11.12.2008 · In den vergangenen fünf Monaten hat sich der Preis für Rohöl gedrittelt. Deshalb hält auch der Preisverfall bei Diesel und Benzin an. Die Preise für Benzin, Heizöl und Diesel fallen nicht so stark wie die Rohölpreise. Hauptgrund: Hohe Steuern.
Der Ölpreis erholt sich von seinem Zwischentief bei 40,50 Dollar vor wenigen Tagen und erreicht am Donnerstag wieder die Marke von 48 Dollar. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens droht Gasprom der Ukraine - und damit indirekt Westeuropa - mit einem Lieferstopp. Zweitens scheint Saudi Arabien die Ölproduktion stärker einzuschränken als bisher erwartet.
Auf der anderen Seite hält zumindest bisher der Preisverfall bei Diesel und Benzin in Deutschland an: Diesel nähert sich immer weiter der Marke von 1 Euro und lag mit 1,06 Euro im Bundesdurchschnitt am Donnerstag nur noch 6 Cent darüber.
Das teilte Marktführer Aral mit. Bei ersten Marken-Tankstellen zum Beispiel in Hamburg, Mainz, Kassel oder Nürnberg lag der Dieselpreis schon unter einem Euro, wie es hieß. Ein Liter Superbenzin kostete 1,10 Euro, ebenfalls erneut 2 Cent weniger als am Vortag. Super war zuletzt im Juni 2004 so billig gewesen.
Tiefes Ölpreisniveau im kommenden Jahr?
Prognosen gehen im kommenden Jahr von einem vergleichsweise tiefen Preisniveau aus. Zum ersten Mal seit 25 Jahren wird wegen der Wirtschaftskrise 2008 die weltweite Öl-Nachfrage sinken. Wie die Internationale Energieagentur IEA in Paris berichtete, wird sich die Ölnachfrage in diesem Jahr um 0,2 Prozent im Vergleich zu 2007 verringern. Das wäre der erste Rückgang seit 1983. Der Ölpreis erholt sich zwar seit einigen Tagen etwas von seinem Zwischentief bei 40,50 Dollar. Im kommenden Jahr könnte Rohöl zumindest vorübergehend noch billiger werden. Dies lassen Prognosen unter anderem der Energy Information Administration (EIA) und von Merrill Lynch erwarten.
Die Prognosen rechnen mit einem Durchschnittspreis von 51 beziehungsweise 50 Dollar je Barrel (159 Liter) für die in New York auf Termin gehandelte Sorte West Texas Intermediate (WTI). Wenn von Durchschnittspreisen gesprochen wird, bedeutet dies, dass die Tiefpunkte des sich ständig auf und ab bewegenden Marktes erheblich unter den angegebenen Marken, aber zwischenzeitlich auch über ihnen liegen können. Am Donnerstag liegen die Notierungen im elektronischen Handel bei 45,65 Dollar. Noch im Juli hatte der Ölpreis einen Rekordstand von rund 147 Dollar verzeichnet.
EIA rechnet im kommenden Jahr mit einer sinkenden Ölnachfrage
Die EIA, die dem amerikanischen Energieministerium nachgeordnet ist und für das laufende Jahr noch einen Durchschnittspreis von 100 Dollar errechnet, begründet ihre Voraussage damit, dass der Abschwung der Weltwirtschaft nun doch gravierender erscheine und länger dauern dürfte, als bisher angenommen wurde. Daher zeichne sich ein weiterer Rückgang der Nachfrage nach Energierohstoffen, darunter Rohöl, ab.
Der Voraussage der EIA liegt die Annahme zugrunde, dass das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) im neuen Jahr um nur noch 0,5 Prozent wachsen dürfte. Im Oktober war noch eine Expansion von 1,8 Prozent erwartet worden.
Merrill Lynch rechnet mit deutlich sinkendem Wachstum in China
Merrill Lynch gründet seine Prognose, nach der WTI-, aber auch Brent-Öl aus der Nordsee im neuen Jahr durchschnittlich 50 Dollar kosten dürfte, auf die Annahme, dass das weltweite BIP immer noch um 1,3 Prozent wachsen werde. Würde die Investmentbank die Voraussage der EIA zugrunde legen, käme sie mit Sicherheit zu einem noch deutlich niedrigeren Durchschnittspreis. Mit der Prognose, der Weltverbrauch von Öl werde 2009 im Mittel um 400.000 Barrel sinken, liegt sie jedoch sehr nahe an der Erwartung der Agentur. Das Hauptrisiko besteht nach Ansicht von Merrill Lynch in einem deutlich sinkenden chinesischen Wirtschaftswachstum, das für 2009 bisher noch auf 8,6 Prozent zu schätzen sei.
Die Investmentbank erwartet, dass der Ölpreis im ersten Halbjahr 2009 sein zyklisches Tief erreichen und sich Mitte nächsten Jahres nachhaltig stabilisieren dürfte. Dabei setzt sie voraus, dass sich auch die Konjunktur in den OECD-Ländern wieder zu stabilisieren beginnt. Vor diesem Hintergrund sei für WTI-Öl im ersten Quartal ein Durchschnittspreis von 43 Dollar und im zweiten ein solcher von 45 Dollar zu erwarten. In der zweiten Jahreshälfte werde es dann wohl im Mittel 56 Dollar kosten. 2010 dürfte der Durchschnittspreis wieder bei 70 Dollar liegen.
Hohe Steuern machen die Treibstoffpreise träge
Ist der Rohölpreis von Juli bis Anfang Dezember in Dollar um 72 Prozent gefallen, so hat der monatliche Durchschnittspreis für Normalbenzin von einem Hoch von 152,9 Cent im Juli um 20,5 Prozent auf 121,6 Cent im November nachgegeben. Die unterschiedliche Entwicklung scheint auf den ersten Blick frappierend zu sein, lässt sich allerdings zumindest in Ansätzen durch Wechselkurseffekte, Transportkosten und vor allem auch Steuern erklären. Eine Beispielrechung von Aral zeigt, dass sich der Kraftstoffpreis an der Zapfsäule zu knapp 60 Prozent aus Mehrwert- und Energiesteuer, zu 13,24 Prozent aus der Ökosteuer und zu 22,7 Prozent aus dem Rohölpreis sowie zu 3,5 Prozent aus eigentlichen Kosten zusammensetzt. Der eigentliche Preistreiber ist damit der Staat - und nur bedingt der Ölmarkt. Letztlich führt diese Struktur dazu, dass sich die Veränderung des Rohölpreises um einen Euro nur zu rund einem Viertel an der Zapfsäule bemerbar machen kann, als mit einem Plus oder Minus von 25 Cent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |