Uhr | Politik
Ukraine-Krise Aufgewacht, Europa!

Europa agiert in der Krise um die Ukraine zögerlich und unentschlossen. Doch das Zurückweichen vor Putins Aggression könnten die Staaten der EU und ihre Bürger noch bitter bereuen. Ein Gastbeitrag. Mehr Von George Soros

23.10.2014, 10:57 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.01.2013, 06:00 Uhr


Wichtige Wechselkurse
Name Kurs Änderung
  Dollar --  --
  Franken --  --
  Yen --  --
  Pfund --  --
  Dollar in Yen --  --
  Dollar in Pfund --  --
Wertpapiersuche
EUR USD JPY
EUR 1 -- -- --
USD -- 1 -- --
JPY -- -- 1 --
-- -- -- --
=

Wichtige Rohstoffe
Name Kurs Änderung
  Gold --  --
  Silber --  --
  Rohöl Brent --  --
  Rohöl WTI --  --