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Veröffentlicht: 03.09.2014, 08:54 Uhr

Edelsteinhandel Bunte Diamanten erzielen Rekordpreise

Ob „Blue Moon“ oder „Star of Josephine“: Bunte Steine erzielen auf Auktionen immer wieder Rekordpreise. Zunehmend dienen sie den Käufern auch als Geldanlage. Was den Wert eines Diamanten bestimmt.

von , Kapstadt
© Kretzer, Michael Mit 5 Karat ein Leichtgewicht: Diamantring bei Tiffany

Sie tragen Namen wie „Blue Moon“, „Star of Josephine“ oder auch „Heart of Eternity“, und sie haben schon Sultane, Zuckerbarone, Könige und in jüngerer Zeit immer wieder auch chinesische Immobilien-Investoren in den Bann gezogen. Dass Diamanten selten und teuer sind, ist bekannt. Farbige Diamanten jedoch befinden sich in einer eigenen Liga.

Claudia Bröll Folgen:

0,2 Gramm oder ein Karat – ursprünglich das Gewicht eines getrockneten Samenkorns des Johannisbrotbaums – waren dem Käufer auf einer Auktion 2,4 Millionen Dollar wert. Zielgruppe für die Kostbarkeiten sind die ungefähr 200.000 Superreichen auf der Welt, die schon das meiste von allem besitzen, was die Vertreter dieser Gesellschaftsschicht gern für erstrebenswert halten. Auch Wirtschaftskrisen und andere Fährnisse haben ihre Zahlungsbereitschaft für bunt funkelnde Steine aus gepresstem Kohlenstoff offenkundig nicht gemindert.

„Es ist eine Marktnische in einer Nische in einer Nische“, stellen die Fachleute des Branchenmagazins „Rapaport“ fest. Früher wagten sich nur wenige fachkundige Käufer an diese seltenen Juwelen heran. Heute tummeln sich immer mehr Interessenten auf den Versteigerungen, weil sie darauf hoffen, dass die Preise weiter steigen. Die Raritäten dienen nicht nur als Schmuck, sondern zunehmend auch als Geldanlage.

Für die seltenen Steine gibt es keinen Preisindex

Im Mai erzielte der 13,22 Karat schwere Stein „Winston Blue“ einen Preis von 24 Millionen Dollar, ein Weltrekord für einen blauen Diamanten. Ein halbes Jahr zuvor hatte das Auktionshaus Christie’s einen orangefarbenen 14,82-Karäter für 35,5 Millionen Dollar versteigert. So viel hatte niemand zuvor je Karat für einen farbigen Diamanten bezahlt. Im gleichen Monat wechselte der 59,6 Karat schwere „Pink Dream“ für 83 Millionen Dollar den Besitzer.

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Nach einer Schätzung von „Rapaport“ verteuerten sich rosafarbene, blaue und gelbe Diamanten um mehr als ein Drittel im vergangenen Jahr, während die Preise im Diamantenhandel insgesamt nur langsam zulegten. Solche Angaben sind freilich mit Vorsicht zu bewerten, denn anders als für weiße Diamanten gibt es für farbige Steine wegen ihrer Seltenheit keinen Preisindex. Der Verkauf eines einzelnen Exemplars kann schnell zur Annahme verleiten, dass dieses Marktsegment einen rasanten Aufschwung erlebt.

Von dem Wirbel um die bunten Steine profitieren auch die Minenkonzerne. Der in Südafrika grabende und in London notierte Förderer Petra Diamonds verkaufte erst im Februar einen blauen ungeschliffenen 29,6-Karäter aus der südafrikanischen Cullinan-Mine zum Preis von 25,6 Millionen Dollar. Aktuell stellt der Konzern seinen neuesten Fund – einen 122,5 Karat schweren blauen Rohdiamanten – aus. „Der Verkaufsprozess steht jedermann offen“, sagt Marketingchef Greg Stephenson. „Doch angesichts der außergewöhnlichen Eigenschaften dieses Diamanten wird der Käufer vermutlich jemand sein, der sich auf farbige Diamanten spezialisiert hat.“

War der Fluch des Diamanten nur eine Marketingidee?

