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Neuer Höchststand Der Ölpreis knackt die 115-Dollar-Marke

17.04.2008 ·  Der Rohölpreis hat am Mittwoch im amerikanischen Handel und am Donnerstagmorgen im asiatischen Handel zeitweilig die Marke von 115 Dollar überschritten. Analysten halten kurzfristig noch höhere Preise für wahrscheinlich. Schuld sein soll vor allem die Dollarschwäche.

Von Gerald Braunberger
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Der Rohölpreis hat am Mittwoch in Amerika und am Donnerstagmorgen in Asien zeitweilig die Marke von 115 Dollar je Barrel überschritten und damit - vor allem wegen des schwachen Dollar - einen neuen Rekordstand erreicht. Ein Fass leichten amerikanischen Öls (WTI) kostete zu Handelsschluss in Amerika 114,93 Dollar. Außer dem schwachen Dollar trugen wetterbedingte Lieferprobleme in Mexiko zu den neuen Höchstpreisen bei. Die steigende Zahl offener Kontrakte am Terminmarkt zeigt an, dass immer mehr Finanzinvestoren in Öl investieren. Neben Öl waren auch andere Rohstoffe gefragt. So erreichte der Preis für eine Tonne Zinn mit 21,33 Dollar einen Höchststand.

Kurzfristig halten manche Analysten neue Rekorde für möglich. „Wir sehen einen intakten Aufwärtstrend und schließen ein Erreichen von 120 Dollar für das Fass Öl in den nächsten Wochen nicht mehr aus“, hieß es bei der Commerzbank. Aus technischer Sicht erklärt Barclays Capital, die nächsten Preisziele für WTI lägen bei 114,30 Dollar und dann bei 117,20 Dollar. Obgleich die Aufwärtsbewegung inzwischen überdehnt erscheine, lasse die allgemeine Stärke des Energiekomplexes unter Einschluss von Benzin, Erdgas und Kohle eine Fortsetzung der Preissteigerungen erwarten.

Ölpreis steigt, obwohl zumindest die Nachfrage nach Benzin fällt

Solange sich die Notierungen für WTI über der Marke von 110 Dollar hielten, müsse die aufstrebende Tendenz jedenfalls respektiert werden. Beim ersten Anzeichen für die Bildung eines Preisgipfels empfehle es sich aber, die Lage rasch neu zu überdenken. Öl neige nämlich aller Erfahrung nach zu weitreichenden Korrekturen, sobald es einmal neue Höchststände erreicht habe.

Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch prognostizierte bereits für den Fall, dass der Preis 115 Dollar erreicht, dass das Preisziel auf 125 Dollar ausgeweitet werden würde. Eine Korrektur dürfte bereits deutlich über der charttechnischen Stützungszone zwischen 85 und 90 Dollar enden. Geschähe dies, spräche es für die zugrundeliegende Stärke der Hausse. Die Investmentbank verweist darauf, dass die Hedge-Fonds ihre Netto-Kaufpositionen am Terminmarkt für WTI zuletzt zwar deutlich aufgestockt haben, doch insgesamt lägen sie noch immer im neutralen und nicht im überzogen hohen Bereich.

Die laufende, Anfang April angebrochene Phase der Aufwärtsbewegung des Ölpreises hat viele Analysten überrascht. Sie hatten zunächst erwartet, dass die Notierungen aus jahreszeitlichen Gründen und wegen konjunkturell bedingt sinkender Nachfrage besonders in Amerika unter nachhaltigen Druck geraten würden. Tatsächlich sinkt der Verbrauch von Benzin nach Beobachtungen der staatlichen Energy Information Administration (EIA) schon seit Monaten. Die privaten Konsumenten spürten offenkundig die auf immer neue Rekorde steigenden Preise für den Treibstoff, heißt es. Ähnliches wird aus Westeuropa berichtet, wobei jedoch anzumerken bleibt, dass so umfassende und zugleich zeitnahe Daten wie vom amerikanischen Energiemarkt in Europa nicht öffentlich verfügbar sind.

Opec scheint mit dem gegenwärtigen Preisniveau zufrieden zu sein

Ganz allgemein gilt für die Jahreszeit, dass die Raffinerien auf der nördlichen Halbkugel ihre Ölverarbeitung nach dem Ende des Winters vor allem auf die Erzeugung von Benzin konzentrieren. Der Bedarf wächst traditionell während des Sommers über die vorhandenen Produktionskapazitäten hinaus, so dass nur ein gezielter Vorratsaufbau Engpässe in der Ferienzeit verhindern kann. In Amerika beginnt diese Periode bereits im Mai und endet, wie auch in Europa, Anfang September.

Bemerkenswert erscheint manchen Kommentatoren, dass der Markt nicht mit fallenden Preisen auf die erheblich gesenkte Prognose der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zum Ölverbrauch im laufenden Jahr reagiert hat. Begründet wurde die Korrektur mit der verringerten Prognose des Internationalen Währungsfonds zum Wachstum der Weltwirtschaft.

Auch die Förderpolitik der Opec ist ein Thema. Das Kartell hat bisher trotz der gestiegenen Preise und trotz nachweislich sinkender Förderung jener Ländergruppe, die der Opec nicht angehört, eine Erhöhung der Produktion verweigert. Private Berechnungen versuchen nachzuweisen, dass das Kartell ohne Berücksichtigung des Irak seine Förderung sogar verringert hat. Dies sei aber nicht Absicht, sondern habe fördertechnische Ursachen, heißt es. Die Opec scheine mit dem gegenwärtigen Preisniveau zufrieden zu sein.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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