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Interview „Die Dollar-Rally wird nicht lange dauern“

21.08.2008 ·  Die relative Dollarstärke verblüffte in den vergangenen Wochen viele. Die Währung konnte aber nur von technischen Sondereffekten profitieren und wird wieder schwächer werden, so Axel Merk vom Merk Hard Currency Fund im Interview.

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Die amerikanische Währung verblüffte in den vergangenen Wochen mit einer deutlichen Kurserholung gegen den Euro und viele andere Währungen. Der Kurs des Euro ist von 1,6038 Dollar Mitte Juli auf bis zu 1,4631 Dollar gefallen.

Aufgrund der sich abschwächenden Wirtschaft in Europa und der etwas gefallenen Rohstoffpreise gehen inzwischen viele davon aus, dass sich die Inflationsraten künftig zurückbilden und der europäischen Zentralbank Spielraum für Zinssenkungen erschließen. Auf diese Weise verbessere sich die relative Attraktivität des Dollar, heißt es vielfach.

Allerdings teilen nicht alle Marktteilnehmer diese Einschätzung. Axel Merk, Fondsmanager des Merk Hard Currency Fund in Kalifornien, bringt die Gegenargumente auf den Punkt. Er rechnet mit zunehmendem Inflationsdruck und damit, dass die amerikanische Währung weiterhin schwach bleiben wird.

Der Dollar hat sich in den vergangenen Tagen deutlich von seinen Tiefs erholt. Ist der Dollar nun wieder zur Hartwährung geworden?

Der Dollar ist noch lange keine harte Währung. Es gab zu viele, die gegen den Dollar gewettet hatten und wenn alle in eine Richtung spekulieren, so gibt es ab und zu eine Bewegung in die andere Richtung.

Es gab es viele Hedge-Fonds, die sich gegen Finanzwerte positioniert und die gleichzeitig alles gekauft hatten, was als Absicherung gegen eine inflationäre Entwicklung dienen kann. Sie hatten sich zum Beispiel Rohstoffe, Gold und Minenwerte in ihre Depots gelegt. Als sich die Finanzwerte zwischenzeitlich erholten, mussten sie diese ganzen Positionen liquidieren. Denn die Brokeragefirmen wollten ihre Risiken begrenzen und waren rasch bei der Hand mit so genannten Margin-Calls. Technische Gründe spielten für die Entwicklung eine wichtige Rolle. Das sieht man alleine schon daran, dass Öl- und Gaspreise fielen, obwohl Russland in Georgien einmarschiert sind.

Spielt das schwächere Wachstum in Europa keine Rolle?

Tatsächlich hatten Kommentare des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet eine Rolle gespielt, der gesagt hatte, die europäische Wirtschaft werde schwächer und Deutschland habe im vergangenen Quartal sogar negatives Wachstum gehabt. Daraufhin gingen manche Marktteilnehmer davon aus, die europäische Zentralbank werde die Zinsen nach unten nehmen.

Liegen sie mit dieser Annahme richtig?

Nein. Denn Volkswirte wissen, dass die Inflationsgefahr noch lange nicht gebannt ist, auch wenn die Rohstoffpreise inzwischen etwas korrigiert haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) äußerte sich inzwischen mehrfach und betonte, die inflationären Kräfte seien da, man müsse aufpassen und möglicherweise etwas dagegen tun. Ich denke, die EZB braucht deutlich länger, um die Zinsen zu senken, als der Markt das gegenwärtig erwartet.

Auf der anderen Seite wird die amerikanische Zentralbank den Leitzins kaum erhöhen. Denn erstens fallen die Häuserpreise weiter. Zweitens sind die Finanzinstitute weiterhin nicht gesund, die Hypothekenagenturen Fannie Mae und Freddie Mac haben stärkere Probleme.

Was will die amerikanische Zentralbank erreichen?

Der Immobilienmarkt ist in den Vereinigten Staaten für das Konsumentenverhalten viel wichtiger als in Europa. Bei einem Drittel aller Häuser, die in den vergangenen fünf Jahren gekauft wurden, haben die Eigentümer mehr Schulden als die jeweilige Immobilie wert ist. Das will die Federal Reserve (Fed) nicht. Zur Lösung gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Hauspreise fallen weiter - das wäre schlecht für das Wirtschaftswachstum - oder die relativen Preise anderer Güter steigen, so dass die Häuser im Vergleich nicht mehr so teuer wären. Das heißt, die amerikanische Zentralbank will dass die Preise steigen, um die Schuldner nominal zu entlasten.

Mit Blick auf die wahrscheinlich notwendig werdende Rettung von Fannie und Freddie ist die amerikanische Zentralbank an tiefen oder gar tieferen Zinsen für die Immobilien interessiert. Ganz gleich wie das geschieht, so ist das extrem inflationär. Die hohen Konsumenten- und vor allem auch Produzentenpreise zeigen, dass die Fed zu langsam agiert.

Das heißt für den Dollar?

Ich glaube nicht, dass die Rally des Dollar lange dauern wird.

Die Verbesserung der amerikanischen Leistungsbilanzdefizits zählt nicht?

Die Leistungsbilanz verbessert sich meistens in einer sich abschwächenden Wirtschaft, weil die Importe zurückgehen. Um dem Dollar wirklich zu helfen, muss es eine Steigerung der lokalen Investitionen geben - und die sehen wir nicht. Sie - und damit das Wachstum - werden gebremst durch die Schwäche der Finanzinstitute, die die Kreditvergabe deutlich eingeschränkt haben, obwohl die Zentralbank unheimlich viel Liquidität in den Markt gegeben hat.

Machen sich die Marktteilnehmer Illusionen über den Rückgang der Inflationsraten?

Ich fürchte, wir stehen erst am Anfang der inflationären Entwicklung. Sobald sich die globale Wirtschaft stabilisiert, werden die Produzenten ihre höheren Kosten weiterleiten können. Spätestens dann wird die Inflation offen ausbrechen. In diesem Umfeld werden sich Edelmetalle gut entwickeln, während der Dollar schwach bleiben wird. Nicht umsonst sind Goldmünzen inzwischen knapp geworden.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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