Auch wenn die Diamantenbranche gerne mit Rekordzahlen aufwartet, sind erfolgreiche Transaktionen nicht garantiert. So konnte Sotheby’s einen 7,59-Karäter nicht versteigern, weil die Gebote unter dem Mindestpreis von 16 Millionen Dollar blieben. Der „Premier Blue“ genannte Stein hatte wohl etwas zu blass ausgesehen, um die Käufer zu interessieren. Grundsätzlich hängt der Wert eines Diamanten von Gewicht, Schliff, Klarheit und der Farbintensität ab. Laut einer Faustregel sind rote Diamanten wegen ihrer extremen Rarität die wertvollsten, es folgen blaue, rosafarbene und gelbe.

Ein Preistreiber ist das schrumpfende Angebot an farbigen Diamanten. Die Steine verbergen sich ohnehin nur in vereinzelten Bergwerken auf der Welt. Neue Funde gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. In der Argyle-Mine von Rio Tinto, aus der nach Unternehmensangaben mehr als 90 Prozent der rosafarbenen Diamanten auf der Welt stammen, dürften die erreichbaren Schätze vermutlich bis 2020 gehoben sein. Die Cullinan-Mine – wichtigste Grube für blaue Kostbarkeiten – wurde von De Beers 2008 an Petra Diamonds verkauft, weil sie einen immer größeren Aufwand erforderte bei sinkender Bedeutung für den Marktführer.

Nur an der Knappheit am Markt aber kann es nicht liegen, dass farbige Diamanten über Jahrhunderte hinweg eine solche Attraktion darstellen. Seit jeher wird ihnen auch etwas Mystisches angedichtet. Viel wurde beispielsweise über einen Fluch des blauen Hope-Diamanten geschrieben. Der Stein gehörte einst Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV., wurde später von Marie-Antoinette, der Frau von Ludwig XVI., getragen, wurde in der Französischen Revolution Beute von Diamantenräubern. Laut einer Sage brachte er jedem Unheil, der ihn berührte, und tatsächlich starben mehrere Besitzer eines unnatürlichen Todes. Skeptiker indes halten den Fluch für eine geniale Marketingidee des Juweliers Pierre Cartier, der den Diamanten vor gut 100 Jahren einer reichen amerikanischen Familie verkaufte.

Der nächste Weltrekordhalter steht schon bereit

Genau betrachtet, handelt es sich bei farbigen Diamanten um weiße Diamanten mit Spuren anderer chemischer Elemente. Normalerweise besteht ein Diamant zu 99,7 Prozent aus Kohlenstoff. Die übrigen 0,3 Prozent entscheiden über die Farbe. Wasserstoff verursacht einen Lila-Ton, Stickstoff ist für Gelb, Braun und Orange verantwortlich. Die blaue Farbe ist Bor geschuldet. Ein grüner Stein wiederum war tief in der Erde Gammastrahlungen ausgesetzt. Bei rosafarbenen, roten und einigen braunen Diamanten handelt es sich um Deformationen des Kristallgitters.

Ein Unternehmen wie Petra Diamond betreibt einen hohen kapitalintensiven Aufwand, um an die Kostbarkeiten heranzukommen. Insgesamt baut der Förderer, der, verglichen mit De Beers oder dem russischen Unternehmen Alrosa, zu den Junioren gehört, zwei bis drei Millionen Tonnen Gestein im Jahr ab. Unter dem Einsatz schweren Geräts werden die Brocken in mehreren Stufen zerkleinert, bis sich mit Hilfe von Röntgenstrahlung ein Diamant wie der jetzt ausgestellte 122,5-Karäter herauskristallisiert.

Auch wenn Petra Diamonds zum Wert noch keine Angaben macht, ist klar, dass der Einzelfund im laufenden Geschäftsjahr eine wichtige Rolle spielt. Analysten halten einen Preis von 10 bis 50 Millionen Dollar für möglich. Wer auch immer diesen Rohling zu Brillanz bringen darf, wird sich dafür vermutlich bis zu einem Jahr Zeit nehmen. Er könnte schließlich der nächste Weltrekordhalter werden.

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