11.09.2008 · Die Dollarerholung dominiert im Moment alle volkswirtschaftlich-fundamentalen Argumente. So wertet der brasilianische Real ab, obwohl die Zinsen steigen und die Fundamentaldaten noch robust sind. Das Gegenteil gilt für den Neuseeland-Dollar.
Der Dollar setzt am Donnerstag die in den vergangenen Wochen begonnene Erholungsbewegungen gegen die meisten Währungen der Welt fort. Gegen den Euro legte die amerikanische Währung in den vergangenen beiden Tagen mehr als zwei Prozent zu auf bis zu 1,3893 Dollar je Euro im bisherigen Tagestief der Kursentwicklung.
Gegen die in den vergangenen Jahren gut gelaufenen Hochzins- und Rohstoffwährungen wie den Neuseeland-Dollar und den südafrikanischen Rand fällt die Aufwertung der amerikanischen Währung noch deutlicher aus. Alleine in den vergangenen beiden Tagen beläuft sie sich auf mehr als vier Prozent. Selbst der in den vergangenen Jahren im Trend aufwertende brasilianische Real befindet sich in der Defensive.
Trotz Leitzinserhöhung ist der brasilianische Real in der Defensive
Nach 1,5608 Reais noch Anfang August des laufenden Jahres sind inzwischen 1,8008 Reais nötig, um einen Greenback erwerben zu können. Das entspricht einem Kursgewinn von knapp 16 Prozent in wenigen Tagen. Selbst gegen den Euro gab die Währung des größten südamerikanischen Landes in den vergangenen Tagen rund fünf Prozent nach.
Das widerspricht zunächst den Erfahrung der vergangenen Jahre, in denen die Wechselkurse maßgelblich von den Zins- und Wachstumserwartungen bestimmt wurden. Nun wertet die brasilianische Währung ab, obwohl die Wirtschaft bisher robust läuft und obwohl die brasilianische Zentralbank Leitzins am Mittwochabend um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 13,75 Prozent angehoben hat. Mit dem höchsten Zinsniveau seit knapp zwei Jahren will die Notenbank das Wirtschaftswachstum abbremsen, das derzeit die Inflation anheizt. Die Entscheidung war von Volkswirten erwartet worden.
Erstmals seit Juli 2007 fiel die Zinsentscheidung jedoch nicht einstimmig, sondern mit fünf zu drei Stimmen denkbar knapp aus. Zwei Zentralbanker hatten sich für eine Anhebung um nur einen halben Prozentpunkt ausgesprochen - ein Anzeichen dafür, dass sich das Tempo der Zinserhöhungen in nächster Zeit verlangsamen dürfte.
Fallende Rohstoffpreise ließen die Inflation sinken
Obwohl fallende Rohstoffpreise im August dafür sorgten, dass die Inflationsrate auf 6,17 Prozent gesunken ist, sieht die Zentralbank noch keinen Anlass für Entwarnung an der Teuerungsfront. Die Nachfrage ist nämlich weiterhin stark. So stieg das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal auf Jahresbasis überraschend auf 6,1 Prozent, wie das Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística am Mittwoch bekannt gegeben hatte. Die Teuerung bei den Verbraucherpreisen liegt seit Januar über dem von der Zentralbank angepeilten Wert von 4,5 Prozent.
Ein weiterer Faktor beim Inflationsdruck seien die Ausgabenpläne des brasilianischen Staates, erklärte Thomas Trebat, Direktor des Zentrums für Brasilienstudien an der Columbia University in New York, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Laut Trebat will Brasilien die Staatsausgaben ohne Zinszahlungen im kommenden Jahr um 13 Prozent ausweiten.
Trotz der höheren Leitzinsen befindet sich die Währung des Landes auf den niedrigsten Wert seit sieben Monaten. Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega erwartet eine weitere Abschwächung des Real, da die Investitionen zurückgehen und der Handelsbilanzüberschuss schrumpft. Dazu kommen nach Angaben von Währungsexperten wie Hans Redeker Gewinnmitnahmen an den Börsen und die Repatriierung der Mittel von Seiten internationaler Anleger. Diese Bewegungen dominieren im Moment alle volkswirtschaftlich-fundamentalen Argumente, die ansonsten für die Währung und die Finanzmärkte Brasiliens sprechen würden.
Der Neuseeland-Dollar verliert
Ganz anders sieht es dagegen in Neuseeland aus. Der Neuseeland-Dollar hatte während des liquiditätsgetriebenen Rohstoffbooms von der Suche der Anleger aus Staaten mit niedrigen Zinsen nach attraktiven Anlagemöglichkeiten profitiert. Seit Beginn des laufenden Jahres hat sich dieser Trend jedoch in Gegenteil verkehrt. Denn erstens befindet sich die Wirtschaft des Landes in einer Rezession. Das hat die neuseeländische Zentralbank am Donnerstag dazu verleitet, ihren Leitzins überraschend deutlich zu senken: Die Währungshüter setzten ihren Leitsatz am Donnerstag um 0,5 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent herab. Angesichts steigender Arbeitslosigkeit, sinkender Preise am Immobilienmarkt und der Belastung der Landwirtschaft durch Dürren sei eine lockere Geldpolitik nötig, erklärte Notenbankchef Alan Bollard.
Volkswirte begrüßen die Leitzinssenkung. Die Zentralbank teilte mit, das Bruttoinlandsprodukt Neuseelands dürfte im zweiten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft sein. Im Juni waren die Experten noch von einem Plus von 0,2 Prozent ausgegangen. Im dritten Quartal sei mit einer um 0,3 Prozent weiter sinkenden Wirtschaftskraft zu rechnen, hieß es aus Wellington. Für das Haushaltsjahr bis Ende März 2009 prognostiziert die Notenbank ein Wirtschaftswachstum von nur 0,3 Prozent - dies wäre der schwächste Wert seit zehn Jahren, im vergangenen Jahr hatte das Wachstum noch bei3,1 Prozent gelegen.
Der Kurs der neuseeländischen Währung ist seit Februar des um knapp 21 Prozent gefallen von 81,78 auf zuletzt 64,76 amerikanische Dollar je Kiwi-Dollar. Aufgrund der schwachen Wirtschaftsentwicklung und dem auch hier zu beobachtenden Abfluss von Mitteln und nicht zuletzt auch aufgrund der inzwischen entstandenen Trends - solche werden in der Regel von technisch orientierten Trend-Folgesystemen verstärkt - dürfte eine weitere Abwertung der Währung kaum überraschen, auch wenn die Zentralbank des Landes versucht, die Entwicklung zumindest durch verbale Interventionen abzuschwächen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |