10.03.2004 · Verrückte Welt. Fundamentale Faktoren sprechen gegen den Dollar. Trotzdem legt er zu. Neben technischen Gründen macht S&P-Devisenexpertin Kerry Meanwell die japanischen Interventionen verantwortlich.
Verrückte „Devisenwelt“. Die fundamentalen Faktoren sprechen weiterhin für einen anhaltend schwachen Dollar - und trotzdem konnte er in jüngster Zeit sowohl gegen den Euro als auch gegen den Yen deutlich zulegen.
Am Mittwoch warteten die Devisenhändler mit Spannung auf die jüngste Zahl zur Entwicklung der amerikanischen Leistungsbilanz. Die Optimisten hofften vor der Veröffentlichung darauf, daß sich das amerikanische Leistungsbilanzdefizit reduzieren könnte. Und das sollte aus ihrer Sicht dem Dollar helfen. Dollarpessimisten dagegen rechneten mit einem zunehmenden Defizit und damit, daß der Dollar danach massiv unter die Räder kommen würde.
Und was ist passiert? Das Leistungsbilanzdefizit hat sich ausgeweitet, und der Dollar legte trotzdem deutlich auf bis 1,2232 Dollar je Euro zu. Die eher unverständliche Reaktion war Grund für ein kurzes Interview mit der Devisenanalystin Kerry Meanwell von Standard & Poor's.
Können Sie erklären, wieso der Dollar so stark ist, obwohl sich das Leistungsbilanzdefizit ausgeweitet hat?
Um ehrlich zu sein, versuchen wir das auch gerade herauszufinden. Es sieht so aus, als ob rein handelstechnisch betrachtet eine Unmenge von im Markt vorplazierten Verkaufsorders ausgelöst worden sind. Und da das Pfund gegen den Dollar stark verloren hat, hat es den Euro mit nach unten gezogen. Grundsätzlich scheinen jedoch die anhaltend massiven Interventionen der japanischen Zentralbank zu Gunsten des Dollars und zu Lasten des Yen auch die restlichen Währungsrelationen zu verzerren.
Fundamental betrachtet müßte jedoch der Dollar zur Schwäche neigen?
Aus fundamentaler Sicht gibt es eigentlich nichts, was den Dollar am Fallen hindern könnte. Allerdings ist der Markt in diese Richtung positioniert. Und sobald er sich in die andere Richtung bewegt, werden sicherheitshalber plazierte „Stopp-Loss-Orders“ in Serie ausgelöst und bringen den Markt immer weiter nach unten.
Wie lange können die Japaner Interventionen in diesem Ausmaß durchführen?
Es sieht so aus, als ob sie die Absicht hätten, den Yen wenigstens bis Ende des Monats und damit des japanischen Fiskaljahres am Aufwerten zu hindern. Sie haben im Januar und Februar im Gegenwert von etwa 100 Milliarden Dollar interveniert. Das sind unglaubliche Beträge. Das verzerrt auch die anderen Märkte.
Was wird passieren, wenn der Monat vorbei ist? Wird dann der Dollar nicht fallen wie ein Stein?
Das ist nicht völlig ausgeschlossen. Möglicherweise werden sie auch nur das Ausmaß der Interventionen reduzieren. Aber es ist kaum vorstellbar, daß sie die aktuelle Dimension für längere Zeit durchhalten können.
Die amerikanische und die europäische Zentralbank intervenieren jedoch nicht?
Nein, bisher haben wird davon nichts gehört. Wenn, so hätte sich das längst herumgesprochen. Die Europäer haben auf dem aktuellen Niveau kein größeres Interesse daran, die Amerikaner begrüßen die Interventionen vielleicht sogar insgeheim. Denn sie wollen weitere Anleihen verkaufen. Vor daher kommen ihnen die japanischen Käufe zupaß.
Was würde passieren, wenn die amerikanischen Zinsen effektiv steigen würden? Müßten dann die Japaner dann nicht riesige Verluste auf ihren Positionen realisieren?
Das ist möglicherweise einer der Gründe, wieso sie aktuell so massiv Dollar kaufen. Sehr wahrscheinlich wollen sie damit das Gewinn- und Verlustkonto der „interventionistischen Aktivitäten“ mit Blick auf das Ende des Fiskaljahres frisieren und blicken gar nicht so sehr auf die Bilanzen der Unternehmen oder die japanische Konjunktur.
Wie muß man als Anleger diesen Markt nehmen?
Eine schwierige Frage. Fundamental betrachtet müßte man den Dollar ganz klar verkaufen. Aus technischer Sicht sehen jedoch Pfund und Euro kurzfristig sehr angeschlagen aus. Ich denke, wenn Euro-Dollar unter 1,2230 schließt, könnten wir noch deutlich tiefer gehen. Es scheint aber nur eine Frage des Zeitpunktes zu sein, zu dem man den Dollar wieder verkaufen muß.
Wenn diese Überlegungen insgesamt richtig sind, könnte es dann nicht Anfang April zu einer Stampede gegen den Dollar kommen? Und antizipieren die Japaner so eine Möglichkeit nicht?
Es ist denkbar, daß es dazu kommt. Die Japaner jedoch scheinen ziemlich kurzfristig orientiert zu sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |