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Baufinanzierung

Marktberuhigung Die Schweiz muss keine Euro mehr kaufen

Der Mindestkurs zum Franken hält auch ohne Interventionen der Notenbank. In der Schweiz ist die Marktberuhigung hochwillkommen.

© REUTERS Vergrößern Beruhigung in der Notenbank: Die Schweiz interveniert kaum noch

Der Euro, der in den Sommermonaten immer wieder den Mindestkurs zum Franken kratzte und die Schweizerische Nationalbank zu hohen Devisenkäufen zwang, bewegt sich seit September gegenüber der Schweizer Fluchtwährung in ruhigen Bahnen. Fachleute erklären dies in erster Linie mit der Bereitschaft der Europäischen Zentralbank zu Anleihekäufen schuldengeplagter Euro-Staaten sowie mit Hoffnungen auf die Verwirklichung der angekündigten Strukturreformen in diesen Ländern. Die Folge zeigt sich nun im Neunmonatsbericht der Nationalbank (SNB). Die Devisenreserven stiegen im September nur noch um 8,5 Milliarden Franken - dies nach plus 68 Milliarden Franken im Mai, 60 Milliarden im Juni, 43 Milliarden im Juli und 12 Milliarden im August. Und auch für den Oktober weisen alle Anzeichen darauf hin, dass die SNB an den Märkten nicht groß intervenieren musste.

Jürgen  Dunsch Folgen:    

Zuletzt bewegte sich der Euro gegenüber dem Franken in einem Band zwischen 1,2050 und 1,2151 Franken. Die Nationalbank garantiert seit gut einem Jahr mindestens 1,20 Franken für den Euro und hat wiederholt bekundet, diesen Mindestkurs „mit aller Konsequenz“ halten zu wollen. Jörg Hügli, Devisenexperte der Bank Vontobel, erwartet auch für den Rest des Jahres, dass die aktuellen Währungsrelationen halten werden. Er begründet dies unter anderem mit dem Verstummen vereinzelter Kritik am Kurs der SNB und der Konjunkturabkühlung in der Schweiz. Auch die Sichtguthaben der Banken bei der Nationalbank zeigten zuletzt nur noch geringe Veränderungen. Sie sind ein Indikator für den Bestand an Fremdwährungsreserven in der Notenbank.

Verminderung der Euro-Anteile

Die Marktberuhigung ist in der Schweiz hochwillkommen. Im Zusammenhang mit der Durchsetzung des Mindestkurses Franken je Euro hat die SNB nämlich in den ersten neun Monaten dieses Jahres ihren Devisenbestand um 172 Milliarden auf 430 Milliarden Franken ausgeweitet. Nimmt man Gold und andere Posten hinzu, etwa die Reserveposition beim Internationalen Währungsfonds, verfügt die Nationalbank nach den letzten Daten über Währungsreserven von 488 Milliarden Franken. Die Bilanzsumme überschritt mit 509 Milliarden Franken (424 Milliarden Euro) erstmals die Marke von einer halben Billion.

Infografik / Währungsreserven der Schweiz © F.A.Z. Vergrößern Entwicklung von 2009 bis 2012

Zugleich hat die Notenbank im dritten Quartal ihre Devisenreserven breiter gestreut. Sie baute den Euro-Anteil gegenüber der Jahresmitte kräftig von 60 auf 48 Prozent ab und schichtete in den amerikanischen Dollar und das britische Pfund um. Deren Quoten am Devisenstock erhöhten sich so von 22 auf 28 Prozent und von 3 auf 7 Prozent. In den Anlagekategorien verminderte die SNB den Anteil der Staatsanleihen von 85 auf 83 Prozent zugunsten von Aktien, deren Anteil jetzt 12 Prozent nach zuvor 10 Prozent beträgt. „Die Verminderung des Euro-Anteils kommt überraschend schnell“, meint Alexander Koch von Unicredit in München zu der Umschichtung, die nach seiner Meinung vorläufig beendet sein dürfte. Dies geht einher mit der Aussage eines Sprechers der Nationalbank, die veränderte Währungszusammensetzung spiegele ein „Rebalancing“ auf den üblichen Anteil von etwa 50 Prozent in Euro wider.

Geldwertstabilität sichern

Die SNB dürfte noch länger an der Wechselkursgrenze festhalten - mindestens solange, bis sich für die Eurokrise eine nachhaltige Lösung abzeichnet, meint die Credit Suisse in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Mit ihren Währungsreserven ist die Notenbank in den ersten neun Monaten dieses Jahres gut gefahren. Der Gewinn von 16,9 Milliarden Franken (5,8 Milliarden im Vorjahr) speist sich zu 10,3 Milliarden aus den Fremdwährungspositionen. 6,2 Milliarden Franken entsprangen einem Bewertungsgewinn im Goldbestand. Die Nationalbank ist, obwohl börsennotiert, in ihrer Politik nicht gewinnorientiert. Vielmehr muss sie die Geldwertstabilität sichern. Mit dieser Verpflichtung, konkret der Abwehr von Deflationstendenzen durch eine Frankenaufwertung, hatte sie auch die Verhängung des Mindestkurses im September 2011 begründet.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 31.10.2012, 18:28 Uhr


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