http://www.faz.net/-gv6-75y5b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 23.01.2013, 06:00 Uhr

Japans Geldpolitik Monetäre Kooperation ist sinnvoll

Die internationale Ausbreitung schlechter Geldpolitik lässt sich an freien Märkten nicht verhindern - Japan ist das jüngste Beispiel für Alleingänge der Großen.

von
© REUTERS Das Hauptgebäude der Bank von Japan in Tokio

Die Ankündigung der neuen japanischen Regierung, mit Unterstützung der Bank von Japan aktive Konjunkturpolitik zu betreiben und dafür eine Abwertung des Yen zu erzielen, ist nur das jüngste Beispiel einer nationalen Geldpolitik, die internationale Folgen ihres Handelns anstrebt.

Gerald Braunberger Folgen:

Aus der Abkehr nationaler Geldpolitiken von langfristiger Stabilitätspolitik, die sich nach einer Untersuchung von Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) seit dem Jahr 2003 beobachten lässt, leitet der bekannte amerikanische Makroökonom John Taylor (Stanford University) die Forderung nach einer internationalen Kooperation in der Geldpolitik ab. Taylor hat hierzu ein aktuelles Forschungspapier („International Monetary Coordination and the Great Deviation“) veröffentlicht.

Zusätzlicher Schaden durch Geldpolitik

Dieses Plädoyer ist umso bemerkenswerter, als Taylor wie viele andere Ökonomen viele Jahre lang eine internationale Kooperation der Geldpolitik für fragwürdig hielt. Spätestens seit den achtziger Jahren war in Fachkreisen die Ansicht verbreitet, Zentralbanken sollten ihre Politik an nationalen Stabilitätszielen ausrichten. Flexible Wechselkurse dienen in diesem Modell als eine Art Puffer, der eventuell unliebsame Folgen der Geldpolitik großer Länder wie der Vereinigten Staaten von anderen Ländern fernhält.

Taylor hält diese Prinzipien immer noch für richtig, sofern die nationalen Zentralbanken eine an der langfristigen Stabilität ausgerichteten Politik betreiben. Aber wichtige Zentralbanken wie die amerikanische Fed, die Bank von England, die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von Japan und die Schweizerische Nationalbank (SNB) betreiben längst eine Politik, die nicht mehr der Lehrbuchtradition folgt.

Nach Ansicht Taylors und anderer Ökonomen unter anderem, aber nicht nur aus Schwellenländern besteht die Gefahr, dass die internationale Ausbreitung schlechter Geldpolitik zusätzlichen Schaden erzeugt. Daher sieht er in einer internationalen Kooperation der Geldpolitik eine Voraussetzung, um den Schaden schlechter Geldpolitik einzugrenzen und auf den Pfad der Tugend zurückzukehren.

Gefahr für Finanzstabilität

Taylor sieht mehrere Mechanismen, mit denen sich schlechte Geldpolitik international ausbreitet, wenn sie von großen Ländern betrieben wird. Betreiben die Amerikaner eine zu expansive Geldpolitik mit sehr niedrigen Zinssätzen, senken Zentralbanken auch in anderen Ländern ihre Zinsen, um eine Aufwertung der Währungen ihrer Länder und eine damit verbundene Gefährdung ihrer Exportwirtschaft zu verhindern.

Falls niedrige Zinsen den Aufwertungsdruck nicht aufhalten, greifen manche Länder zu Devisenkäufen an den Währungsmärkten und Beschränkungen des internationalen Kapitalverkehrs. Es gibt viele Zentralbanken kleinerer Länder, die nahezu automatisch der Geldpolitik großer Länder folgen. Taylor nennt das Beispiel der Zentralbank Norwegens. Auf diese Weise haben sich um den Dollar und um den Euro regionale Währungsräume gebildet. Hier verzichten Länder freiwillig auf die Flexibilität des Wechselkurses.

Mehr zum Thema

Aber auch flexible Wechselkurse schützen ein kleines Land in Zeiten international tätiger Banken nicht vor unliebsamen Folgen lockerer Geldpolitik in großen Währungsräumen. Die Ökonomen Valentina Bruno und Hyun Song Shin zeigen den Mechanismus: Sehr niedrige Zinsen in den Vereinigten Staaten veranlassen Banken, Kredit auch an Unternehmen in Schwellenländern zu vergeben.

Die Erwartung, dass die Währung eines Schwellenlandes wegen der expansiven Geldpolitik in den Vereinigten Staaten gegenüber dem Dollar aufwertet, verleitet die Banken zu großzügigerer Kreditvergabe und damit der Akzeptanz größerer Risiken, weil mit einer Aufwertung der Währung des Schwellenlandes der Dollar-Gegenwert des in der Währung des Schwellenlandes finanzierten Projekts steigt.

Diese exzessive Kreditvergabe der Banken stellt jedoch eine Gefahr für die Finanzstabilität auch in den Schwellenländern dar. Daher habe diese einen Anreiz, selbst durch niedrige Zinsen Aufwertungserwartungen für ihre Währungen zu verhindern.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Notenbanken Wenn die Zentralbank zum Großaktionär wird

Die Schweizer Nationalbank investiert stärker in Aktien und erhebt auf Hauptversammlungen ihre Stimme. Die Bank von Japan kauft ETFs. Einfluss auf Unternehmen üben sie nicht aus. Mehr Von Gerald Braunberger und Johannes Ritter, Zürich

23.08.2016, 09:54 Uhr | Finanzen
Animation Das Geheimnis des billigen Öls

Noch vor einigen Jahren kostete ein Faß Rohöl 115 Dollar, heute etwa ein Viertel. Was sind die Gründe?  Mehr Von Christian Siedenbiedel und Reinhard Weber

17.08.2016, 20:30 Uhr | Finanzen
F.A.Z. exklusiv Wirtschaftsweiser Wieland: EZB destabilisiert Finanzsektor

Die EZB werde mit ihrer Geldpolitik Teil des Problems, sagt Wieland in der F.A.Z. Auch die politischen Folgen sieht der Wirtschaftsweise kritisch. Mehr

24.08.2016, 13:10 Uhr | Finanzen
Folgen der EZB-Geldpolitik Genossenschaftsbanken gegen Strafzinsen für Privatkunden

Für Spareinlagen über 100.000 Euro hat die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee kürzlich Strafzinsen eingeführt. Wenn es nach dem Präsident der Genossenschaftsbanken geht, soll das aber die Ausnahme bleiben. Mehr

21.08.2016, 14:31 Uhr | Finanzen
Internetkriminalität Hackerangriff auf dreizehn deutsche Banken

Kunden von deutschen Banken geraten immer häufiger ins Visier von Kriminellen. Die Betrüger arbeiten mit gefälschten Internetseiten, die den Kunden zur Eingabe von Kontodaten auffordern. Mehr Von Christian Siedenbiedel

23.08.2016, 20:54 Uhr | Finanzen
Name Kurs %
EUR/USD -- --
EUR/CHF -- --
EUR/JPY -- --
EUR/GBP -- --
USD/JPY -- --
USD/GBP -- --
Name Kurs %
Gold -- --
Silber -- --
BRENT -- --
WTI Light Sweet Crude Öl -- --

Schneebälle aus Mais

Von Jan Grossarth

Eine Seilschaft braucht, wer mit kreativer Bilanzierung Anlegern Solidität vorgaukeln will. Dem ehemaligen KTG-Chef Hofreiter scheint dies gelungen zu sein. Mehr 2 6