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Nach Griechenlands Hilferuf Analysten prophezeien Druck auf den Euro

24.04.2010 ·  Für einen kurzen Moment stieg der Wert des Euro im Devisenhandel. Doch die Fachleute urteilen, dass die Erholung der Gemeinschaftswährung nur vorübergehend ist. Unterdessen lockt das britische Pfund.

Von Tim Höfinghoff und Bettina Schulz, Frankfurt/London
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Der Euro profitierte am Freitag zumindest kurzfristig vom griechischen Hilferuf. Nachdem die griechische Regierung die Europäische Union (EU) und den Internationalen Währungsfonds (IWF) um finanzielle Unterstützung gebeten hatte, ist der Wert des Euro im europäischen Devisenhandel leicht gestiegen. Für die europäische Gemeinschaftswährung mussten rund 1,33 Dollar bezahlt werden. Dennoch bleiben Devisenfachleute skeptisch, was die weitere Entwicklung der Gemeinschaftswährung angeht.

Am Donnerstagabend noch hatten die Devisenhändler den Euro-Kurs unter die Marke von 1,32 Dollar gedrückt und damit auf den niedrigsten Stand seit knapp einem Jahr. Die Ratingagentur Moody's hatte am Donnerstag die Kreditwürdigkeit Griechenlands von der Bonitätsnote „A2“ auf „A3“ herabgestuft und angekündigt, eine weitere Herabstufung zu prüfen. Am Donnerstag hatte Griechenland überraschend das Haushaltsdefizit für 2009 von 12,7 Prozent auf 13,6 Prozent korrigiert. Diese beiden Meldungen hatten den Euro am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Am Freitagnachmittag erholte sich der Kurs wieder. Eine neue Abwertungswelle, die die Angst vor einer kurzfristig bevorstehenden Umschuldung Griechenlands ausgelöst hätte, wurde daher nicht eingeleitet.

Das Vertrauen in den Euro leidet

Die Nachricht, dass das hochverschuldete Griechenland die Hilfen von EU und IWF annehmen wird, stützten zwar den Euro-Kurs, doch nach Einschätzung von Devisenfachleuten ist damit nicht langfristig zu rechnen: „Der Euro wird unter Druck bleiben“, sagt Ian Stannard, Devisenexperte der BNP Paribas. Das Vertrauen in den Euro leide, wenn Griechenland nun die Finanzhilfen in Anspruch nehmen müsste. Die Marktteilnehmer seien zudem weiterhin besorgt, „dass sich die Krise auch auf andere Länder in Europa ausweiten könnte“. Stannard rechnet damit, dass der Euro in den kommenden Wochen mit rund 1,28 Dollar gehandelt werde.

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Auch andere Devisenfachleute sind kritisch: Die Fachleute von Barclays Capital zum Beispiel sind mit Blick auf die mittel- und langfristige Situation des Euro so skeptisch, dass sie am Freitag warnten, jegliche Erholung des Euro werde sie veranlassen, die Währung zu verkaufen. Nachdem der Euro-Wechselkurs gegenüber dem Dollar am Donnerstag den Widerstand von 1,3270 Dollar nach unten durchbrochen hatte, warnten technische Analysten von Barclays Capital, dass ein Wochenschluss des Euro unter der Marke eine weiter scharfe Abwertung der Einheitswährung einleiten könnte.

Angst vor einer zu lockeren EZB

Griechenland war zum Schluss mit Risikoprämien am Markt konfrontiert, die auf Dauer für das Land nicht mehr tragbar gewesen wären. Im Prinzip war Griechenland vom Kapitalmarkt zu akzeptablen Konditionen ausgeschlossen worden - daher die Abwertung durch die Ratingagentur Moody's und daher auch der immense Druck auf Griechenland, formal um den Beistand des IWF und anderer Geberländer zu bitten.

Dennoch geht auch die Commerzbank davon aus, dass es sich bei der jetzigen Erholung des Euro nur um ein kurzfristiges Phänomen handeln wird. „Denn die Probleme des Euroraumes bleiben: die Angst davor, dass die Schuldenkrise und die Rezession in Griechenland nicht die notwendigen Anpassungen erzwingen; die Angst, dass in anderen Euroraum-Ländern ähnliche Probleme drohen; die Angst vor einer EZB, die aufgrund dieser Probleme in Zukunft gezwungen ist, die Geldpolitik lockerer zu gestalten, als das heute absehbar ist“, schreiben die Anaylsten der Commerzbank.

Pfund gegen Euro

Unterdessen lockt das britische Pfund immer mehr spekulative Anleger an. Nach dem drastischen Wechselkursverfall im Zuge der Finanzkrise könnte der Wechselkurs der britischen Währung gegenüber Dollar und Euro nachhaltig drehen. Die Bank Goldman Sachs empfiehlt zum Beispiel, Pfund gegen Euro zu kaufen. Der Grund: Nach der am 6. Mai bevorstehenden Parlamentswahl wird eine neue Regierung beherzte Sparmaßnahmen ergreifen müssen und werden die Finanzmärkte endlich erkennen, wie eine künftige Regierung Herr des Haushaltsdefizits und des immer höheren Schuldenberges wird.

Mittlerweile stört die Londoner City auch die in Großbritannien erwartete politische Pattsituation eines „Hung Parliament“ nicht mehr. Im Gegenteil: Auch Ratingagenturen vermuten mittlerweile, dass eine Koalitionsregierung in Großbritannien mindestens so schnell einen Sanierungskurs einschlagen dürfte wie eine Mehrheitsregierung. Am Freitag notierte das Pfund bei 86,57 Cent je Euro.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Wirtschaft.

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