20.06.2010 · China will die Koppelung des Yuan an den Dollar aufheben. Profitieren würden die großen Exporteure nach China wie Japan, Südkorea, Taiwan, Australien und Brasilien. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.
Von Bettina Schulz, LondonDieses Wochenende kam die überraschendste Nachricht für die Finanzmärkte nicht aus dem Krisengebiet der Währungsunion und seiner hoch verschuldeten Mitgliedsländer Griechenland, Portugal oder Spanien. Vielmehr war es die chinesische Notenbank (People's Bank of China), die am Samstagabend auf ihrer Website ankündigte, die Koppelung des Yuan an den Dollar aufzuheben. Trotz aller Kritik an China ob seiner bisherigen Wechselkurspolitik hatten Finanzmarktteilnehmer nicht erwartet, dass China gerade jetzt reagieren würde. Aber dieses Element der Überraschung gehört zur chinesischen Politik.
Der Zeitpunkt wurde von China wohl auch mit Blick auf den G-20-Gipfel am kommenden Wochenende in Toronto gewählt. Dort hätte sich China auf weitere massive Kritik an seiner Wechselkurspolitik gefasst machen müssen. Der amerikanische Präsident Barack Obama wurde bereits gedrängt, Handelssanktionen ins Auge zu fassen, woran weder die Vereinigten Staaten noch China interessiert sind. China nimmt dieser Kritik daher den Wind aus den Segeln.
Der letzte Wechsel zu einem freien, aber kontrollierten Wechselkursregime fand im Juli 2005 statt, als ebenfalls eine Koppelung an den Dollar aufgegeben wurde und die Währung Yuan in den drei Folgejahren gegenüber einem Korb von Fremdwährungen um 21 Prozent aufwertete. Im Jahr 2008, auf dem Höhepunkt der Banken- und Finanzkrise, kehrte China zu einer Koppelung des Yuan an den Dollar zurück, um Stabilität in der Krise zu signalisieren, aber auch, um die Belastungen abzufedern, die von der chinesische Exportindustrie angesichts der rückläufigen Nachfrage aus dem Westen geschultert werden mussten. Der Wechselkurs wurde mit enger Schwankungsbreite auf 6,83 Yuan je Dollar festgelegt.
Die chinesische Zentralbank hat nun nach der Änderung des Wechselkursregimes sogleich betont, dass eine deutliche Aufwertung des Yuan nicht gerechtfertigt sei. Zudem bleibt die bisherige Schwankungsbreite des Wechselkurses von 0,5 Prozent täglich unverändert. China wird die Aufwertung der Währung zunächst auf eine sehr langsame Wechselkursveränderung beschränken. In Asien ist das Beispiel Japans unvergessen, das 1985 im Plaza Accord einer drastischen Aufwertung des Yen zustimmte, die Japans Wachstum auf Jahre drosselte. Mit Blick auf die Aufwertung, die China nach 2005 zuließ, ist zu erwarten, dass mit einer Aufwertung des Yuan von 5 bis 7 Prozent jährlich zu rechnen ist.
Aber auch das bedeutet, dass die Kaufkraft chinesischer Verbraucher und Unternehmen steigt. China kann seine eigene Nachfrage nach in Dollar notierten Rohstoffen leichter bezahlen. Dies stärkt den Konsum, hilft also, die Exportabhängigkeit zugunsten des Inlandskonsums zu dämpfen. Es stärkt das Geschäft all jener chinesischen Unternehmen, die stark vom Import abhängig sind, seien es Rohstoffe oder seien es Käufe in Übersee wie zum Beispiel die großen Fluggesellschaften. Profitieren werden von der Aufwertung des Yuan vor allem die großen Exporteure nach China, also Japan, Südkorea, Taiwan, Australien und Brasilien.
