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Nach Rekordniveau Der Ölpreis schwankt heftig

23.09.2008 ·  Einen Tag nach dem Rekordanstieg fallen die Notierungen fast auf Ausgangsniveau: Von 130 Dollar am Vortag sank der Preis pro Barrel auf 106 Dollar. Schuld sind Eigenheiten des Terminhandels, allgemeiner Pessimismus und der schwache Dollar.

Von Kerstin Papon
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Nicht nur an den Aktienmärkten, auch im Ölhandel sind die Preisausschläge derzeit außergewöhnlich heftig. Am Dienstag fiel der Preis für ein Barrel (rund 159 Liter) der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) um bis zu 15 Dollar oder 12 Prozent auf 106 Dollar. Später erholte er sich wieder auf etwa 109 Dollar. Noch am Vortag waren die Notierungen in New York allerdings um bis zu 25,45 Dollar auf exakt 130 Dollar emporgeschossen - der höchste Tagesanstieg, der jemals beobachtet wurde. Rohöl war zu diesem Zeitpunkt so teuer wie seit zwei Monaten nicht mehr.

Im Ölhandel werden mehrere Argumente für den Preissprung genannt. Der Hauptgrund ist sicherlich in den Eigenheiten des Terminhandels zu sehen. Besonders stark gestiegen - und dies unter geringen Umsätzen - war am Montag der auslaufende Kontrakt zur Lieferung von WTI im Oktober. Am letzten Handelstag eines Terminkontraktes sind die Kurse in der Regel besonders schwankungsanfällig. Marktteilnehmer, die auf einen Rückgang des Ölpreises spekuliert hätten, seien gezwungen gewesen, ihre Shortpositionen wieder einzudecken, sagt Eugen Weinberg, Rohstofffachmann der Commerzbank. Dies habe den Oktoberkontrakt nach oben katapultiert. Barclays Capital verweist zudem auf die für einen solchen Tag ungewöhnlich hohe Anzahl an offenen Positionen in diesem Kontrakt. Die folgenden Kontrakte hätten nur um 5 bis 7 Dollar zugelegt. Auch für Nordseeöl der Sorte Brent ging es am Montag nach oben - in der Spitze um vergleichsweise geringe 7,5 Prozent auf 107 Dollar.

Ölpreis dürfte sich stark erholen

Nach erfolgter Umstellung auf den Novemberkontrakt notierte die Ölsorte WTI am Dienstag wieder deutlich tiefer. Dadurch lag der Preis nunmehr rund 5 Prozent höher als noch am Freitag. Weinberg geht aber davon aus, dass sich der Ölpreis aus technischer Sicht stark erholen dürfte, auch wenn das Ausmaß schwer abzuschätzen sei. Gleichwohl sei nicht ausgeschlossen, dass sich der volatile Preisverlauf mit einer eher aufwärtsgerichteten Tendenz fortsetze.

Als Argumente für höhere Ölpreise führt er unter anderem den extremen Pessimismus an, der nun korrigiert werde, und die preisstützenden Angebotsrisiken. So seien am Montag im Golf von Mexiko noch immer 77 Prozent der amerikanischen Ölproduktion geschlossen gewesen, was sich in weiter fallenden Lagerbeständen niederschlagen sollte. Die nigerianische Rebellenorganisation hatte am Wochenende zwar einen unbefristeten Waffenstillstand ausgerufen. Doch dies habe sie in der Vergangenheit schon oft getan, relativiert Barclays Capital die positiven Nachrichten aus dem größten Ölförderland Afrikas.

Der schwache Dollar macht den Rohstoff interessant

Marktbeobachter wie Weinberg führen den jüngsten Ölpreisanstieg auch auf die Schwäche des Dollar zurück. Setzt sie sich fort, gilt sie ebenfalls als Argument für wieder höhere Ölpreise. Am Montag jedenfalls kostete ein Euro zeitweise 1,48 Dollar - am Freitag mussten dafür lediglich 1,44 Dollar bezahlt werden. Dieser Tagesanstieg um 4 Cent ist der höchste seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. Die Schwäche des Dollar gründe auf der Unsicherheit der Marktteilnehmer bezüglich des geplanten Rettungspakets für Amerikas Banken über 700 Milliarden Dollar, sagen Analysten. Mit dem Rettungsplan keimten nun aber auch Hoffnungen, der Konjunktur könnte Schlimmeres erspart bleiben. Treffen sie zu, dürfte auch dies die Nachfrage nach Öl und damit den Preis stützen.

Grundsätzlich macht ein schwächerer Dollar Rohstoffe interessanter, da sie auf der ganzen Welt in der amerikanischen Währung gehandelt werden. Die Nachfrage nach ihnen steigt dann in der Regel. Er mindert zudem die Einnahmen der Ölförderländer, was ebenfalls preistreibend wirkt. Als weitere Argumente für einen Ölpreisanstieg wird im Handel die Absicherung gegen Währungsrisiken und die Flucht der Investoren in sichere Werte angeführt, zu denen neben Staatsanleihen auch Rohstoffe wie Gold, aber eben auch Rohöl zählten.

Konjunkturpessimismus ließ Preis fallen

Der wachsende Konjunkturpessimismus war es denn auch, der den Ölpreis in den vergangenen Wochen fallen ließ. So musste noch Mitte Juli der Rekordwert von 147,50 Dollar je Barrel WTI bezahlt werden. Vor einer Woche erreichte der Ölpreis ein Siebenmonatstief von 90 Dollar. Der Handel geht derzeit von einem auf Sicht der kommenden Monate relativ konstanten Ölpreis aus. Die Kurve der Terminpreise ist relativ flach. Das heißt, unabhängig vom Liefertermin ist Rohöl ähnlich teuer. Im Terminhandel an der New Yorker Mercantile Exchange (Nymex) kostet Öl zur Lieferung in den nächsten zwölf Monaten aktuell um die 109 Dollar. Erst von November 2009 an steigen die Notierungen auf gut 110 Dollar je Barrel.

Der mit 10,75 Dollar bislang größte Sprung des WTI-Preises erfolgte am 6. Juni. Damals trieben ebenfalls ein schwacher Dollar - nach enttäuschenden Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt - sowie Drohungen des israelischen Premierministers Ehud Olmert in Richtung des großen Ölproduzenten Iran den Preis.

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Jahrgang 1967, Redakteurin in der Wirtschaft.

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