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Interview Thomas Mayer „Gold wird zu einer globalen Parallelwährung“

 ·  Unser Kolumnist Thomas Mayer befürchtet eine weltweite Krise des Papiergelds. Und extrem niedrige Zinsen für mindestens ein Jahrzehnt.

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Herr Mayer, was macht die Weltwirtschaft 2013?

Es wird ein mittelmäßiges Jahr. Die Weltwirtschaft wird sich so dahinschleppen. Ich rechne mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von drei Prozent.

Wo sehen Sie die größten Chancen und Risiken?

In beiden Fällen lautet die Antwort: in Amerika. Die Entwicklung dort wird die Weltwirtschaft prägen. Entscheidend dürfte sein, wie die Verhandlungen um die Sparmaßnahmen ausgehen.

Könnte das Auswirkungen auf unseren Wohlstand haben?

Meine Kollegen bei der Deutschen Bank schätzen, dass das Wachstum in den Vereinigten Staaten von voraussichtlich zwei Prozent im kommenden Jahr auf null fallen könnte, wenn sich die Politiker nicht mehr einigen können und über die „fiskalische Klippe“ fallen. Bei uns im Euroland könnte die Rezession noch tiefer ausfallen und die Wirtschaft um 1,3 Prozent schrumpfen statt des sonst erwarteten Rückgangs von 0,3 Prozent.

Was ist mit der Euro-Krise?

Ich habe bewusst Amerika hervorgehoben, weil die Euro-Krise in der Wahrnehmung an den Kapitalmärkten zuletzt etwas in den Hintergrund getreten ist. Der Grund dafür ist, dass das Einschreiten der EZB im Sommer einen finanziellen Herzinfarkt in Europa ausgeschlossen hat. Es gab lange die Befürchtung, ein großes Land, etwa Spanien oder Italien, könnte zahlungsunfähig werden und eine Krise heraufbeschwören, schlimmer als nach der Lehman-Pleite. Das ist unwahrscheinlich geworden.

Hat Sie dieser Draghi-Effekt überrascht - der Anstieg der Kurse nach der Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi, „alles zu tun, um den Euro zu retten“?

Nein, das hat mich nicht gewundert. Wundern würde mich aber, wenn das auf Dauer reicht.

Sie meinen, Draghi muss irgendwann Anleihen kaufen, weil der Effekt sonst verpufft?

Nach meiner Lebenserfahrung ist es sehr selten, dass die Politik mit einem reinen Bluff davonkommt. Normalerweise werden die Märkte früher oder später die Karten sehen wollen, die man auf der Hand hat. Und deshalb denke ich, dass die EZB gezwungen sein wird, zu zeigen, dass das Anleihekaufprogramm existiert - und nicht nur eine virtuelle Angelegenheit ist.

Wann wird das notwendig sein?

Schwer vorherzusagen. Es kann sein, dass die Wahlen in Italien ein Anlass sind. Oder besorgniserregende Nachrichten aus Spanien.

Also haben wir das Schlimmste in der Krise noch nicht hinter uns?

Leider nicht. Der Euro hat zwar keinen Herzinfarkt erlitten, aber er ist von einem langwierigen Krebsleiden erfasst worden. Es sind 2012 zwar einige Fortschritte gemacht worden - in Irland, auch in Spanien und Italien. Aber das ist nicht genug, um die Eurozone auf eine stabile Grundlage zu stellen. Die Problemländer benötigen alle eine grundlegende Reform, ähnlich der Agenda 2010 in Deutschland. Was man hingegen sieht, ist zu viel Zurückhaltung bei den Reformen.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Es gibt zwei Grundprobleme. In Spanien wurde die Sanierung der Banken ein Jahr zu spät angepackt. Zudem haben die spanischen Banken zu wenig frisches Kapital bekommen. So kehrt kein Vertrauen zurück. Und in Italien wurde das Reformprogramm für die Wirtschaft nach einem guten Start mehr oder minder abgebrochen.

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