Nach der Entkoppelung des Yuan vom Dollar im Jahr 2005 und der anschließenden Aufwertung wertete der koreanische Won in den folgenden zwei Jahren um 10 Prozent gegenüber dem Dollar auf, und der Export nach China schnellte um 30 Prozent in die Höhe. Der australische Dollar wertete um 20 Prozent auf, und die Ausfuhren weiteten sich um 40 Prozent. Zwar wurde in Taiwan nur eine Aufwertung der Währung um 5 Prozent zugelassen, aber der Export kletterte in nur zwei Jahren um 45 Prozent. Der brasilianische Real gewann in der Zeit um 30 Prozent gegenüber dem Dollar, und der Absatz des südamerikanischen Landes in China stieg um die Hälfte, ähnlich wie der Export Japans nach China. „Wir glauben daher, dass die Lösung des Yuan vom Dollar in und außerhalb Asiens zu einem kräftigen volkswirtschaftlichen Wachstumsschub führen wird“, heißt es bei der Société Générale. „Im Prinzip gibt China einen Teil seiner Wachstumskraft an die Welt ab.“ Dies könnte daher Anfang der Woche zu einer Aufwärtsbewegung an den Aktienbörsen Asiens, der Schwellenländer und starken Exportländer führen.
China dürfte den Blick der Marktteilnehmer von der Schuldenkrise Europas etwas ablenken. Zudem tritt am Dienstag und Mittwoch in Amerika auch der Offenmarktausschuss der Federal Reserve zusammen, der mit Blick auf die letztlich etwas moderateren volkswirtschaftlichen Daten seine weiche geldpolitische Ausrichtung beibehalten dürfte. Die Panik wegen schwacher Euro-Länder hatte sich vergangene Woche bereits gelegt, nachdem die Kapitalaufnahme vor allem Spaniens ohne Nothilfe durch die EU reibungslos über die Bühne ging. Diese Woche stehen keine größeren Anleiheemissionen der peripheren Euro-Länder an, aber ein neues drakonisches Sparpaket eines Staates - dieses Mal von Großbritannien. Schatzkanzler George Osborne verkündet am Dienstag, wie der britische Haushalt saniert werden soll.
Die Umlaufrendite von Bundesschuldtiteln kletterte angesichts der Entspannung an den Märkten Ende vergangener Woche auf 2,73 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit einem Monat. Auch der Wechselkurs des Euro erholte sich weiter auf 1,24 Dollar. Banken wie Nomura berichten von erheblicher Eindeckung von Shortpositionen auf ein Niveau, das zuletzt Mitte April beobachtet worden sei, als der Euro bei 1,36 Dollar notierte.
An den Aktienmärkten überraschten die Notierungen mit größerer Stabilität, als von vielen Marktteilnehmern während der Mai/Juni-Korrektur für möglich gehalten wurde. Seit dem 25. Mai ist der Deutsche Aktienindex sogar um knapp 10 Prozent auf mehr als 6200 Punkte gestiegen, allein 2,8 Prozent legte der Dax vergangene Woche zu. Die Unternehmen im Dax erzielen 36 Prozent ihrer Exporterlöse außerhalb Europas, profitieren also von der Schwäche des Euro.
Die Entwicklung an der Börse signalisiert aber auch die Erleichterung darüber, dass die Währungsunion vorläufig Herr über die Griechenland-Krise geworden ist und eine Veröffentlichung des Stress-Tests europäischer Banken Ende Juli mehr Transparenz bringen könnte. Bei den Konjunkturdaten könnte es in der zweiten Jahreshälfte global sogar einen Rücksetzer geben, wenn nämlich die Lageraufstockung der Unternehmen weitgehend abgeschlossen ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09 % |
| Silber | 33,55 $ | −0,74 % |
| Platin | 1.648,00 $ | −1,02 % |
| Palladium | 702,00 $ | −1,68 % |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29 % |
| Gas | 0,59 £ | −1,60 % |
| Kaffee | 2,17 $ | +0,72 % |
| Zucker | 0,25 $ | +0,90 % |
| Orangensaft | 1,86 $ | −0,98 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |