http://www.faz.net/-gv6-75y5b

Japans Geldpolitik : Monetäre Kooperation ist sinnvoll

Das Hauptgebäude der Bank von Japan in Tokio Bild: REUTERS

Die internationale Ausbreitung schlechter Geldpolitik lässt sich an freien Märkten nicht verhindern - Japan ist das jüngste Beispiel für Alleingänge der Großen.

          Die Ankündigung der neuen japanischen Regierung, mit Unterstützung der Bank von Japan aktive Konjunkturpolitik zu betreiben und dafür eine Abwertung des Yen zu erzielen, ist nur das jüngste Beispiel einer nationalen Geldpolitik, die internationale Folgen ihres Handelns anstrebt.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Aus der Abkehr nationaler Geldpolitiken von langfristiger Stabilitätspolitik, die sich nach einer Untersuchung von Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) seit dem Jahr 2003 beobachten lässt, leitet der bekannte amerikanische Makroökonom John Taylor (Stanford University) die Forderung nach einer internationalen Kooperation in der Geldpolitik ab. Taylor hat hierzu ein aktuelles Forschungspapier („International Monetary Coordination and the Great Deviation“) veröffentlicht.

          Zusätzlicher Schaden durch Geldpolitik

          Dieses Plädoyer ist umso bemerkenswerter, als Taylor wie viele andere Ökonomen viele Jahre lang eine internationale Kooperation der Geldpolitik für fragwürdig hielt. Spätestens seit den achtziger Jahren war in Fachkreisen die Ansicht verbreitet, Zentralbanken sollten ihre Politik an nationalen Stabilitätszielen ausrichten. Flexible Wechselkurse dienen in diesem Modell als eine Art Puffer, der eventuell unliebsame Folgen der Geldpolitik großer Länder wie der Vereinigten Staaten von anderen Ländern fernhält.

          Taylor hält diese Prinzipien immer noch für richtig, sofern die nationalen Zentralbanken eine an der langfristigen Stabilität ausgerichteten Politik betreiben. Aber wichtige Zentralbanken wie die amerikanische Fed, die Bank von England, die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von Japan und die Schweizerische Nationalbank (SNB) betreiben längst eine Politik, die nicht mehr der Lehrbuchtradition folgt.

          Nach Ansicht Taylors und anderer Ökonomen unter anderem, aber nicht nur aus Schwellenländern besteht die Gefahr, dass die internationale Ausbreitung schlechter Geldpolitik zusätzlichen Schaden erzeugt. Daher sieht er in einer internationalen Kooperation der Geldpolitik eine Voraussetzung, um den Schaden schlechter Geldpolitik einzugrenzen und auf den Pfad der Tugend zurückzukehren.

          Gefahr für Finanzstabilität

          Taylor sieht mehrere Mechanismen, mit denen sich schlechte Geldpolitik international ausbreitet, wenn sie von großen Ländern betrieben wird. Betreiben die Amerikaner eine zu expansive Geldpolitik mit sehr niedrigen Zinssätzen, senken Zentralbanken auch in anderen Ländern ihre Zinsen, um eine Aufwertung der Währungen ihrer Länder und eine damit verbundene Gefährdung ihrer Exportwirtschaft zu verhindern.

          Falls niedrige Zinsen den Aufwertungsdruck nicht aufhalten, greifen manche Länder zu Devisenkäufen an den Währungsmärkten und Beschränkungen des internationalen Kapitalverkehrs. Es gibt viele Zentralbanken kleinerer Länder, die nahezu automatisch der Geldpolitik großer Länder folgen. Taylor nennt das Beispiel der Zentralbank Norwegens. Auf diese Weise haben sich um den Dollar und um den Euro regionale Währungsräume gebildet. Hier verzichten Länder freiwillig auf die Flexibilität des Wechselkurses.

          Aber auch flexible Wechselkurse schützen ein kleines Land in Zeiten international tätiger Banken nicht vor unliebsamen Folgen lockerer Geldpolitik in großen Währungsräumen. Die Ökonomen Valentina Bruno und Hyun Song Shin zeigen den Mechanismus: Sehr niedrige Zinsen in den Vereinigten Staaten veranlassen Banken, Kredit auch an Unternehmen in Schwellenländern zu vergeben.

          Die Erwartung, dass die Währung eines Schwellenlandes wegen der expansiven Geldpolitik in den Vereinigten Staaten gegenüber dem Dollar aufwertet, verleitet die Banken zu großzügigerer Kreditvergabe und damit der Akzeptanz größerer Risiken, weil mit einer Aufwertung der Währung des Schwellenlandes der Dollar-Gegenwert des in der Währung des Schwellenlandes finanzierten Projekts steigt.

          Diese exzessive Kreditvergabe der Banken stellt jedoch eine Gefahr für die Finanzstabilität auch in den Schwellenländern dar. Daher habe diese einen Anreiz, selbst durch niedrige Zinsen Aufwertungserwartungen für ihre Währungen zu verhindern.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Lower for longer

          Anleihenhandel : Lower for longer

          Die Europäische Zentralbank will in Zukunft weniger Anleihen kaufen – allerdings für länger. Für Sparer heißt das: Höhere Zinsen lassen noch Jahre auf sich warten.

          Topmeldungen

          Bundestagsvizepräsident : Der Problem-Kandidat

          Wenn der Bundestag an diesem Dienstag seine Vizepräsidenten wählt, könnte es zum Eklat kommen. Dass der AfD-Kandidat Albrecht Glaser scheitert, gilt als sicher – aber was geschieht dann?
          Facebook-Post von Hildmann: „Ein Bild mit einer Pumpgun beim Sportschießen ist noch lange keine Gewaltandrohung“, sagt er.

          Vegan-Koch Attila Hildmann : „Wir werden ja sehen, ob ich ausraste“

          Der Vegan-Koch Attila Hildmann schreibt, dass er einer kritischen Journalistin gerne Pommes „in die Visage gestopft“ hätte. Dann lädt er sie und ihre Kollegen zum Essen ein – dazu stellt er ein Foto, das ihn mit Schusswaffe zeigt. Was soll das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.