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Nach dem EZB-Entscheid Euro fällt zeitweise unter 1,38 Dollar

02.10.2008 ·  Die Europäische Zentralbank wollte den Leitzins am Donnerstag noch nicht senken. Dafür gab der Kurs des Euro kräftig nach. Nun spekulieren die Volkswirte auf einen Zinsschritt noch vor dem Jahreswechsel.

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Ihre Leitzinsen hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag unverändert gelassen. Doch ihr Präsident, Jean-Claude Trichet, hat in der anschließenden Pressekonferenz dennoch die Tür zu einer Zinssenkung etwas geöffnet.

Ungewohnt stark hatte er die Risiken für das europäische Wirtschaftswachstum betont und die Warnungen vor einer höheren Inflation etwas schwächer gewichtet. Die Notenbank hat laut Trichet vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise über eine Zinssenkung diskutiert, zunächst aber den Leitzins noch bei 4,25 Prozent belassen.

EZB-Beobachter verwiesen jedoch darauf, dass Trichet vor allem die hohe Unsicherheit wegen der Finanzkrise unterstrichen habe. Daher sei die weitere Geldpolitik der EZB vollkommen offen.

„Keinen konkreten Hinweis“

Nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat die EZB keinen konkreten Hinweis auf eine mögliche Zinssenkung im November gegeben. Trichet habe die konjunkturellen Risiken in Folge der Verschärfung der Finanzkrise betont, heißt es in einer Kurz-Studie der Bank vom Donnerstag.

Gleichwohl habe Trichet die Tür für ein baldiges Handeln nicht verschlossen. So sei im EZB-Rat über eine Zinssenkung gesprochen worden. Letztlich habe man sich aber einstimmig dazu entschlossen, den Leitzins zunächst bei 4,25 Prozent zu belassen. Trichet habe insgesamt ein konjunkturkritischeres Umfeld gezeichnet.

Von solchen Einwänden zeigten sich die Händler an den Devisenmärkten wenig beeindruckt. Zeitweise drückten sie den Kurs des Euro zeitweise unter 1,38 Dollar. Am späten Nachmittag wurde die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,3810 Dollar gehandelt. In der Nacht zum Donnerstag hatte der Euro noch zeitweise mehr als 1,40 Dollar gekostet. Die EZB hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,3903 (1,4081) amerikanischen Dollar festgesetzt.

„Euro unter Druck gebracht“

„Die wahrscheinlicher gewordene Leitzinssenkung durch die EZB hat den Euro weiter unter Druck gebracht“, sagte Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte bei der Commerzbank und verwies darauf, dass Trichet für die nächsten Monate eine Zinssenkung angedeutet habe.

„Die Hoffnung auf eine Verabschiedung des amerikanischen Rettungspakets für den Finanzsektor hat den Dollar zusätzlich gestützt“, sagte Leuchtmann. Nachdem der amerikanische Senat dem Rettungspaket zugestimmt habe, sei jetzt die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass auch das Repräsentantenhaus zustimmen werde. „Die Ablehnung am Montag war offensichtlich dem Vorwahlkampf geschuldet.“

Die zuletzt sehr schwach ausgefallenen amerikanischen Konjunkturdaten spielten aus der Sicht Leuchtmanns angesichts der hohen Unsicherheit am Devisenmarkt derzeit keine Rolle. So waren die Auftragseingänge der Industrie im August um 4,0 Prozent zum Vormonat gefallen, während Volkswirte zuvor einen Rückgang von 2,5 Prozent erwartet hatten.

Zinssenkung zum Jahreswechsel?

„Eine Zinssenkung bereits im November ist zwar unwahrscheinlich“, sagte HSBC-Expertin Antje Hansen am Donnerstag. Um den Jahreswechsel herum könnte der Leitzins aber durchaus gesenkt werden. „Der weitere geldpolitische Kurs der EZB ist aber stark abhängig von der Entwicklung der Finanzkrise“, unterstrich Hansen. Auch Trichet habe mehrfach auf die aktuell sehr hohe Unsicherheit verwiesen. Mit der stärkeren Betonung von Wachstumsrisiken bei zugleich geringeren Inflationsgefahren habe Trichet die Tür für einen Zinsschritt nach unten ein Stück weit geöffnet.

Das weitere geldpolitische Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nach Einschätzung der Dekabank vollkommen offen. „Präsident Jean-Claude Trichet hat derart stark die Unsicherheit betont, dass kein geplantes Vorgehen zu erkennen ist“, sagte Karsten Junius, Leiter Kapitalmarktresearch bei der Dekabank am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Sollte es zu einer baldigen Beruhigung der Finanzmärkte kommen, könnte die EZB noch geraume Zeit den Leitzins unverändert bei 4,25 Prozent belassen. Eine gemeinsame Zinssenkung der EZB mit der amerikanischen Notenbank schließt Junius jedoch aus, da sich die EZB nur an der Entwicklung im Euroraum orientiert.

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