13.12.2007 · Der steigende Ölpreis sorgte in den vergangenen Monaten für Furore. Der Preisauftrieb schien lange Zeit keine Grenze zu kennen. Dabei gebe es gundssätzlich kein Ressourcenproblem, erklärt Christof Rühl, Chefvolkswirt von BP im Interview.
Der steigende Ölpreis sorgte in den vergangenen Monaten für Furore. Der Preisauftrieb schien lange Zeit keine Grenze zu kennen.
Experten führten dafür alle nur denkbaren Argumente an. Dabei gebe es gundssätzlich kein Ressourcenproblem, erklärt Christof Rühl, Chefvolkswirt von BP im Interview.
Freuen Sie sich eigentlich über den hohen Ölpreis?
Das ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits profitieren wir natürlich als Ölverkäufer, andererseits leiden wir auch unter einer möglichen wirtschaftlichen Abschwächung durch teures Öl. Zudem können wir unsere Produktion nicht beliebig erhöhen, wenn der Ölpreis hoch ist - und sobald der Preis hoch ist, steigen die Kosten. Es braucht bis zu sieben Jahre Vorlaufzeit, bis eine Bohrinsel voll arbeiten kann.
Angesichts eines immer größeren Energiehungers der Welt dürfte sich eine höhere Produktionsmenge lohnen.
Der Energiehunger der Welt ist hoch und er steigt, aber es ist keine automatisch vorgegebene Größe. Bei steigenden Preisen sinkt die Ölintensität aller Volkswirtschaften. Um eine Einheit des Bruttoinlandsprodukts herzustellen, wird immer weniger Öl benötigt.
Auch in China?
Gerade auch in China. In den Industrieländern ist die Ölintensität seit 1990 um 20 Prozent gesunken, außerhalb der Industrieländer sogar um mehr als 20 Prozent. Richtig ist aber bislang auch, dass das starke Wirtschaftswachstum in China und in anderen Schwellenländern trotz Effizienzsteigerungen die Ölnachfrage insgesamt steigen lässt.
Mit welchen Wachstumsraten rechnen Sie?
Wir nehmen ein jährliches Wachstum der Ölnachfrage von etwas mehr als einem Prozent an. Das würde in 72 Jahren den Ölbedarf der Welt nochmals verdoppeln.
Dann haben wir aber längst kein Öl mehr!
Das kann niemand wissen. Es gibt im Moment beim Öl kein Ressourcenproblem. Die ausgewiesenen Fördergebiete reichen zu heutigen Kosten und beim heutigen Stand der Technik noch für mehr als 40 Jahre.
Und dann?
Schon vorher sorgt der hohe Ölpreis dafür, dass die Technik weiterentwickelt wird, um auch bisher nicht lukrative Ölfelder nutzbar zu machen.
Wo sind die?
Zum Beispiel in Venezuela und Kanada.
Ist die Diskussion um die Endlichkeit des Öls damit hinfällig?
Diese Diskussion ist sehr alt, und bislang hat die Welt, allen Vorhersagen zum Trotz, doch noch nie unter einer Ölknappheit gelitten. Hier ist es wichtig, zu unterscheiden: Ich rede von Ressourcen unter der Erde. Es sind zumeist politische Beschränkungen über der Erde, die den Zugang beschränken. Oder, langfristig gedacht, scheint es sogar so zu sein, dass die Absorptionsfähigkeit der Atmosphäre für CO2 eher ein Problem ist als das Vorhandensein von fossilen Brennstoffen unter der Erde.
Wie entwickelt sich der Ölpreis?
Das vermag natürlich niemand vorherzusagen. Die wichtigsten Parameter werden aber sicherlich das künftige Wachstum der Weltwirtschaft und die Förderpolitik der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sein. Wir unabhängigen, privaten Ölförderer haben ja gerade einen Anteil von etwas mehr als 10 Prozent. Fast 90 Prozent der Reserven und damit auch ein wesentlicher Bestimmungsfaktor des Ölpreises liegt bei staatlichen Ölgesellschaften.
Führt der hohe Preis nicht auch zu einer Abkehr vom Öl?
In den vergangenen 30 Jahren ist der Ölanteil am Primärenergieverbrauch von fast 50 auf nun 36 Prozent zurückgegangen. Gas und auch wieder Kohle profitieren davon.
Ist die Kohle ein Problem?
Die CO2-Bilanz von Kohle ist besonders schlecht, aber Kohle ist fast überall verfügbar und relativ preisgünstig. China ist das markanteste Beispiel, steht aber für viele Entwicklungsländer. 72 Prozent der zusätzlich geförderten Kohle ist im vergangenen Jahr auf die Nachfrage aus China zurückzuführen.
Sorgen Sie sich wegen hoher CO2- Emissionen?
Natürlich. Erst wenn ein Preis für CO2-Emissionen existiert, kann es auch ökonomisch von Vorteil sein, die CO2- Emissionen zu reduzieren.
Wie gehen Sie vor?
Wir forschen an erneuerbaren Energien und an der Abspaltung und unterirdischen Lagerung von CO2. Noch ist das zu teuer, aber es bietet eine Perspektive.
Was halten Sie von erneuerbaren Energien als saubere Alternative zum Öl?
Wir investieren seit dem Jahr 2006 bis zum Jahr 2015 jedes Jahr rund eine Milliarde Dollar in diesen Bereich. Breit gestreut, da ungewiss ist, welchem der erneuerbaren Energieträger zuerst ein technologischer Durchbruch gelingt, so dass er ohne staatliche Förderung rentabel Energie produziert. Wir würden diese Investitionen nicht tätigen, wenn wir nicht davon ausgingen, dass sich das langfristig lohnt.
Könnten wir damit unabhängig vom Öl werden?
Das kann niemand sagen. Klar ist aber, dass die erneuerbaren Energieträger bisher nur einen sehr, sehr geringen Beitrag zur Deckung des Primärenergiebedarfs der Welt leisten - zudem einen, der in den schnell wachsenden Entwicklungsländern geringer ist als etwa in Deutschland oder der Europäischen Union. Der Weg bis zu einem bedeutenden Beitrag ist noch weit.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09 % |
| Silber | 33,55 $ | −0,74 % |
| Platin | 1.648,00 $ | −1,02 % |
| Palladium | 702,00 $ | −1,68 % |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91 % |
| Gas | 0,59 £ | −1,60 % |
| Kaffee | 2,17 $ | +0,72 % |
| Zucker | 0,25 $ | +0,37 % |
| Orangensaft | 1,86 $ | −0,98 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |