http://www.faz.net/-gv6-7gp71
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 17.08.2013, 19:22 Uhr

Nach der Finanzkrise Brauchen wir ein neues Geldsystem?

Es ist viel zu viel Geld im Umlauf. Weil die Banken es aus dem Nichts schöpfen. Und die Staaten nicht genug davon kriegen können. Höchste Zeit, grundsätzlich neu zu denken.

von
© Getty Images/Tetra images RF

Die Ängste sind etwas diffus - aber sie sind verbreitet. Was ist, wenn auf die Bankenkrise und die Staatsschuldenkrise eine dritte große Krise folgt: die Krise des Geldes? Wenn die Menschen nach dem Vertrauen in die Banken und die unbegrenzte Kreditwürdigkeit der Staaten nun den Glauben an das Geldsystem selbst verlieren? Thomas Mayer, der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, hatte das zum Jahresbeginn in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zumindest als Möglichkeit in den Raum gestellt. Und gleich eine ganze Reihe von Büchern, die in diesem Jahr erschienen sind, warnen vor dem „Ende des Scheins“ und mahnen, unser Geldsystem müsse dringend reformiert werden.

Christian Siedenbiedel Folgen:

Wo ist dabei das Problem? Wo lauern möglicherweise Gefahren, die man im Moment noch nicht so spürt? Wie das Bankgeschäft, so basiert auch das Geld auf dem Vertrauen der Menschen. Wenn zu viel Geld geschaffen wird, kann das Vertrauen schwinden. Im Augenblick ist das zwar noch nicht der Fall. Aber Kritiker warnen, man solle es nicht darauf ankommen lassen - und lieber über eine Reform oder zumindest Ergänzung des Geldsystems nachdenken.

Zwei gegensätzliche Ängste spielen in dieser Debatte eine Rolle: Die eine ist, dass den Notenbanken die Steuerung und Kontrolle über das Geld entgleiten könnte. Dass sie also zu wenig Einfluss auf die Geldmenge haben. Die andere, gegenteilige ist, dass gerade die Macht der Notenbanken zur Gefahr werden kann - wenn sie für politische Zwecke missbraucht wird.

Geld sind heutzutage nicht nur Scheine und Münzen

Um tiefer in die Diskussion einzusteigen, muss man sich zunächst einmal mit einer ganz grundlegenden Frage beschäftigen, die nicht so trivial ist, wie sie scheint: Wie kommt das Geld überhaupt in die Welt? Wie geschieht die Geldschöpfung im gegenwärtigen System? Es ist nämlich nicht so, dass ausschließlich die Notenbanken das Geld in die Welt bringen. Für Laien ist die Vorstellung oft verblüffend, dass auch Geschäftsbanken Geld schöpfen können. Zumindest nach der vorherrschenden Auffassung der Geldtheorie ist dies jedoch möglich - und passiert auch im Prozess der Kreditgewährung.

Es sind die Banken, die einen Großteil unseres Geldes schaffen. Und zwar große Geschäftsbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank genauso wie kleine Volksbanken und Sparkassen. Und das funktioniert so: Zwar können die Banken weder Geldscheine drucken noch Münzen prägen. Das dürfen im Euroraum nur die Europäische Zentralbank und die nationalen Notenbanken.

Die Geldschöpfung der Banken ist aber von anderer Natur als die der Notenbanken. Geld, das sind heutzutage schließlich nicht nur Scheine und Münzen. Auch was irgendwo auf Konten schlummert, ist echtes Geld. Wenn Zahlen von einem Konto auf ein anderes wandern, fließt Geld. Man kann dafür Dinge kaufen und es sich auszahlen lassen.

Dieser elektronische Teil des Geldes ist mittlerweile sogar der größere Teil: In Europa gibt es eine sogenannte zahlungsfähige Geldmenge (Fachleute nennen sie „M1“) von etwa 5,2 Billionen Euro. Darin enthalten sind 879 Milliarden Euro Bargeld in Scheinen und Münzen. Der unvorstellbar große Rest ist nur auf Konten existent, die „Sichteinlagen“. Dieses Geld wird überwiegend von den Banken geschaffen.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Blick über den Tellerrand Negativzinsen und die Folgen für Europas Sparer

In Deutschland bröckelt ein Tabu: Erste Banken erheben Negativzinsen für Sparer. Sie zahlen drauf, wenn sie Geld aufs Konto legen. Im Ausland sind die Bankkunden ebenfalls betroffen - aber längst nicht überall. Mehr

19.08.2016, 14:09 Uhr | Finanzen
Animation Das Geheimnis des billigen Öls

Noch vor einigen Jahren kostete ein Faß Rohöl 115 Dollar, heute etwa ein Viertel. Was sind die Gründe?  Mehr Von Christian Siedenbiedel und Reinhard Weber

17.08.2016, 20:30 Uhr | Finanzen
Notenbanken Wenn die Zentralbank zum Großaktionär wird

Die Schweizer Nationalbank investiert stärker in Aktien und erhebt auf Hauptversammlungen ihre Stimme. Die Bank von Japan kauft ETFs. Einfluss auf Unternehmen üben sie nicht aus. Mehr Von Gerald Braunberger und Johannes Ritter, Zürich

23.08.2016, 09:54 Uhr | Finanzen
Verändertes Preismodell Postbank schränkt Gratiskonten ein

Die Postbank verlangt künftig für das Führen von Girokonten Geld. Damit folgt sie einem Trend in der Finanzbranche. Nur für junge Menschen und reiche Kunden mit höherem Geldeingang bleibt das Konto gratis. Mehr

19.08.2016, 09:57 Uhr | Finanzen
Folgen der EZB-Geldpolitik Genossenschaftsbanken gegen Strafzinsen für Privatkunden

Für Spareinlagen über 100.000 Euro hat die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee kürzlich Strafzinsen eingeführt. Wenn es nach dem Präsident der Genossenschaftsbanken geht, soll das aber die Ausnahme bleiben. Mehr

21.08.2016, 14:31 Uhr | Finanzen
Name Kurs %
EUR/USD -- --
EUR/CHF -- --
EUR/JPY -- --
EUR/GBP -- --
USD/JPY -- --
USD/GBP -- --
Name Kurs %
Gold -- --
Silber -- --
BRENT -- --
WTI Light Sweet Crude Öl -- --

Schneebälle aus Mais

Von Jan Grossarth

Eine Seilschaft braucht, wer mit kreativer Bilanzierung Anlegern Solidität vorgaukeln will. Dem ehemaligen KTG-Chef Hofreiter scheint dies gelungen zu sein. Mehr 2 6