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Interview „Asien könnte sich Mitte des Jahres 2004 vom Dollar abkoppeln“

05.02.2004 ·  Der Devisenmarkt richtet seinen Blick auf das anstehende G7-Treffen. Davon erwartet Jan Poser von der Privatbank Sarasin kaum Impulse. Er prognostiziert aber eine baldige Abkoppelung des Yuans vom Dollar.

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Nach einem fulminanten Sturmlauf bis auf knapp 1,29 Dollar befindet sich der Euro seit Mitte Januar in einer Konsolidierungszone. Die Blicke der Marktteilnehmer richten sich auf das am sechsten und siebten Februar im amerikanischen Boca Raton anstehende Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben großen Industriestaaten.

Sie warten gespannt darauf, wie sich die Akteure über die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt äußern werden. Denn nach dem letzten Treffen geriet der Dollar sowohl gegen den Euro als auch den Yen unter deutlichen Abwertungsdruck. Frankfurter Allgemeine Zeitung.NET unterhielt sich über die Lage und die mögliche Entwicklung mit Jan Poser, Head of Macroresearch der Privatbank Sarasin in Zürich.

Was erwarten Sie vom G7-Treffen?

Nicht sonderlich viel. Denn der eigentlich Partner, mit dem man sprechen müßte, das ist China. Und Vertreter dieses Landes sind nicht dabei. Die jetzigen Teilnehmer stehen im Konflikt zueinander und werden es deswegen möglichst vermeiden, überhaupt etwas zu sagen. Um keine Spekulationswellen loszutreten.

Werden die Märkte nicht genau das als Einladung zu Dollarverkäufen betrachten?

Die Tendenz geht ohnehin in diese Richtung. Nicht zuletzt auch auf Grund der tiefen Zinsen im Amerika.

Das Doppeldefizit spielt keine Rolle?

Beim Budgetdefizit sehe ich kaum ein Problem. Die Verschuldung liegt gerade einmal bei 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Zinsen - es gibt überhaupt keine Risikoprämie - zeigen, daß hier auch der Kapitalmarkt keine Bedenken hat.

Aber innerhalb Amerikas gibt des doch deutliche Probleme: geringe Sparquote, hohe Verschuldung der Konsumenten, der Unternehmen und nun auch eine rasch steigende des Staates, die gigantische Energieverschwendung et cetera.

Diese Probleme sind natürlich da und das führt uns mittelfristig zu einer ziemlich „bearishen“ Meinung. Aber man kann nicht unbedingt daraus ableiten, daß der Dollar schwächer werden muß. Denn im Unterschied zu einem Schwellenland, bei dem solche Verhältnisse sicherlich längst zu einer Kapitalflucht geführt hätten, hat Amerika eine starke Wirtschaft und gilt international als „Benchmark“.

Japan und China haben sehr hohe Devisenreserven und haben sie vor allem am amerikanischen Rentenmarkt investiert. Stellt das nicht ein gewisses Risiko dar, wenn die Länder ihre Positionen abbauen würden?

Auf Grund der Bindung des Yuan an den Dollar befinden sich Amerika und China bei völlig unterschiedlichen konjunkturellen Zyklen in einem einheitlichen Währungsraum. Und dieser Zustand kann sicherlich nicht lange stabil bleiben. Aus diesem Grund dürften die Chinesen zu einer Bindung des Yuans an einen Währungskorb übergehen müssen.

Ist das nicht der „Trigger“, der auf den amerikanischen Rentenmarkt durchschlagen und zu deutlich steigenden Zinsen führen könnte - mit entsprechend negativen Folgen für die amerikanische Konjunktur?

Das Risiko besteht, ich glaube allerdings nicht so richtig daran. Die Rendite zehnjähriger Papiere müßte nach unserer Berechnung bei 4,7 bis fünf Prozent liegen. Auf diesem Niveau dürften genügend Mittel in den Markt fließen, selbst wenn die Asiatischen Notenbanken sich plötzlich zurückhalten sollten. Wir reden hier über den liquidesten Markt der Welt. Die Zinsen dürften nicht massiv hochschnellen.

Was setzt dann den Dollar weiterhin unter Druck?

Es sind die auf Grund der tiefen Zinsen in Amerika wirkenden Expansionskräfte. Das erwirtschaftete Geld wird bei abnehmender Risikoaversion vermehrt in Übersee investiert. Dazu kommen auch strukturelle Effekte, nach denen die asiatischen Zentralbanken ihre Euro-Währungsreserven langsam aufstocken, die OPEC „recycelt“ ihre Reserven vermehrt in Euro et cetera. Aus solchen Gründen rechnen wir damit, daß der Dollar weiter abwerten wird.

Sie sagen, die asiatischen Länder werden ihre Währungen vom Dollar abkoppeln. Führt das nicht zu einem Doppeleffekt, bei dem internatinale Anleger sowohl von den aufwertenden Währungen als auch von den Börsen der Länder profitieren wollen?

Die Währungen stehen klar unter Aufwertungsdruck und viele Gelder fließen nach wie vor in die Länder. Allerdings glauben wir, daß beispielsweise der chinesische Markt dabei ist, zu überhitzen. Aus diesem Grund sind wir gegenwärtig vorsichtig.

Sie sagten, China werde seine Währung vom Dollar abkoppeln. Wann soll das passieren?

Wir rechnen damit, daß das schon recht bald passieren könnte. Denn nicht nur die Amerikaner haben ein Interesse an einer Aufwertung des Yuans, um ihre Arbeitsplätze zu schützen, sondern auch die Chinesen. Sie dürften versuchen die überhitzte Wirtschaft zu dämpfen. Die Inflationsrate ist innerhalb kurzer Zeit auf drei Prozent hochgeschnellt und der Trend zeigt nach oben. Mit einer Aufwertung werden die Exporte etwas teurer gemacht. Auf der Importseite - man denke nur an die teurer werdenden Rohstoffe - dürfte es dagegen Vorteile bringen.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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