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Interview : Aluminiumpreis ist nicht fundamental begründet

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Mohamed Alghatam, Alba Bahrain Bild: Alba

Die Preise für Rohstoffe und Metalle zogen in den vergangenen Monaten deutlich an, auch der Preis von Aluminium. Die Entwicklung sei im Moment spekulativ überzogen, so Mohamed J.K Alghatam von Aluminium Bahrain im Interview.

          Die Entwicklung der Rohstoff- und Metallpreise sorgten in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen, zogen sie doch deutlich an. Das gilt auch für den Preis von Aluminium.

          Allerdings sei die Entwicklung im Moment spekulativ überzogen, erläutert Mohamed J.K Alghatam als Vorsitzender des Verwaltungsrates von Aluminium Bahrain (Alba). Alba ist nach eigenen Angaben die größte Aluminiumschmelze weltweit und sieht sich für die Zukunft gut positioniert.

          Der Spot-Preis für Aluminium hat in den vergangenen Monaten vor der jüngsten Zwischenkorrektur deutlich angezogen. Wie würden Sie diese Entwicklung begründen?

          Abgesehen von vorhergehenden Problemen im Zusammenhang mit China dürften Spekulanten den Markt auf Preise getrieben haben, die wenig mit der fundamentalen Entwicklung zu tun haben.

          Wie würden Sie die Lage am Aluminiummarkt gegenwärtig beschreiben? Gibt es einen Nachfrage- oder einen Angebotsüberhang?

          Viele Produzenten sitzen im Moment auf Lagerbeständen, die die Interessenten nicht kaufen wollen, da sie die Preise für überzogen halten. Wir rechnen mit tieferen Preisen, sobald der Markt diese Tatsache erkennt.

          Wie sieht es mit der Kostenseite aus?

          Die Preisentwicklung auf der Rohstoffseite, also für Aluminiumoxid oder Tonererde, folgt mit einer Zeitverzögerung von etwa sechs Monaten der Preisentwicklung an der London Metals Exchange. Folglich zahlen Aluminiumschmelzen im Moment sehr hohe Preise von bis zu 630 Dollar je Tonne beim Einkauf.

          Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung am Aluminiummarkt ein?

          Alle unserer Prognosen deuten auf eine anhaltend positive Entwicklung mit Preisen hin, die den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten attraktiv machen.

          Sie bei Alba und auch andere Anbieter in der Region und weltweit haben schon entsprechende Pläne. Besteht nicht das Risiko, daß es in Zukunft zu Überkapazitäten kommen könnte?

          Alba und die anderen Schmelzen in den GCC-Ländern fühlen sich gut plaziert auf der Kostenkurve. Die Probleme möglicher Überkapazitäten werden sich deswegen zuerst in jenen Ländern zeigen, die zu hohen Kosten produzieren.

          Was denken Sie über die Kapazitäten, Lagerbestände, Im- und Exporte von China?

          China ist ein riesiger Markt. Wir betrachten China nicht als Bedrohung, sondern als Chance.

          Welche Implikationen hätte es, wenn das Weltwirtschaftswachstum abflauen würde?

          Ich kann mich nur wiederholen: Alba gehört zu den Top 10 der rund 180 Aluminiumschmelzen weltweit. Eine Rezession würde wohl viele andere Unternehmen der Branche treffen, bevor sie sich bei Alba bemerkbar machen würde.

          Was sind die kritischen Faktoren in der Aluminiumherstellung? Ist die Entscheidung von Norsk Hydro richtig, die Produktion in Deutschland einzustellen?

          Die kritischen Faktoren in der Aluminiumherstellung sind die Kosten für Rohstoffe, Energie und die Arbeitskräfte. In diesem Sinne scheint Hydro mit der Konsolidierung seiner Betriebe eine kluge Entscheidung getroffen zu haben, bevor ein kritischer Punkt erreicht wurde.

          Worin liegen die Vorteile von Alba gegenüber anderen Aluminiumerzeugern?

          Wir sehen unseren Vorteil in den Fähigkeiten und Begabung unserer Arbeitnehmer, die konstant für eine Produktion auf einem exzellenten Qualitätsniveau sorgen.

          Wie wird sich das Unternehmen für die weitere Zukunft positionieren?

          Alba hat im Moment verschiedene Projekte laufen. Sie sind sowohl darauf ausgerichtet, vertikale (downstream/upstream) Chancen zu nutzen, als auch Rationalisierungspotentiale in der Unternehmenswelt auszuloten.

          Alba hat in den vergangenen Jahren erfolgreich operiert. Gibt es Pläne, das Unternehmen in absehbarer Zeit an die Börse zu bringen?

          Das Economic Development Board von Bahrain hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, bedeutende Unternehmen des Landes, wie Alba, zu privatisieren. Wir bereiten uns auf diese Entscheidung vor.

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