Home
http://www.faz.net/-gvz-qg6d
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Japanischer Yen Aufwertung derzeit nicht zu erwarten

30.08.2010 ·  Die Lockerungsmaßnahmen der japanischen Notenbank zur Dämpfung des Wechselkursanstiegs der Landeswährung Yen verpuffen, der Yen wertet wieder auf. Generell stehen die Chancen schlecht, dass das Land den Trend aufhalten oder umkehren kann.

Von Martin Hock
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (1)

Mit Spannung waren die Ankündigungen erwartet worden, die die Bank of Japan machen würde, um der immer stärkeren Aufwertung zu begegnen, die der heimischen Währung Yen derzeit widerfährt.

Tatsächlich reagierten die Märkte dann enttäuscht. Der Nikkei-Index schloss am Montag zwar 1,8 Prozent höher bei 9149 Punkten, doch hatte er vor der Sitzung der Notenbank bis zu drei Prozent im Plus gelegen.

Wirkungslose Maßnahmen der Bank of Japan

Vor allem aber reagiert der Yen keineswegs mit einer Abwertung. Im Gegenteil: Nachdem er gegenüber dem Euro in der vergangenen Woche von 105,68 Yen je Währungseinheit bis auf 109,53 Yen abgewertet hatte, wertet er am Montag wieder auf, und zwar um mehr als ein Prozent auf aktuell 107,95 Yen. Nicht anders verhält es sich zum Dollar: bei einem Kurs von derzeit 84,85 Yen je Dollar liegt dieser wieder auf dem Niveau des Freitagmittags.

Die Bank of Japan hat angekündigt die Mittel zu erhöhen, die sie den Finanzinstituten zum Festzinssatz von 0,1 Prozent zur Verfügung stellt. Den Leitzins aber beließ sie unverändert. Den Angaben zufolge will die BoJ nun zusätzlich niedrig verzinste Kredite über 10 Billionen Yen (rund 92 Milliarden Euro) mit einer Laufzeit von sechs Monaten anbieten.

„Die angekündigten Maßnahmen haben perfekt den Markterwartungen entsprochen, darüber hinaus gingen sie nicht“, sagte Kimihiko Tomita, Leiter des Devisenhandels bei der State Street Bank. „Diese Schritte werden den Anstieg des Yen nicht aufhalten.“

Machtlose Notenbanker

Nach Ansicht von Daisuke Uno, Chefstratege bei Sumitomo Mitsui haben die japanischen Notenbanker auch wenig Möglichkeiten, den Anstieg des Wechselkurses aufzuhalten, sei dieser doch hauptsächlich getrieben von der Schwäche der amerikanischen Konjunktur. Der Renditevorsprung amerikanischer Staatsanleihen schwindet dahin, gleichzeitig werden neue geldpolitische Maßnahmen der amerikanischen Notenbank erwartet, die diesen noch weiter nach unten treiben könnten.

Damit ist auch das größte Problem exakt umrissen. Gegen eine amerikanische Niedrigzinspolitik und damit die Fortsetzung der Gegenbewegung zu den Kapitalflüssen der vergangenen Jahrzehnte, die die nach dem Ende der goldenen Jahre des Inselstaates dessen angeschlagene Wirtschaft aufrecht erhielt, kann die Bank of Japan nicht viel tun - außer direkt zu intervenieren, was einige Marktbeobachter auch erwarten.

Das gilt vor allem dann, wenn das neue Konjunkturpaket der Regierung, die 920 Milliarden Yen (8,5 Milliarden Euro) an Haushaltsreserven für Arbeitsmarktmaßnahmen und Deregulierungsmaßnahmen aufwenden will, wirkungslos bleibt. Doch gegen die Marktkräfte wird sich auch die Notenbank kaum behaupten können.

Überall ist Japan

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Situation in anderen Teilen der Welt sich der in Japan in vielerlei Hinsicht angeglichen hat. Die Staatsverschuldung hat aufgeholt, die Bevölkerung zeigt ähnliche Vergreisungserscheinungen, das Wachstum ist schwach und basiert vorwiegend auf billigem Kredit und niedrigen Zinsen. Das Land steckt mittlerweile wieder in einer hartnäckigen Deflation, nicht zuletzt, weil es dem Antrieb durch den Export fehlt und weil der Yen aufwertet, was die Importpreise sinken lässt.

Zwar wird erwartet, dass die Vereinigten Staaten die Deflation vermeiden können. Eric Chaney, Chefvolkswirt bei AXA Investment Managers rechnet für die Zukunft allerdings damit, dass die Vereinigten Staaten künftig einen Kurs des langsamen und stetigen Wachstums verfolgen werden, der dem künstlich auf Pump finanzierten Boom der vergangenen Dekade diametral entgegengesetzt sei. Das ist aber dem japanischen Szenario weitaus näher, als es früher der Fall war.

Deutschland hilft der Euro

Vor allem für Deutschland aber stimmt die japanische Entwicklung nachdenklich. Denn es gibt strukturelle Parallelen. Wie Japan ist Deutschland exportabhängig, während der Binnenkonsum seit Jahrzehnten schon kaum noch Impulse liefert. Was Deutschland zuletzt genützt hat, sind nicht nur die Arbeitsmarktreformen, sondern auch eine relative Schwäche des Euro, dadurch bedingt, dass die Euro-Partner nicht dieselbe Exportstärke aufwiesen. Die D-Mark hätte in den vergangenen Jahren womöglich stärker aufgewertet - vor allem gerade jetzt, wo die Wachstumszahlen vergleichsweise stark ausfallen. Insofern hat die südeuropäische Schuldenkrise für Deutschland durchaus ihr Gutes, während Japan diesen Faktor nicht auf seiner Seite hat.

Japan ist kaum im Ausland verschuldet, so dass auch eine plötzliche Abwertung als Folge einer Schuldenkrise kaum zu erwarten ist. Solange die Yen-Stärke den nicht zulasten des Handelsbilanzüberschusses geht, bleibt Japan damit relativ unabhängig von ausländischem Kapital. Außerdem haben Staaten wie China begonnen, Yen zu erwerben, um ihr Devisenportfolio weniger abhängig von Dollar und Euro zu machen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle:
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,3195 102,40 0,8374
USD 0,7579 1 77,595 0,6348
JPY 0,0098 0,0129 1 0,0082
1,1941 1,5752 122,25 1
10.02.2012 23:04 Uhr
  Vortag
1,3195 −0,67%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/ZAR 10,2100 +1,43 %
EUR/HUF 293,7000 +1,00 %
EUR/CZK 25,1560 +0,39 %
EUR/AUD 1,2361 +0,38 %
EUR/SGD 1,6641 +0,35 %
EUR/USD 1,3195 −0,67 %
EUR/HKD 10,2324 −0,68 %
EUR/JPY 102,4020 −0,71 %
EUR/NOK 7,5753 −0,75 %
EUR/CNY 8,3013 −0,84 %
10.02.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.711,50 $ −2,09 %
Silber 33,55 $ −0,74 %
Platin 1.648,00 $ −1,02 %
Palladium 702,00 $ −1,68 %
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91 %
Gas 0,59 £ −1,60 %
Kaffee 2,17 $ +0,72 %
Zucker 0,25 $ +0,90 %
Orangensaft 1,86 $ −0,98 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach