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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Kapitalverkehrs-Steuer Brasilien versucht die Aufwertung zu bremsen

20.10.2009 ·  Mit hohen Aufwertungen gegen Euro, Yen und den Dollar gehört der brasilianische Real seit März zu den stärksten Währungen weltweit. Um diesen Trend zu bremsen, sollen Kapitalströme aus dem Ausland künftig besteuert werden.

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Mit einer Aufwertung von rund 20 Prozent gegen den Euro, von 32 Prozent gegen den Yen und von satten 42 Prozent gegen den Dollar seit Anfang März gehört der brasilianische Real in dieser Periode zu den stärksten Währungen weltweit.

Die Aufwertungsbewegung ist auf den von den Zentralbanken mit extrem lockeren Geldpolitiken geförderten hohen Risikoappetit der internationalen Anleger zurückzuführen. Sie sind in den allgemeinen Trott der Vorkrisenzeit zurückgefallen und gehen davon aus, dass sich die damals vorherrschenden Wirtschaftstrends wiederbeleben werden, obwohl genau dieser zu einem großen Teil auf einem langfristig unhaltbaren Verschuldungswahn in weiten Teilen der Welt basierte.

Kapitalströme aus dem Ausland in die Renten- und Aktienmärkte sollen künftig besteuert werden

Das hindert die Anleger jedoch nicht daran, von Neuem auf einen allgemeinen Konsumboom und die dadurch indizierte Nachfrage nach Energie- und Rohstoffen zu wetten. Solche Strategien zeigen sich sowohl in Form steigender Energie- und Rohstoffpreise sowie in „frisch gehärteten“ Währungen der Rohstoffstaaten. Dazu zählt zweifelsohne auch Brasilien. Das südamerikanische Land ist gleich doppelt „gesegnet“, da es sowohl über umfangreiche Bodenschätze als auch große Landreserven und hervorragende klimatische Bedingungen für den Anbau von Agrargütern verfügt.

Im Gegensatz zu Australien, dessen Zentralbank die massive Aufwertung der eigenen Währung sogar ausdrücklich begrüßt, scheint Brasilien damit nicht glücklich zu sein. Denn das Land kündigte an, Kapitalströme in die Renten- und Aktienmärkte aus dem Ausland künftig zu besteuern. Finanzminister Guido Mantega erklärte, die globale Überschussliquidität könne dazu führen, dass der Real überbewertet werde. Das würde die Exporteure des Landes benachteiligen und zu einem Importboom führen, sagte er. Aus diesem Grund müssten ausländische Anleger künftig eine Steuer von zwei Prozent bezahlen, sollten sie brasilianische Aktien oder Anleihen erwerben wollen.

Diese Maßnahme habe nicht das Ziel, den Real zu schwächen, sondern solle lediglich die Aufwertung bremsen, hieß es weiter. Mit solchen Aussagen möchte man offensichtlich Einwänden zuvorkommen, nun schließe sich auch Brasilien der langen Liste von Staaten wie vielen asiatischen, aber auch Schweden, der Schweiz und nicht zuletzt auch den Vereinigten Staaten an, die versuchen, ihren Volkswirtschaften durch kompetitive Abwertungen zu Lasten anderer Vorteile im internationalen Handel zu verschaffen. Faktisch stellt diese Besteuerung jedoch auch einen Verzweiflungsschritt dar, nachdem schon im Mai einsetzende Interventionen der Zentralbank bisher vergleichsweise wirkungslos blieben, jedoch die Dollarreserven auf zuletzt 232 Milliarden anschwellen ließen.

Brasiliens Wirtschaft konnte sich inbr den vergangenen Wochen von einer rezessiven Entwicklung im letzen Quartal des vergangenen Jahres und in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres erholen. Die Industrieproduktion lag im August zwar 7,2 Prozent unter jener der Vorjahresperiode, allerdings 1,2 Prozent über dem Vormonat. Auch die Kapazitätsauslastung hat nach einem massiven Rückschlag im Rahmen der Krise wieder leicht angezogen auf zuletzt 80,1 Prozent. Die Einzelhandelsumsätze lagen im August 4,7 Prozent über dem Vorjahr. Sie entwickeln sich damit vergleichsweise robust, auch wenn sie noch nicht wieder die Wachstumsraten der Boomjahre 2004 und 2007 erreicht haben.

Massive Kursgewinne machen brasiliens Aktien inzwischen vergleichsweise teuer

Die Inflationsrate im Lande entwickelt sich in den vergangenen Monaten etwas zurück und versetzte die Zentralbank in die Lage, den Leitzins im Juli auf ein Tief von 8,75 Prozent zu senken. Allgemeiner Optimismus hatte zusammen mit sinkenden Zinsen und einer aufwertenden Währung zu einem wahren Boom an den brasilianischen Finanzmärkten geführt. Der Bovespa hat seit Jahresbeginn in Landeswährung knapp 80 Prozent zugelegt, in Euro sogar 125 Prozent. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 17 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Geschäftsjahr sind die Aktien allerdings keine Schnäppchen mehr. Einzelne Werte wie die von All America Latina Logistica oder der Net Servicos de Comunicacao SA provides cable television oder des Mobilfunkunternehmens Tim Participacoes S.A. sind massiv bis deutlich überbewertet.

Trotzdem zeigen Daten von EPFR Global zeigen, dass die Geldströme in Schwellenländerfonds Rekordwerte erreicht haben. In der Woche bis zum 14. Oktober flossen vier Milliarden Dollar in Schwellenländeraktienfonds. Das war der stärkste Zustrom seit Dezember des Jahres 2007. Seit Jahresbeginn sind netto knapp 46 Milliarden Dollar in solche Anlagefonds geflossen.

Kein Wunder also, dass Brasilien die Euphorie langsam zügeln möchte. Allerdings zweifeln Analysten daran, ob Steuern dieser Art kurzfristig eine weitere Aufwertung der brasilianischen Währung verhindern wird. Dafür dürften schon Dämpfer für den globalen Wachstumsoptimismus nötig werden. Genau diese sind bei der allgemeinen Tendenz, Nachrichten positiv zu interpretieren, im Moment nicht absehbar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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