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Kommentar Hoffen auf Peking

28.12.2004 ·  Der Devisenmarktbericht

Von Claus Tigges
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An den Währungsmärkten sind schon langweiligere Jahre zu Ende gegangen als 2004. Der jungen europäischen Gemeinschaftswährung bescherten die vergangenen zwölf Monate spektakuläre Kursbewegungen, besonders im Verhältnis zum Dollar.

Schon im Januar kletterte der Euro auf Kurse um 1,29 Dollar, so hoch wie nie zuvor. Zu diesem Zeitpunkt wurden Gerüchte laut, die Siebenergruppe (G 7) bereite gemeinsame Interventionen an den Devisenmärkten vor, um einen weiteren Höhenflug des Euro und des Yen zu verhindern und die Märkte zur Ruhe zu zwingen. Das Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der G 7 in Boca Raton Anfang Februar hielt zwar den Zusammenkünften im New Yorker "Plaza" oder dem Pariser "Louvre" in seiner Bedeutung nicht stand. Gleichwohl ließen die Teilnehmer in ihrer Abschlußerklärung keinen Zweifel daran, daß ihnen die heftigen Kursausschläge mißfielen und sie diese für schädlich für das Wachstum der Weltwirtschaft halten.

Vorbereitung auf Zinswende könnten dem Dollar etwas geholfen haben

Es wird sich wohl nicht zweifelsfrei klären lassen, ob das Kommuniqué aus dem amerikanischen Badeort ursächlich dafür war, daß in den folgenden Monaten mehr Ruhe an den Devisenmärkten einkehrte. Bis zum Frühjahr legte der Dollar sogar auf Kurse von deutlich weniger als 1,20 Dollar je Euro zu, und es mußten zwischenzeitlich auch wieder 115 Yen für einen Dollar bezahlt werden, nach knapp mehr als 105 Yen im Februar. Als sicher darf gelten, daß die amerikanische Geldpolitik während dieser Zeit einen spürbaren Einfluß auf die Kursfindung an den Märkten hatte. Denn die Federal Reserve begann um die Jahreswende 2003/04 herum, die Vorbereitungen für ein allmähliches Ende der überaus lockeren Geldpolitik zu treffen.

Sorgfältig bemühten sich die Währungshüter um Chairman Alan Greenspan darum, die Märkte auf eine erste, behutsame Zinserhöhung einzustellen. Der geldpolitische Kurswechsel in Washington und die Aussicht auf einen kürzeren Zinsvorsprung des Euro-Raums im Vergleich zu den Vereinigten Staaten verschaffte dem Dollar für einige Zeit Luft. Bis in den Herbst hinein hielten sich die Kursausschläge in relativ engen Grenzen, kamen neue Höchstkurse des Euro lange nicht in Sicht. Daran änderten auch zwischenzeitliche Sorgen nichts, der hohe Ölpreis könne die leichte Wachstumsdelle der amerikanischen Wirtschaft vom Frühjahr in eine ausgeprägte Konjunkturschwäche verwandeln. Obwohl die Fed sich stets einigermaßen zuversichtlich zeigte, daß der Ölpreisanstieg nur vorübergehend sei, wurde an den Märkten über eine mögliche Pause in der Runde der Zinserhöhungen gemutmaßt.

Nach der Präsidentschaftswahl amerikanische Defizite wieder im Blick

Den Sprung auf neue Rekordkurse zum Dollar schaffte der Euro erst nach dem Sieg George Bushs bei der Präsidentschaftswahl Anfang November. In den Tagen rückten die hohen amerikanischen Haushaltsdefizite in den Mittelpunkt der Kurskommentare der Währungsstrategen. Weil mit einer ernsthaften Budgetkonsolidierung in den kommenden Jahren nicht zu rechnen sei, bestehe auch nur geringe Hoffnung auf eine Verringerung des hohen Defizits in der amerikanischen Leistungsbilanz, hieß es weithin. Das Leistungsbilanzdefizit, das inzwischen rund 5,8 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts erreicht hat, spiegelt Amerikas riesigen Appetit auf ausländische Waren und Dienstleistungen wider. Finanziert wird es zum Teil von privaten ausländischen Investoren, die ihr Geld in der Hoffnung auf hohe Renditen nach Amerika bringen, aber auch von vielen, insbesondere asiatischen Notenbanken. Diese erwerben Dollar-Papiere, um eine Aufwertung ihrer eigenen Währungen und damit verbundene Nachteile im internationalen Handel zu verhindern. Eine sinkende Bereitschaft privater Anleger wie auch dieser Notenbanken zum Erwerb von Dollar wird seit geraumer Zeit als wichtigster Grund für eine bevorstehende weitere Abschwächung des Dollar genannt. Am Dienstag wurden Kurse um 1,3640 Dollar je Euro genannt.

Zum Jahreswechsel gibt es kaum einen Marktstrategen, der auf nennenswerte Kursgewinne des Dollar in den kommenden Monaten wetten wollte. Statt dessen wird vielfach eine weitere Abwertung gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner von rund 15 Prozent als notwendig erachtet, um den Import so weit zu bremsen und den Export so weit zu beflügeln, daß das Leistungsbilanzdefizit auf ein erträgliches Maß zurückgeführt wird. Diese Überlegungen schließen freilich eine Aufwertung des chinesischen Yuan zum Dollar mit ein. Dieser ist seit Jahren im festen Verhältnis von 8,3 zu 1 an den Dollar gebunden und nach Ansicht von Experten inzwischen um mindestens 20 Prozent unterbewertet.

Druck auf Asien, die Währungen aufwerten zu lassen

Zusammen mit den Europäern haben die Amerikaner in den vergangenen Monaten den politischen Druck auf Peking erhöht, eine Aufwertung des Yuan zuzulassen und zu einem flexibleren Wechselkurssystem überzugehen. Die chinesische Führung hat daraufhin zwar zugesagt, in diese Richtung zu arbeiten, aber keinen konkreten Zeitplan vorgelegt. Mit großer Aufmerksamkeit werden nicht nur die politischen Akteure in Washington, Paris und Berlin, sondern auch die Marktteilnehmer in den kommenden Monaten alle Hinweise aus dem Reich der Mitte aufnehmen, die auf eine mögliche Flexibilisierung des Yuan-Kurses deuten. China hat freilich deutlich gemacht, daß es sich den Zeitpunkt dafür nicht aufzwingen lassen werde.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2004, Nr. 304 / Seite 19
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