Home
http://www.faz.net/-gvz-6xohv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Japan Yen-Schwäche könnte von kurzer Dauer sein

14.02.2012 ·  Überraschend hat die Bank von Japan ihre Geldpolitik weiter gelockert. Sie beugt sich damit politischem Druck, die Staatsschulden zu finanzieren. Der Einfluss auf den Yen-Kurs ist fraglich.

Von Martin Hock
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Die japanische Notenbank hat sich am Dienstag dem Druck der Regierung gebeugt und ihre Geldpolitik weiter gelockert. Die Bank von Japan wird ihr Programm zum Ankauf von japanische Staatsanleihen um 10 Billionen Yen (97,33 Milliarden Euro) auf 65 Billionen Yen ausweiten.

Die Veränderungen kommen, nachdem Japans Finanzminister Azumi in der vergangenen Woche im Parlament beiläufig über Gesetzesänderungen gesprochen hatte, durch die die Unabhängigkeit der Notenbank beschnitten werden könnte. Die Regierung begrüßte am Dienstag auch die Beschlüsse der Bank. Das Einknicken der Bank zeigt sich besonders darin, dass sie sich nunmehr erstmals ein mittel- bis langfristiges Inflationsziel von 1 bis 2 Prozent gesetzt hat. Just das Festhalten am allgemein gehaltenen Ziel der Preisstabilität war dahingehend besonders stark kritisiert worden, dass dieses zu vage sei, um die hartnäckige Deflation zu bekämpfen.

Merkwürdiger Zeitpunkt für Wachstumspolitik

Die jetzt ergriffenen Maßnahmen erwecken den Eindruck, dass Japan seine ausufernden Staatsschulden von mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts mit der Notenpresse in den Griff bekommen will. Notenbankgouverneur Massaki Shirakawa begründete die Aufstockung des Kaufprogramms allerdings damit, dass so das Wirtschaftswachstum gefördert werden solle.

Abgesehen davon, dass fraglich ist, ob die Maßnahmen dazu geeignet sind, kommt die Maßnahme zu einem etwas ungewöhnlichen Zeitpunkt. Denn Volkswirte wie auch die Bank von Japan rechneten schon zuvor mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in diesem Frühjahr. Volkswirte hatten daher auch fast durchweg erwartet, dass die Bank ihre Geldpolitik nicht verändern würde.

Wettlauf der Währungsschwäche

Hiroaki Muto, Chef-Volkswirt bei Sumitomo Mitsui erwartet insgesamt nur begrenzte Auswirkungen auf den Wechselkurs. Mitul Kotecha, Chef-Devisenstratege der Credit Agricole in Hongkong begründet diesen Standpunkt damit, dass die BoJ die Anleihenkäufe noch deutlicher ausweiten müsse, um zu erreichen, dass sich die Aufwertungstendenz des Yen umkehrt.

Tatsächlich ist es auch weniger der Yen, der stark ist, als dass das Vertrauen in den Dollar (und den Euro) fehlt. Das Kuriose daran ist, dass der Hintergrund die Konjunkturschwäche und die Sorge um die Staatsfinanzen ist, just also diejenigen Faktoren, die in Japan ganz besonders im Argen liegen. Kurzfristig sind es zudem Erholungsspekulationen, die Anlagen in Yen attraktiv erscheinen lassen, auch die Wachstumsgeschichte asiatischer Schwellenländer wird bisweilen mangels geeigneter Anlagen über Japan gespielt.

Nicht zuletzt gewinnen derzeit die Carry Trades, bei denen Investoren Geld in Niedrigzinsländern wie Japan aufnehmen und es in höher verzinste Landeswährungen stecken, mit größerer Risikobereitschaft wieder an Bedeutung.

Wenn daher am Dienstag der Kurs des Yen gegenüber dem Dollar von 78, 73 Yen auf 78,11 Yen spürbar nachgab, so handelt es sich dabei um eine eher kurzfristige Entwicklung, die auch viel mit den schwächeren Einzelhandelsumsätzen in Amerika zu tun hatte.  Kotecha sieht die Bewegung nicht als wirklich nachhaltig an. Indes könnte nach dem Dafürhalten der Analysten von JP Morgan der Yen aus technischen Gründen auf 80 Yen je Dollar fallen.

Gegenseitiges Egalisieren

Auch gegenüber dem Euro ist ungewiss, wie ausschlaggebend  die Maßnahmen der japanischen Notenbank sind. Zwar wertete der Yen ab, doch schwächte schon die Abwertungsbewegung am Dienstag schon, dass die im deutschen ZEW-Index abgebildeten Konjunkturerwartungen deutlich stärker als erwartet gestiegen waren. Wenn dies genügt, um einen Interventionseffekt zunichte zu machen, so kann dieser nicht stark gewesen sein.

Auch die weitere Abwertung am Mittwoch wird eher dem Versprechen Chinas zugeschrieben, sich stärker in der Euro-Krise zu engagieren. Insofern scheint es derzeit unter den drei großen Währungen keinen eindeutigen Favoriten zu geben. Die Schuldenkrise schwächt den Euro, während amerikanische und europäische Notenbank implizit oder explizit an einer schwächeren Währung interessiert sind. Das dämpft derzeit die Aussichten jeder Interventionsmaßnahme.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach