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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mark Lacey, Fondsmanager bei Investec „Energieaktien sind billig“

 ·  Mark Lacey, Manager bei der Fondsgesellschaft Investec, sieht den Ölpreis nicht durch Politik beeinflusst. Langfristig dürfte Öl 100 Dollar kosten. Gas kann teurer werden.

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Herr Lacey, wie sehen Sie die aktuelle Lage am Ölmarkt?

Lassen Sie mich zunächst eines deutlich sagen: Alle Sorgen, der Ölpreis werde gegenwärtig durch die politischen Spannungen im Mittleren Osten hoch getrieben, sind aus meiner Sicht völlig übertrieben. Der Ölpreis bestimmt sich alleine durch die Angebots- und Nachfragedynamik bei Öl.

Warum ist der Ölpreis dann gestiegen?

Weil wir in verschiedenen Regionen wie der Nordsee, dem Jemen oder Syrien Produktionsrückgänge beobachten. Und da die Ölindustrie global nahezu an ihrer Kapazitätsgrenzen produziert, kann die Förderung kurzfristig nicht wesentlich gesteigert werden. Der steigende Ölpreis erklärt sich somit überwiegend durch die schwieriger werdenden Angebotsbedingungen.

Wo sehen Sie den Ölpreis?

Bei dem aktuellen Preis von Brent-Öl und einem Einbruch der OECD-Nachfrage jenseits von 130 Dollar je Barrel erwarten wir, dass der Preis sich im laufenden Jahr in einer Spanne von 90 und 130 Dollar je Barrel bewegen wird. In unseren Modellen legen wir einen langfristigen Ölpreis von 100 Dollar je Barrel zugrunde. Dieser wird von den Grenzkosten der Produktion der Branche bestimmt.

Wie gelangen Sie zu dieser Rechnung?

Wir schätzen, dass die Branche rund 65 Dollar je Barrel benötigt, um eine Rendite von 10 Prozent aus der laufenden Produktion zu erzielen - davon ausgehend, dass keine weiteren Investitionen benötigt werden. Andererseits braucht man angesichts begrenzter Ressourcen neue Förderprojekte, wenn das Ölangebot nicht zurückgehen soll. Solche Projekte in Kanada und Russland beispielsweise benötigen einen Preis von rund 100 Dollar, um eine Rendite von 10 Prozent zu erzielen.

Welche Rolle spielt die Nachfrage?

Wenn es um den Nachfrageeinbruch geht, muss man schauen, in welchem Teil der Welt dieser als Folge der aktuellen Preise eintritt. Bei den aktuellen Preisen von rund 125 Dollar je Barrel sehen wir eine sinkende Nachfrage in den OECD-Märkten, insbesondere in Großbritannien und Europa - in denen die heimischen Währungen schwach waren - und außerdem in den Vereinigten Staaten. Schauen wir uns aber drei anderen Regionen an, nämlich Lateinamerika, Asien und den Nahen Osten, so ist dort die Nachfrage weiterhin hoch und von den aktuellen Ölpreisen noch nicht gedämpft. Sollte sich aber der Ölpreis jenseits der 150 Dollar je Barrel entwickeln, so wird sich das langsam auch negativ auf die Nachfrage aus Nicht-OECD-Staaten auswirken.

Damit kommen wir zum Gasmarkt. Wie sehen Sie die Perspektiven?

Gas aus Amerika besitzt noch ein sehr großes Potential. Der Preis könnte auch in Europa steigen, vor allem aber in den Vereinigten Staaten, wo die Bohraktivitäten gerade zurückgehen. Angesichts ihrer beachtlichen Reserven in Kombination mit anstehenden Ausfuhrsubventionen dürften die Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren ein wichtiger Exporteur von Gas werden. Die Nachfrage nach diesen zusätzlichen Gasexporten wird aus China, Korea und Japan kommen. Gleichzeitig könnte der Preis für Gas in Asien langfristig sinken, weil aus Nordamerika importiertes Gas an den Ölpreis gebundene Volumina ersetzt.

Was bedeutet dies für die Aktien von Energieherstellern?

Wir geben als Fondsunternehmen keine Empfehlungen für Einzelaktien. Wir betrachten die in unserem Global Energy Fonds enthaltenen Aktien ausgehend von einem langfristigen Ölpreis von 100 Dollar je Barrel als deutlich unterbewertet.

Warum?

Viele Anleger kaufen ungern Aktien, wenn der Ölpreis hoch ist. Bei unseren Gesprächen mit Investoren wird immer wieder klar, dass viele von ihnen auf einen Rückgang und die Stabilisierung des Ölpreises warten, bevor sie in Energietitel investieren. Wir sehen langfristig allerdings keinen deutlichen Rückgang des Preises.

Das Gespräch führte Gerald Braunberger.

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