Home
http://www.faz.net/-gvz-qd1c
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Japanischer Yen Interventionen wohl nur aufgeschoben

24.08.2010 ·  Die japanische Börse fällt auf ein 15-Monats-Tief, derweil der Kurs des Yen neue Höchststände erreicht. Der Druck auf die Regierung nimmt zu. Aus politischen Erwägungen spielt diese derzeit noch auf Zeit.

Von Martin Hock
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Der Yen steigt und steigt und steigt und die japanische Börse fällt und fällt und fällt. Derweil der Kurs des Yen zum Euro am Dienstag den höchsten Stand seit neun und zum Dollar seit 15 Jahren erreicht hat, ist der Nikkei-Index auf den tiefsten Stand seit 15 Monaten gefallen.

Nur noch 106,45 Yen sind für einen Euro bzw. 84,45 Yen für einen Dollar fällig, derweil der Nikkei-Index nur noch auf 8995 Punkte taxiert wird, der damit alle Kursgewinne seit Beginn der Erholung im Frühjahr 2009 abgegeben hat.

Keine Nachrichten treiben den Yen

Anlass für beides sind am Dienstag Äußerungen des japanischen Finanzministers Yoshihiko Noda. Händlern zufolge hat Noda keinen Hinweis auf Interventionen gegen den Anstieg der Landeswährung gegeben. Zwar hatte der Minister den Yen-Höhenflug als Gefahr für die Wirtschaft kritisiert, wollte sich aber auf Reporterfragen nicht zu möglichen Eingriffen am Devisenmarkt äußern.

Auch das mit Argusaugen betrachtete Gespräch zwischen Ministerpräsident Naoto Kan und Notenbankpräsident Masaaki Shirakawa blieb am Montag ohne konkretes Ergebnis. Über ein Eingreifen am Devisenmarkt sei gar nicht gesprochen worden, heißt es offiziell.

Konjunkturfurcht macht den Yen interessant

Damit geht der Trend zur Zuflucht in en Yen weiter, der darauf beruht, dass der Handelsbilanzüberschuss des Landes es unabhängiger von ausländischem Kapital sein lässt, was in einer Zeit der weltweit eher schwächeren Konjunktur als Vorteil betrachtet wird.

Am Dienstag sind es vor allem Voraussagen für noch zu veröffentlichende Indikatoren, die die Befürchtungen schüren. So wird für die Vereinigten Staaten ein Rückgang der Hausverkäufe von 13 Prozent für den Monat Juli erwartet. Die Daten werden am Nachmittag veröffentlicht. Zudem soll der Ifo-Index im August von 106,2 auf 105,7 Punkte gefallen sein. Der Index wird morgen veröffentlicht.

Solange die vorherrschende Ansicht sei, dass sich das Wachstum abschwäche und man daher Risiken vermeiden müsse, sei mit einer Yen-Aufwertung zu rechnen, meint Antje Präfcke, Währungsstrategin der Commerzbank.

Sorge um Konsolidierungserfolge verhindert noch Interventionen

Derzeit spiele die japanische Regierung auf Zeit, meinen die Analysten von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley. Erst am Ende des Monats steht der neue Haushaltsplan. Dieser sieht deutliche Sparmaßnahmen vor, so etwa eine pauschale Verringerung der Ausgaben aller Ministerien um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Plan ist aber immer noch in der Durchsetzungsphase.

Nach den schwachen Wachstumsdaten der vergangenen Woche (vgl. auch Die goldenen Jahre am Kapitalmarkt kommen nicht zurück), wurden in der Presse sofort neue Konjunkturmaßnahmen kolportiert. Sollten diese eingeführt werden, so muss die Regierung befürchten, dass sie nicht nur ihre Konsolidierungsziele aufweichen muss, sondern dass auch Forderungen aus der Regierungspartei laut werden, die Forderungen des Parteiprogramms umzusetzen, die mit den Sparmaßnahmen nicht vereinbar sind.

Zu allem Überfluss steht Mitte September eine Neuwahl des Parteivorsitzenden der regierenden DPJ an. Zwar habe Kan noch keinen Gegenkandidaten, doch könnte eine frühzeitige Festlegung auf Konjunkturmaßnahmen und Wechselkursinterventionen dafür das Feld bereiten, besonders für den skandalumwitterten früheren Generalsekretär der DPJ, Ichiro Ozawa, der als Vertreter einer großzügigen Ausgabenpolitik bekannt ist, die Japans Schulden in den vergangenen Jahren auf den höchsten Stand der Welt hat ansteigen lassen.

Kan hatte sich bisher nur darauf festgelegt, sich mit Unternehmenslenkern, Gewerkschaftsführern und Mitgliedern der eigene Partei darüber auszutauschen. Ein solches Treffen soll nach Medienberichten demnächst stattfinden. Aus diesen politischen Erwägungen heraus rechnen die Analysten nicht mit Devisenmarkteingriffen vor Mitte September, wenn auch das nächste reguläre Zusammentreffen zwischen Minister- und Notenbankpräsident stattfindet. Schon aber für die nächste Sitzung des geldpolitischen Rates der Notenbank Anfang September rechnen sie mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik.

Schwacher Yen als aussichtsreichster Ausweg

Nach derzeitigem Stand müssen die Verantwortlichen handeln. Die Yen-Stärke belastet die japanische Exportwirtschaft und beeinträchtigt die Wachstumsaussichten des Landes. Der starke Yen macht japanische Produkte im Ausland teurer, gleichzeitig schmälert er die Gewinne der Unternehmen, wenn sie sie aus dem Ausland nach Japan zurücktransferieren. Dies ist auch der Grund, warum die Aktienkurse an der japanischen Börse so deutlich unter Druck stehen.

Längerfristig aber führt in Japan kein Weg um eine Konsolidierung der öffentlichen Finanzen herum. Dies ist aber ebenso wenig positiv für die Aktienbörse, da dies zulasten des Binnenwachstums gehen wird, das ohnehin schon strukturell unter der starken Überalterung der Bevölkerung leidet. Da somit die einzige Hoffnung, eine Haushaltskonsolidierung ohne massive Wachstumseinbußen und damit einer Verschärfung der chronischen Deflation zu erreichen, im Export liegt, ist das Land also gezwungen, einen niedrigeren Wechselkurs des Yen zu erreichen. Insofern werden Wechselkursinterventionen derzeit wohl nur aufgeschoben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle:
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach