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Investieren in Skandinavien Zuflucht im Norden

 ·  Je größer die Krise in Südeuropa wird, desto größer wird auch das Interesse von Anlegern für den Norden Europas. Als sicherer Hafen für besorgte Investoren taugt aber auch Skandinavien nur bedingt.

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© Bloomberg Stabil: die schwedische Krone

Je mehr sich die wirtschaftliche Krise in Europas Süden verschärft, desto mehr interessieren sich Anleger und Investoren für den Norden des Kontinents. Denn Dänemark, Schweden und Norwegen genießen wegen ihrer soliden Staatsfinanzen nicht nur wie Deutschland den Ruf erstklassiger Schuldner, sie verfügen außerdem über eigene Währungen und sind von den Zweifeln an der Stabilität des Euros höchstens indirekt betroffen. Getreu dem Klischee gelten Skandinavier ohnehin schon als rational und verlässlich. So setzt sich die Vorstellung vom „sicheren Hafen“ im Norden zusammen, in dem das Kapital die Krise im Süden überdauern kann.

Schon vor einem Monat berichtete beispielsweise die Osloer Niederlassung von Nordea, dem größten skandinavischen Finanzkonzern, sie habe für vermögende Neukunden aus dem Ausland Wartelisten eingerichtet, weil der Andrang die Verwaltung überlaste. Die norwegische Großbank DNB bietet seit kurzem ein Festgeldkonto speziell für deutschsprachige Kunden mit einer Mindesteinlagensumme von 500000 Euro an. Den Anlass dazu gaben nach Auskunft der Bank, die auf dem Privatkundenmarkt in Deutschland bislang nicht vertreten gewesen ist, Hunderte von Anfragen in den vergangenen Monaten. Wer auf die persönliche Beratung in der Muttersprache verzichtet, ist auch schon mit einem Fünftel der Summe willkommen. Die angebotenen Zinsen sind bescheiden und bewegen sich, je nach gewählter Laufzeit und Währung, zwischen 0,4 und 2,4 Prozent.

Aufwertung der Krone vermeiden

Werden die drei Königreiche im Norden nun von Kapital aus dem Ausland überflutet? Die jüngsten Nachrichten aus Dänemark lassen darauf schließen: Zweijährige Staatsanleihen wurden dort in der abgelaufenen Woche mit negativer Rendite verkauft. Schon im Mai hat die Notenbank in Kopenhagen den Leitzins in zwei Schritte auf 0,45 Prozent gesenkt und stärker als je zuvor am Devisenmarkt interveniert, um eine Aufwertung der Krone zu vermeiden. Seit Herbst 2008 hat sie ihre Devisenreserven auf umgerechnet rund 67 Milliarden Euro verdoppelt. Er schließe auch negative Zinsen nicht aus, ließ sich der Notenbankgouverneur zitieren.

Doch Dänemark nimmt unter den drei Kronen-Ländern eine Sonderstellung ein, weil es als einziges - und schon seit 1982 - eine Festkurspolitik verfolgt. Der Kurs der dänischen Krone war zunächst an die D-Mark gebunden, 1999 wurde der Euro zur Referenzwährung. Die Notenbank strebt an, dass die Abweichung vom Eurokurs höchstens 2,25 Prozent beträgt; in der Praxis hält sie die Krone in einem deutlich engeren Band. Weitere Interventionen sind zu erwarten, denn Spekulationen über eine Abkehr von der Festkurspolitik weist die Notenbank zurück.

Auch für die beiden Nachbarstaaten Dänemarks läge wegen des Gewichts der Exportwirtschaft in einer kräftigen Aufwertung ein Risiko. Doch die schwedische Krone hat seit Anfang des Jahres gegenüber dem Euro nur um 0,9 Prozent und damit deutlich weniger als etwa der Dollar aufgewertet. Für die norwegische Krone liegt das Kursplus zwar bei fast 3 Prozent, damit aber immer noch unter dem des britischen Pfund. „Wirklich große Kapitalumschichtungen Richtung Norden waren bislang noch nicht zu beobachten“, schließt Dorothea Huttanus, die Währungsexpertin der DZ Bank in Frankfurt, daraus. Die Erklärung dafür liege darin, dass die skandinavischen Währungen wegen der mangelnden Liquidität im Handel mit ihnen beispielsweise für die Manager internationaler Pensionsfonds nur als moderate Beimischungen infrage kämen. Für die norwegische und die schwedische Krone sei zudem das Wechselkursrisiko zu hoch.

Fehlende Markttiefe nimmt den Charme

Einer Statistik der Bank für internationalen Zahlungsausgleich zufolge entfallen nur knapp 4 Prozent des täglichen Umsatzes am Devisenmarkt auf den Handel mit den drei skandinavischen Kronen. „Die fehlende Markttiefe nimmt ihnen ihren Charme“, sagt Huttanus. Zumindest für große Volumina sei die Gelegenheit zum Ausstieg, die ein idealer sicherer Hafen bieten müsse, nicht jederzeit gegeben. Diese Einschränkung werde sich auf Dauer als wirksamer erweisen als etwa die Maßnahmen der dänischen Notenbank.

Sowohl in Norwegen als auch in Schweden liegt der Leitzins deutlich über dem dänischen Niveau und auch über dem EZB-Zins von 1 Prozent. In beiden Staaten haben die Notenbanken bislang nur mit vorsichtigen Kommentaren auf den Zustrom von ausländischem Kapital reagiert. Dabei ist der Anteil der ausländischen Eigentümer von schwedischen Staatsanleihen im vergangenen Jahr von 37 auf 56 Prozent gestiegen, am Hypothekenmarkt war ein Plus von 15 auf 21 Prozent zu verzeichnen. Die Devisenreserven der schwedischen Notenbank aber liegen stabil bei rund 36 Milliarden Euro. „Das wirtschaftliche Fundament ist so stark, dass die Krone auch nach den jüngsten Kursgewinnen nicht überbewertet ist“, kommentiert Stefan Mellin von der Stockholmer Niederlassung der Danske Bank die Entwicklung. Er halte weder eine Leitzinssenkung noch die Einführung einer Wechselkursuntergrenze nach Schweizer Vorbild für wahrscheinlich. „Auch negative Renditen auf schwedische Staatsanleihen kann ich mir nur für den Fall vorstellen, dass die Weltwirtschaft regelrecht kollabiert“, sagt Mellin.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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