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Kommentar Devisenhandel - nur für sehr spekulative Privatanleger

19.05.2002 ·  „Devisenhandel für den Privatanleger“ - wer solche Kleinanzeigen und sonstige Promotion liest, sollte eher zurückhaltend sein.

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Richtig gut hören sie sich an, die Agenturmeldungen und Presseberichte über die „erste Handelsplattform für den Devisenhandel in Deutschland“.

Wie heißt es da so schön - in Zeiten eingetrübter Börsenstimmung suchten viele Privatanleger nach anderen Investitionsmöglichkeiten. Eine davon sei der Devisenhandel - und der sei nun auch über das Internet möglich. „Die Mitte April von der Krefelder Betreiberfirma ibas AG gestartete Online-Handelsplattform "FXdirekt" für den Devisenhandel ist nun auch in einer deutschsprachigen Version aufgeschaltet, Privatanleger könnten schon ab einer Summe von 2.500 Dollar einsteigen“.

Der Devisenmarkt ist nur bedingt mit der Börse vergleichbar

Der Devisenhandel soll gewissermaßen als Auffangbecken für Börsenfrustrierte dienen. Für diejenigen vielleicht, die sich am Neuen Markt blutige Nasen geholt haben. Als ob das die richtigen Voraussetzungen wären, um nun „Devisenhändler“ zu spielen. Völlig ausgeblendet wird dabei die Tatsache, dass es sich beim Devisenmarkt und den Börsen um völlig unterschiedlich Märkte handelt. Handelsobjekte sind an der Börse Unternehmen, die - zumindest die soliden - regelmäßige Gewinne einfahren und dadurch den Unternehmenswert steigern oder beachtliche Dividenden ausschütten. Hat der Anleger das richtige Unternehmen gewählt, kann ihm zumindest langfristig nicht viel passieren.

Anders dagegen im Devisenhandel. Erstens ist das in der Regel ein Geschäft unter Profis, also zwischen den großen Banken, Unternehmen und internationalen Institutionen, die gigantische Summen umsetzen. Dabei ist der Markt extrem wettbewerbsintensiv und die Margen sind gering. Zweitens folgen die Währungen ganz anderen Regeln, als beispielsweise die Börsen. Hier spielen Zinsen, die Wirtschaftsentwicklung in den verschiedenen Ländern, Kapitalströme und vor allem die Psychologie eine maßgebliche Rolle. Faktoren, die schwer einzuschätzen sind. Währungen können sich schnell stark bewegen - und zwar sowohl nach unten als auch nach oben. Dabei weichen sie manchmal sogar lange Zeit von theoretisch errechenbaren „Gleichgewichstkursen“ ab und „unter- oder überschießen“ dabei massiv.

Nur für sehr spekulative Privatanleger geeignet

So sollte sich ein Anleger zweimal überlegen, ob er sich auf diesen Markt einlässt. Selbst Wolfgang Stobbe als Vorstand der ibas AG gibt offen zu, dass sich die Plattform eher an spekulative Anleger richtet. Diejenigen also, die die Zockerei am Neuen Markt satt haben, aber es trotzdem lieben, wenn sich etwas tut. „Der Devisenmarkt ist zwar spekulativ, aber im Unterschied zum Neuen Markt wenigstens fair“, sagt er. In diesem Sinne würde er den Devisenhandel für Anleger als Alternative sehen, nicht jedoch grundsätzlich zur Aktienanlage.

Aber selbst das klingt noch harmlos. Denn sind im professionellen Handel die „Gebühren“ gewissermaßen in der Geld-Brief-Spanne enthalten, so verlangt ibas nach Höhe der Einlage gestaffelte Gebühren pro Handelsabschluss. Bei einer Einlage von 2.500 Dollar wären das beispielsweise 15 Dollar. Das ginge noch. Aber ibas erlaubt zusätzlich einen hohen „Leverage“. So kann der Kunde mit einem Einsatz von 2.500 Dollar Devisen im Gegenwert von 250.000 Dollar kaufen oder verkaufen und damit auf eine Veränderung spekulieren.

Hohe Chancen - aber auch hohes Risiko

Das ist ziemlich verwegen. Denn angenommen, Anleger Kühn macht eine Einlage von 2.500 Dollar, setzt auf einen steigenden Eurokurs und kauft bei 0,9100 genau 250.000 Euro. Hat er eine gute Nase und der Euro steigt, so hat er theoretisch bei 0,9200 seinen Einsatz schon verdoppelt. Läuft der Markt dagegen gegen ihn, so hat er spätestens bei einem Euro von 0,9000 Cent sein gesamtes Kapital verspielt. Und das sind Kursbewegungen, die der Markt sogar unter relativ normalen Umständen innerhalb weniger Minuten machen kann.

Dabei würde ibas - oder besser ihr amerikanischer Partner Global Forex Trading (GFT) - die Reißleine schon viel früher ziehen und die Positionen des Kunden liquidieren. Um selbst nicht auf den Verlusten sitzen zu bleiben, wenn der Kunde kein Geld mehr hat. ibas nimmt praktisch nur per System die Kundenaufträge entgegen und leitet sie an den US-Partner Global Forex Trading (GFT) weiter. Der stellt die Preise. Neben dem sowieso schon hohen „Marktrisiko“ öffnet das der Manipulation Tür und Tor. Denn der Anleger handelt auf die Preise von GFT - und die können jederzeit vom eigentlichen Markt abweichen. Geht das Geschäft bei Profis jeweils an die Gegenpartei, die den besten Preis bietet, ist man hier auf GFT angewiesen.

Der Privatanleger sollte sich also tunlichst überlegen, ob er sich darauf einlassen will. Ganz abgesehen davon, dass er seine Geschäfte über ein Treuhandkonto bei der amerikanischen Bank One abwickelt. Juristische Probleme - sofern überhaupt Aussicht auf Erfolg besteht - unterliegen damit amerikanischem Recht und können entsprechend kompliziert und teuer werden.

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