23.12.2005 · Die Nachfrage nach Gold steigt. Was macht deshalb der Goldpreis? Der steigt auch. Börse kann manchmal so einfach sein. In den kommenden Jahren sei ein Anstieg auf 850 Dollar möglich, so Wieland Staud in seiner technischen Analyse.
Von Wieland StaudKurz vor Weihnachten kann es kein Fehler sein, sich noch einmal die Grundregeln dieses Festes vor Augen zu führen. So spielen etwa Geschenke eine durchaus bedeutende Rolle. Beliebt ist dabei nicht zuletzt, was glitzert und glänzt. Was geschieht deshalb vor Weihnachten? Die Nachfrage nach Gold steigt. Was macht deshalb der Goldpreis? Der steigt auch. Und was hat der Goldpreis in den vergangenen Wochen getan? Er ist gestiegen. Börse kann manchmal so einfach sein.
Zugegebenermaßen können solche Erklärungen auch ein wenig zu einfach sein. Schließlich wird sich die Zahl der zu beschenkenden Wesen in diesem Jahr nicht wesentlich von der im vergangenen Jahr unterscheiden - und auch die Kurssteigerungen des Goldpreises im Frühling, im Sommer und im Herbst 2005 lassen sich damit eher nicht untermauern. Aber einen kleinen Einfluß auf die Preisbildung beim Gold wird Weihnachten wohl schon haben.
Korrektur - keine Trendwende
Entscheidend ist, daß die Feinunze Gold in London mit einem bisherigen Höchstkurs von 536,50 Dollar die extreme Widerstandszone von rund 500 Dollar unglaublich schnell und dynamisch, bislang aber nur vorübergehend überwand. Ein ungewöhnliches Marktverhalten, das im Regelfall nur in der Endphase einer Hausse oder aber ausgelöst durch Eindeckungen von Short-Positionen beobachtet werden kann. Während in der erstgenannten Situation der Markt euphorisch ist und deshalb auf tönernen Füßen steht, zeugt allein schon die Anwesenheit einer nennenswerten Zahl von Baissiers im Regelfall vom glatten Gegenteil. Und genau davon gehen wir auch aus. In Abwesenheit irgendwelcher nennenswerter Vorwarnsignale der Technischen Analyse darf es als halbwegs sichere Erkenntnis gelten, daß der kleine Freudenhüpfer der Feinunze ein Zeichen besonderer Stärke des Goldes war. Noch immer scheinen die meisten Marktteilnehmer eine unmittelbare Trendumkehr auf dem erreichten Niveau für weitaus wahrscheinlicher zu halten als eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.
Um einen solchen Markt muß niemandem bange sein. Der Aufwärtstrend ist intakt und wird sich fortsetzen. Nachdem unsere erstmals im Herbst 2003 genannte Zielspanne von 480 bis 500 Dollar bravourös erreicht wurde, stehen jetzt in den kommenden Jahren neue Allzeithochs über 850 Dollar auf der Tagesordnung.
Eines muß aber klar sein: Nichts ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unwahrscheinlicher als eine Fortsetzung des Aufwärtstrends im gleichen Tempo. Kurz- und mittelfristig kann die Technik der Feinunze Gold nur als weitestgehend ausgereizt eingeschätzt werden. Zu viele Marktteilnehmer wollten in zu kurzer Zeit das gleiche. Was immer dabei auch die eigentliche Motivation war: Es gibt erst einmal zu viele, die ihren Triumph genießen wollen, und zu viele, die ihre Wunden lecken müssen. Das ist kein guter Nährboden für einen direkten Durchmarsch. Der Goldpreis wird sich deshalb in der nächsten Zeit sehr volatil zeigen, dabei aber nicht so recht vom Fleck kommen, sondern auf der Stelle treten.
Volatilität absehbar
Leider könnte das bedeuten, daß das Gold, in Euro gerechnet, wieder etwas Federn lassen muß. Die geradezu paradiesisch anmutende Zeit eines erstarkenden Dollar bei gleichzeitigen Zugewinnen des Goldes ist wohl erst einmal vorbei. So manches deutet gegenwärtig darauf hin, daß der Euro dem Dollar in den nächsten Monaten wieder die Zähne zeigen wird. Der jüngste Anstieg von den bisherigen Jahrestiefs bei 1,1636 Dollar je Euro hat das Zeug, sich zu einer ausgewachsenen Rally bis 1,28 Dollar oder mehr auszuwachsen. Das gilt, auch wenn die als Zielgröße der Korrektur anvisierte Marke von 1,14 Dollar zuvor nicht erreicht wurde.
Der Deutsche Aktienindex Dax hat sich in den vergangenen beiden Wochen ein ums andere Mal zu weiteren neuen Jahreshochs aufgeschwungen und ist damit auf das vortrefflichste der stehenden Prognose gerecht geworden. Wir hegen wenig Zweifel daran, daß der deutsche Standardwerteindex auch in den kommenden Monaten eine ganze Serie weiterer Nach-Baisse-Hochs erzielen und sich dabei Schritt für Schritt seinem großen Ziel von 6.230 Punkten nähern wird. Es ist aber auch völlig klar, daß sich der weitere Anstieg nicht immer derart reibungsfrei wie in den vergangenen beiden Monaten vollziehen wird. Gerade die massiven Widerstandszonen zwischen 5.420 und 5.470 Punkten machen den einen oder anderen richtig schwachen Tag demnächst unvermeidbar.
Hinzu kommt, daß ab dem 2. Januar 2006 die durch das Jahresende bedingten Sondereffekte wegfallen sollten, denn nach einem unerwartet freundlichen Aktienjahr dürften nur die wenigsten Fondsmanager momentan wirklich richtige Lust verspüren, ihre ohnehin nicht sonderlich hohen Investitionsquoten zurückzufahren. Auch wenn die wenigsten im Vorfeld wirklich an ein derart freundliches Aktienjahr geglaubt haben: Es wäre Ende 2005 einfach blamabel, den Anteilseignern zum Stichtag unterinvestiert in die Augen schauen zu müssen. Weihnachten schafft also nicht nur in den Innenstädten, den Marktplätzen der Neuzeit, sondern auch an den Finanzmärkten Ausnahmezustände.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |