29.10.2008 · Einige Ökonomen vermuten, dass mittlerweile die Japaner ihr Geld aus dem Ausland abziehen. Sie tragen damit nicht unerheblich zu den rasanten Kursgewinnen ihrer Währung bei. Somit wäre die Aufwertung des Yen eine direkte Folge der Finanzkrise.
Von Patrick Welter, TokioVolkswirte in Tokio sehen die Aufwertung des Yen in den vergangenen Wochen vor allem gegenüber dem Euro im Kern als eine Normalisierung, die freilich sehr rasant verläuft. Nach den Berechnungen der Ökonomen ist der Yen selbst bei den aktuellen Kursen gegenüber dem Dollar und gegenüber dem Euro noch weit von dem Wechselkurs entfernt, den fundamentale Faktoren nahelegen würden. Nach einer Studie der Deutschen Bank in Tokio etwa entspräche ein Preis von 81 Yen je Dollar und von 104 Yen je Euro einem angemessenen Wechselkurs der Währung, wenn nach der Kaufkrafttheorie die Preisunterschiede für Güter zwischen den Volkswirtschaften zugrunde gelegt würden. Credit Suisse sieht einen „fairen Wert“ der Währung bei etwa 94 Yen je Dollar und 108 Yen je Euro. Am Dienstagabend wurde der Yen um 95 Yen je Dollar und um 119 Yen je Euro gehandelt.
Dabei zeigte der Yen, der gegenüber dem Dollar seit Anfang September rund 15 Prozent gewonnen hat und gegenüber dem Euro rund 30 Prozent, sich am Dienstag etwas schwächer als zuvor. Händler nannten Spekulationen über mögliche Eingriffe der japanischen Regierung am Devisenmarkt als Gründe. Auf eine helfende Hand anderer Staaten der Siebenergruppe (G 7) dürfte Japan indes kaum hoffen, obgleich die Finanzminister und Notenbankchefs auf japanischen Wunsch noch am Montag die gemeinsame Stellungnahme mitgetragen hatten, in der die Aufwertung des Yen als „exzessiv“ gekennzeichnet wurde. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde erklärte indes gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die G-7-Partnerstaaten sich an Devisenmarktinterventionen zur Schwächung des Yen nicht beteiligen würden.
Rasante Aufwertung als direkte Folge der Finanzkrise
Japan hatte von 2001 bis März 2004 mit erheblichen Beträgen gegen eine Aufwertung des Yen in den Devisenmarkt eingegriffen. Damals unterstützte die Bank von Japan mit ihrer Politik der quantitativen Lockerung die Interventionen, indem sie zuließ, dass die für die Dollarkäufe verausgabten Yen-Beträge zum Großteil zu einer Ausweitung der Geldmenge führten. Die Siebenergruppe hatte zuletzt im September 2000 gemeinsam in die Währungsmärkte eingegriffen, um damals den Euro zu stärken.
Die rasante Aufwertung des Yen ist nach Meinung vieler Beobachter eine direkte Folge der Unsicherheit in der Finanzmarktkrise. Sie wird üblicherweise damit begründet, dass Carry Trades aufgelöst werden. Diese These ist freilich umstritten, und die vage Bedeutung des Begriffs macht die Analyse nicht einfacher. „Es kommt darauf an, was man unter dem breiten Begriff der Carry Trades versteht“, sagt Satoru Ogasawara, der als Volkswirt für Credit Suisse in Tokio arbeitet. Oft wird mit dem Begriff bezeichnet, dass vor allem institutionelle Anleger sich in Ländern niedriger Zinsen wie Japan Geld leihen, um es ertragbringend in Hochzinsländern anzulegen.
Zurück in die Sicherheit des Heimatlandes
Diese Anlagen haben nach Einschätzung von Mikihiro Matsuoka, dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank in Tokio, in den vergangenen Jahren den Yen geschwächt und gegenüber Dollar und Euro weit aus dem üblichen Schwankungsband um den durch die Kaufkraftparität bestimmten Kurs herausgetrieben. Matsuoka sieht die Auflösung dieser Carry Trades als einen Grund, warum der Yen jetzt stärker wird. Die Erwartung, dass die Zentralbanken in Amerika und in Europa ihre Leitzinsen weiter zurücknehmen würden, während die Bank von Japan am niedrigen Zinssatz von 0,5 Prozent wohl festhalten werde, schwäche den Anreiz für Carry Trades. Diese spekulativen Anlagen sind nach Einschätzung von Ogasawara von Credit Suisse dagegen in der seit mehr als einem Jahr andauernden Finanzkrise schon lange abgewickelt. Er geht davon aus, dass mittlerweile japanische Haushalte ihre Portfolioinvestitionen im Ausland auflösen, um das Geld zurück in die Sicherheit des Heimatlandes zu bringen.
Auch gebe es Indizien, dass institutionelle Anleger in Japan Kapital aus dem Ausland zurückholten, um vorbereitet zu sein, falls ihre Kunden Geld aus den Anlagen abziehen wollten, sagte Ogasawara. Den Yen stärke zudem, dass die Kreditvergabe der größten Gläubigernation ins Ausland zurückgehe, weil Kredite in Amerika und in Europa derzeit weniger gefragt seien. Ogasawara verweist wie Matsuoka auch darauf, dass viele Anleger Geld aus den Schwellenländern in die japanische Sicherheit eines Leistungsbilanzüberschusses brächten, weil die sinkenden Rohstoffpreise die Position der Defizitländer schwäche.
Die besondere Stärke des Yen gegenüber dem Euro begründet der Ökonom von Credit Suisse damit, dass der Euro gegenüber allen wichtigen Währungen überbewertet gewesen sei. Die Hoffnung, dass die europäischen Finanzmärkte sich von den Wirren der Krise und die europäische Wirtschaft von der amerikanischen Entwicklung abkoppeln könnten, habe sich nicht erfüllt. Der besondere Wertverlust des Euro gegenüber dem Yen könne jedoch bald vorüber sein, erklärt Ogasawara. Auf Sicht von drei Monaten erwartet er den Yen gegenüber dem Euro wieder etwas schwächer bei einem Wechselkurs von rund 128 Yen je Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |