http://www.faz.net/-gv6-7ijow

Kakaopreis steigt : Naschkatzen müssen mit höheren Schokopreisen rechnen

  • -Aktualisiert am

Kakaoschoten in Indonesien Bild: REUTERS

Hohe Nachfrage und sinkendes Angebot lassen den Kakaopreis steigen. Erfahrungsgemäß geben Unternehmen die steigenden Preise an den Verbraucher weiter.

          Wer abends beim Fernsehen gerne Schokolade isst, muss unter Umständen künftig mehr dafür bezahlen. Der Preis für Kakao stieg an der Rohstoffbörse London im Wochenverlauf mit 1771 Pfund je Tonne auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Analysten rechnen damit, dass sich die Preissteigerungen mittelfristig auf die Preise von kakaohaltigen Produkten auswirken werden. Schon in der Vergangenheit haben Unternehmen wie Ritter Sport oder Mondelez mit der Marke Milka auf den anziehenden Kakaopreis mit Preiserhöhungen beziehungsweise weniger Inhalt reagiert.

          Verantwortlich für die steigenden Preise sind auf der einen Seite die vermehrte Lust der Menschen auf Schokolade und ein sinkendes Angebot. In diesen Tagen beginnt die Erntezeit für Kakaobohnen, vor allem in Westafrika, wo der Großteil der Bohnen stammt. Dort herrsche momentan der Swollen-Shoot-Virus, dem rund 6 Prozent der Produktion der Elfenbeinküste, dem größten Kakaoexporteur der Welt, zum Opfer fallen dürften, wie es in einer Studie der Credit Suisse heißt. Die Kakaopflanze ist sehr witterungsanfällig: Sie braucht eine Durchschnittstemperatur zwischen 24 und 28 Grad Celsius sowie 80 bis 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, dazu über das gesamte Jahr verteilt Regen. Deshalb kann sie nur in wenigen Regionen entlang des Äquators wachsen. Da führt jede Dürre zu Ernteausfällen, Unwetter bisweilen zur Vernichtung des Jahresertrags. Stellten sich die vorhergesagten übermäßigen Regenfälle in Elfenbeinküste und Ghana tatsächlich ein, könnte dies den Angebotsstrom in die Häfen und damit die weltweite Versorgung mit Kakao zumindest zeitweise behindern, schreiben die Analysten der Commerzbank.

          Bild: F.A.Z.

          Das ist ungünstig, denn die Nachfrage nach Schokolade steigt. Die Deutschen greifen besonders gerne zu: Etwa 9,5 Kilogramm Schokolade hat jeder im vergangenen Jahr durchschnittlich gegessen. Die europäische Kakao-Nachfrage erhöhte sich im dritten Quartal um 4,7 Prozent, nachdem sie im zweiten Quartal um 6,2 Prozent gestiegen war. Die Internationale Kakao-Organisation ICCO rechnet mit einem Defizit von 52.000 Tonnen am Kakaomarkt. 2012 hatte es einen Überschuss von 87.000 Tonnen gegeben. Während in den Industrienationen der bessere wirtschaftliche Ausblick eine höhere Nachfrage nach Kakaoprodukten anrege, führe in den Schwellenmärkten der Aufstieg der Mittelschicht zu einer Nachfragezunahme, meinen die Fachleute der Schweizer Bank Credit Suisse.

          Die Unternehmen beobachten die Entwicklungen genau

          Vor allem dunkle Schokolade wird stärker nachgefragt. Für deren Herstellung wird meist mehr Kakao benötigt als für Milchschokolade. Das bedeute, dass selbst kleine Veränderungen im Kaufverhalten große Auswirkungen auf den 5,4 Milliarden Dollar schweren Markt mit Kakao-Futures haben können, sagen Analysten. In der Schweiz, wo der weltweite Verbrauch an Schokolade pro Kopf so hoch ist wie nur in wenigen anderen Ländern, ist der Anteil dunkler Schokolade seit 2008 von 22 auf 30 Prozent gestiegen. „Es gibt einen allgemeinen Trend hin zu dunkler Schokolade“, sagt Nicholas Fereday, Analyst bei der Rabobank. „Wenn man einen hohen Kakaogehalt hat, ist der Zuckergehalt niedriger – und das kommt bei den Kalorienzählern gut an.“

          Die achten aber wahrscheinlich auch auf ihren Geldbeutel. Zwar würden die höheren Kakaopreise nicht 1:1 weitergegeben, aber auch Carsten Fritsch von der Commerzbank rechnet damit, dass Verbraucher künftig mehr für Pralinen und Schoki ausgeben müssen. Bereits in der Vergangenheit war dies der Fall: Seit Anfang 2012 kostet die Ritter-Sport-Tafel 99 statt 95 Cent. Und Milka führte knapp ein Jahr später eine Tafel mit einer Packungsgröße von 87 Gramm ein, die genauso viel kostet wie 100 Gramm. Das Unternehmen Mondelez Deutschland, das hinter Milka steht, teilte dieser Zeitung mit, dass sie die Entwicklungen genau beobachten würden.

          Eine Sprecherin von Ritter Sport erklärte die Preiserhöhung bei seiner 100-Gramm-Tafel mit einer Verteuerung von Rohstoffen, darunter nicht nur Kakao, sondern auch Zucker und Nüsse. Die momentane Lage beim Kakaopreis beobachte man mit Sorge, sagte die Sprecherin. Eine abermalige Preisanhebung stände derzeit nicht zur Debatte: „Das geht auch nicht so schnell. Wir haben Verträge mit dem Einzelhandel, die über Jahre laufen.“ Sie gibt aber auch zu: „Wir wissen nicht, wie lange wir uns gegen die steigenden Rohstoffpreise stemmen können.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Lower for longer

          Anleihenhandel : Lower for longer

          Die Europäische Zentralbank will in Zukunft weniger Anleihen kaufen – allerdings für länger. Für Sparer heißt das: Höhere Zinsen lassen noch Jahre auf sich warten.

          Topmeldungen

          AfD im Bundestag : Die fremde Fraktion

          Mit der AfD-Fraktion zieht keine Truppe „Nazis“ in den Bundestag ein, und sie besteht auch nicht nur aus den Dumpfbacken, zu denen sie gemacht werden. Vielleicht verfahren CDU und CSU mit ihrem Schmuddelkind eines Tages ähnlich wie die SPD mit ihrem, der Linkspartei. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.