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Neue Ölquellen : Brasilien auf dem Weg zur Energiesupermacht

Der brasilianische Energieminister Edison Lobão (2. von links) mit Mitgliedern mehrerer Ölkonzerne bei der Versteigerung des Libra-Ölfeldes am 21. Oktober Bild: dpa

Neue Ölquellen lassen das Land zum Erdölexporteur werden. Die Versteigerung des Libra-Ölfeldes war nur der Beginn. Die Opec bekommt einen harten Konkurrenten.

          Es ist eine einmalige Chance für Brasilien: Durch die Versteigerung des Libra-Ölfeldes am Montag steht die Tür weit offen, um in die Phalanx der Ölgroßmächte vorzustoßen. Tief unter dem atlantischen Ozean, in 6 Kilometer Tiefe unter einer gewaltigen Salzschicht, lagern im Libra-Ölfeld 8 bis 10 Milliarden Barrel Erdöl. Ein Barrel, die Standardeinheit auf dem Ölmarkt, sind etwa 159 Liter. Regierungsbehörden in Brasilien geben die potentiellen Reserven sogar mit bis zu 12 Milliarden Barrel Öl an, die sich etwa 150 Kilometer vor den Stränden von Rio de Janeiro befinden.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist der Verkauf dieses Ölfelds nur der Beginn der Fahnenstange. In dem gesamten Becken, in dem Öl gefunden wurde, werden Vorräte von mehr als 100 Milliarden Barrel vermutet. Das Feld gehörte zum Zeitpunkt seiner Entdeckung im Jahr 2006 zu den größten jemals entdeckten Ölfeldern. Ähnliche bedeutende Funde gab es zuletzt in den 1970er-Jahren vor der Küste Mexikos.

          Eine geldreiche Zukunft

          Das Libra-Ölfeld war aber nur das erste und größte versteigerte Ölfeld seiner Art in der Salzformation vor der Küste Brasiliens. Das Öl, welches dort bisher entdeckt wurde, hat zudem eine sehr hohe Qualität. Würde das für das gesamte Ölfeld zutreffen, würde das auch für Brasilien sprechen. Umso leichter das Erdöl ist, umso besser können es Raffinerien verarbeiten. Dafür ist das Feld nur sehr schwer zu erschließen. Nur sehr wenige Förderstätten liegen so tief unter der Erde wie das Libra-Ölfeld.

          Sollten sich alle Funde bestätigen, würde Brasilien unter die Top 10 der Erdölförderländer vorstoßen – noch vor den Opec-Ländern Venezuela, Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das bedeutet, dass unter den zehn wichtigsten Erdölförderern nur noch vier Länder der Organisation erdölexportierender Länder wären. Brasilien wäre, wenn die Produktion im Jahr 2019 voll aufgenommen wird, mit einer täglichen Produktion von 3,5 Millionen Barrel Öl die Nummer sechs der Förderer des schwarzen Goldes.

          Was außerdem noch für Brasilien spricht, ist der sogenannte „Oil Peak“. Dieser Punkt gibt an, wann die maximale Förderung erreicht wird oder wurde. In allen großen Ölfeldern ist die Produktion rückläufig, in Brasilien hat die Förderung dagegen noch nicht einmal begonnen – eine geldreiche Zukunft liegt vor dem südamerikanischen Land.

          Chinas Nachfrage bleibt hoch

          Steht der Opec nun der Untergang bevor? Eher nicht. Denn auch wenn immer mehr Erdöl von Ländern außerhalb des Kartells gefördert wird: Allein das mächtige Opec-Quartett – Saudi-Arabien, Kuweit, die Vereinigten Arabischen Emiraten und Qatar – fördert 20 Prozent dessen, was die Welt Tag für Tag nachfragt. Außerdem wächst der Durst nach dem schwarzen Gold genauso steil mit, wie es mehr Förderländer und Ölquellen gibt. Während man sich in Europa schon auf alternative Energien und Energieeffizienz konzentriert und in den Vereinigten Staaten Biodiesel in riesigen Mengen mit dem normalen Benzin vermischt wird, setzen die Schwellenländer unvermindert auf Erdöl. Der Durst von China, Indien und natürlich auch Brasilien ist noch lange nicht gestillt. China ist auf dem besten Weg, der größte Ölimporteur der Welt zu werden, auch Brasilien importiert noch den Großteil seines Erdöls.

          Das könnte sich mit den neuen Ölfeldern ändern. Sollte Brasilien zum Exporteur von Öl werden, müsste es sich um Abnehmer heute keine Sorgen machen. Nicht zufällig sind auch zwei chinesische Unternehmen an dem jetzt versteigerten Ölfeld beteiligt – China greift nach jeder verfügbaren Ölquelle auf allen Kontinenten. Für Brasilien ist das deshalb durchaus eine Chance. Man wird unabhängig von Importen und hat gleichzeitig eine sichere Einnahmequelle, da Chinas Nachfrage nach Erdöl wohl dauerhaft hoch bleiben wird. Die Opec wird es dagegen kaum betreffen. Solange die Ölfelder in der Golfregion sprudeln, wird das Kartell viel Macht behalten. Auch wenn die Spannungen innerhalb der Organisation größer werden, sitzt man noch auf den größten Ölfeldern der Welt. Die Frage ist nur, wie lange noch.

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