30.01.2010 · Die amerikanische Wirtschaft gewinnt zunehmend an Fahrt, der Dollar-Raum wird für internationale Anleger wieder interessant. Das drückt den Wert der Gemeinschaftswährung und macht Öl und Urlaub teuer.
Von Tim HöfinghoffDie Sorgen um die Staatsfinanzen von krisengeplagten Ländern wie Griechenland und Portugal sowie die gestiegene Attraktivität des Dollars setzen den Euro weiter unter Druck. Am Freitag kostete die europäische Gemeinschaftswährung rund 1,39 Dollar. Damit notiert der Euro gegenüber der amerikanischen Währung so niedrig wie seit einem halben Jahr nicht mehr.
„Im Vergleich zu allen wichtigen Währungen verliert der Euro an Wert, auch gegenüber dem japanischen Yen, dem Schweizer Franken und dem britischen Pfund“, sagt Devisenexperte Ulrich Wortberg von der Helaba. Der Yen hat gegenüber dem Euro innerhalb eines Monats um 4,8 Prozent aufgewertet. Auch das Pfund hat in diesem Zeitraum rund vier Prozent an Wert gewonnen.
Positive Signale von der Fed erwartet
Die Schuldenkrise einiger europäischer Länder ist nicht der einzige Grund für die Euro-Schwäche. Hinzu kommt, dass der Dollar-Raum für internationale Investoren deutlich an Attraktivität zurückgewonnen hat. Der Dollar ist stark wegen der wachsenden Zuversicht der Anleger, dass es mit der amerikanischen Wirtschaft früher als erwartet aufwärts geht. So ist die amerikanische Wirtschaft ist im letzten Quartal des Jahres 2009 deutlich stärker gewachsen als Ökonomen erwartet hatten. Das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft der Welt wuchs nach ersten Schätzungen mit einer hochgerechneten Jahresrate von 5,7 Prozent. Dies ist das stärkste Wachstum seit dem Sommer 2003. Außerdem rechnen viele Investoren damit, dass die amerikanische Notenbank Fed noch vor der Europäischen Zentralbank (EZB) die Zinsen in den Vereinigten Staaten anheben wird und das Land zusätzliches Kapital anziehen wird.
Hans-Günter Redeker, Währungsexperte der BNP Paribas, sagt: „Es gibt zudem ein großes Interesse an amerikanischen Unternehmensanleihen.“ Anleger würden dort verstärkt investieren, weil in den Vereinigten Staaten viele Unternehmen eine hohe Kreditwürdigkeit hätten. „Diese Zuflüsse helfen auch dem amerikanischen Dollar.“ In Europa hingegen gebe es wegen der Probleme einiger Länder nun einen nicht homogenen Anleihemarkt. „Viele Investoren haben sich die Finger verbrannt.“ Sollte es tatsächlich zu einem Zahlungsausfall in Griechenland kommen, dürfte dies zu einer Kettenreaktion an den Finanzmärkten führen: Ein starker Kapitalabfluss aus den schwachen Ländern wäre die Folge.
Euro weiter auf dem Weg nach unten
An den Devisenmärkten schicken Anleger den Euro hingegen auf Talfahrt, weil sie unsicher sind, wie es mit den Staatsfinanzen einiger europäischer Länder weitergeht. Nicht nur Griechenland ist unter Druck, auch in Portugal sind die Probleme groß. Derweil steigen die Versicherungsprämien, die Investoren zahlen müssen, um sich gegen den Ausfall von Staatsanleihen dieser Länder abzusichern. Investoren schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls deutlich höher ein als noch im vergangenen Sommer. Derweil gibt es Spekulationen auf den Finanzmärkten, ob Mitgliedstaaten aus der Europäischen Union (EU) den kleineren EU-Krisenländern zur Hilfe kommen.
Die Euro-Schwäche – zum Beispiel gegenüber dem Dollar – hat vielfältige Konsequenzen: So macht die Abwertung des Euro den Urlaub der Deutschen in Amerika teurer. Auch die Einfuhr von Rohstoffen wie Öl verteuert sich für deutsche Verbraucher, weil Öl in Dollar gehandelt wird. Die exportorientierten Unternehmen hierzulande können hingegen ihre Waren günstiger in den Dollar-Raum offerieren. Und wer als Anleger in den amerikanischen Aktienmarkt investiert, hat geringere Währungsverluste als zu Zeiten, in denen der Euro stark war.
Bezüglich der weiteren Kursentwicklung des Euro sind Analysten nicht optimistisch: „Wir sind auf dem Weg nach unten“, sagt Währungsfachmann Redeker. „Wir erwarten für das vierte Quartal einen Eurokurs von 1,31 Dollar.“ Seiner Einschätzung nach seien Finanzinvestoren wie zum Beispiel Hedge-Fonds-Manager noch pessimistischer: „Die reden bereits von einem Kurs von 1,20 Dollar.“ Helaba-Analyst Wortberg prognostiziert bis zur Jahresmitte einen Kurs von 1,30 Dollar. Der Euro-Kurs sollte seiner Meinung nach erst wieder stabilisieren, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) damit beginne, die Zinsen zu erhöhen. „Damit ist frühestens im dritten Quartal zu rechnen.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |