Für den Geologen Thomas Dolley ist es ein ganz heißes Thema. „Die Produktion und Nachfrage nach Fracksand ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Ich habe noch nie ein derart starkes Wachstum erlebt“, sagt Dolley, Fachmann für Sand und andere Mineralien beim U.S. Geological Survey (USGS), der wissenschaftlichen Behörde des amerikanischen Innenministeriums. Fracksand ist die Bezeichnung für industriell verwendeten Quarzsand, der beim „Fracking“ eingesetzt wird. Dabei wird in Schiefergestein eingeschlossenes Gas oder Öl freigesetzt, das mit den herkömmlichen Methoden nicht erschlossen werden kann. Mit Sand und Chemikalien vermischtes Wasser wird unter hohem Druck in die Bohrstelle gepresst, um das Gestein aufzubrechen. Die dafür nötigen Sandkörner sind runder als ihre eckigen Brüder vom Sandstrand und stammen vor allem aus dem Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Fast drei Viertel des Fracksands wird dort produziert und danach mit Güterzügen oder Lastwagen zu den Gas- und Ölfeldern transportiert.
Die Produktion von Quarzsand hat sich nach Angaben des USGS in den vergangenen fünf Jahren von rund 5,4 Millionen Tonnen im Jahr auf zuletzt 12,1 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. In der Branche kursieren sogar Schätzungen, die die Produktion im vergangenen Jahr auf 22 Millionen Tonnen oder höher ansetzen.
Auch der Anteil des Fracksandes an der gesamten Produktion von Industriesand und Kies in Amerika hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf zuletzt rund 41 Prozent in etwa verdoppelt. Die Vereinigten Staaten sind der größte Markt für Fracksand, es wird aber auch industriell bei der Herstellung von Glas oder Gussformen verwendet.
Neue Minen für Fracksand schießen aus dem Boden
Der Aufschwung der vergangenen Jahre ist jetzt allerdings etwas ins Stocken geraten. Die Nachfrage nach Fracksand hängt stark von den Preisen von Öl und Gas ab, und die sind zuletzt eher gefallen. Fracking hat zudem Proteste von Umweltschützern auf sich gezogen und auch die Kritik an möglicherweise negativen gesundheitlichen Folgen von Quarzstaub wächst. „Ich gehe aber trotzdem davon aus, dass das Wachstum zumindest stabil bleibt“, glaubt Geologe Dolley.
Die durchschnittlichen Preise für Fracksand sind in Amerika nach Angaben des USGS in den vergangenen fünf Jahren nur um 5 Prozent auf durchschnittlich 45,24 Dollar pro Tonne gestiegen. Der Grund: Die Produktion hat mit der steigenden Nachfrage mitgehalten, zahlreiche neue Minen wurden eröffnet. Allein in Wisconsin hat sich die Zahl der Sandsteinminen seit dem vergangenen Herbst auf mehr als 60 verdoppelt.
Privatanleger können über börsennotierte Quarzsandproduzenten profitieren
Privatanleger können allerdings nicht direkt in Fracksand investieren. Er wird nicht an der Börse gehandelt, und es gibt auch keine Terminkontrakte wie bei anderen Rohstoffen. Die Preise werden zwischen Produzenten und Abnehmern in der Branche direkt ausgehandelt.
Nur über Umwege können Anleger an Trends in der Sandbranche teilhaben, etwa durch die Anlage in den börsennotierten Quarzsandproduzenten U.S. Silica. Das Unternehmen ist der Branchenzweite hinter der Unimin Corporation, die wie die meisten Sandproduzenten nicht an einer Börse notiert sind. Eine andere Alternative sind Aktien von börsennotierten Öl- und Gasproduzenten wie EOG Resources, der eigene Sandminen betreibt. Schließlich profitieren auch börsennotierte Eisenbahngesellschaften vom Aufschwung in der Sandkiste.
Der alte Sandförderer
U.S. Silica ist das einzige börsennotierte Unternehmen seiner Art. Erst Anfang Februar war der Konzern an die New Yorker Börse gegangen. Nach einem enttäuschenden Debüt notiert der Aktienkurs trotz zwischenzeitlicher Erholung aktuell um fast 40 Prozent unter dem Ausgabekurs. Vorstandschef Bryan Shinn rechnet aber mit anhaltender Nachfrage nach Quarzsand für das Fracking. U.S. Silica baut derzeit ein Werk für die Beschichtung von Quarzsandkörnern mit Harz. Analysten erwarten mindestens eine Verdoppelung des Aktienkurses.
Der neue Sandförderer
Pioneer Natural Resources produziert seit April seinen eigenen Quarzsand für Fracking. Pioneer kaufte für knapp 300 Millionen Dollar das amerikanische Industriesandgeschäft des belgischen Bergwerkkonzerns Carmeuse. Das Unternehmen rechnet mit Kosteneinsparungen von bis zu 70 Millionen Dollar im Jahr, weil es seinen eigenen Sand produziert. Der für das operative Geschäft von Pioneer zuständige Manager Timothy Dove: „Die Nachfrage steigt, das Sandangebot ist knapp, und die Preise steigen.“
Trendsetter aus Texas
Das amerikanische Energieunternehmen EOG Resources sitzt in Texas. Mark Papa, der Vorstandschef von EOG, hat 2008 aber einen neuen Trend angestoßen, der in der Branche stark beachtet wurde. EOG betreibt seit damals eine eigene Quarzsandmine in Texas, um den Nachschub des Minerals zu sichern und die Kosten zu senken. EOG besitzt mittlerweile eine weitere Mine in der Sandsteinregion Wisconsin. Nach Angaben von Papa spart EOG je Bohrstelle bis zu 2 Millionen Dollar, weil sie eigenen Quarzsand nutzen.
Der Sandtransporter
Canadian Pacific (CP) ist eine von nur zwei nordamerikanischen Eisenbahngesellschaften, deren Schienen in den amerikanischen Bundesstaat North Dakota führen. Dort liegt das große Erdgas- und Ölfördergebiet Bakken (siehe Karte). Ende Juni hat CP, deren Aktien an den Börsen von Toronto und New York notiert sind, ein Abkommen mit dem Quarzsandproduzenten U.S. Silica getroffen. CP wird Sand aus der neuesten Produktionsstätte des Unternehmens in Wisconsin in die Bakken-Region transportieren.