07.07.2006 · Die Preise der Industriemetalle haben sich erholt, die Anleger atmen auf. Allen voran geht Nickel, das ein neues Allzeithoch erreicht hat. Doch nach Ansicht der meisten Experten hat der Preisanstieg wenig Substanz.
Als Anfang Mai die Aktienmärkte einbrachen, ging auch die unausgesetzte Hausse an den Märkten für Industriemetalle erst einmal zu Ende. Die Preise brachen ein. Zink verlor knapp 20 Prozent, Aluminium und Kupfer fast 25 Prozent. Blei, dessen Preis schon seit Februar auf dem Rückzug war gab 35 Prozent nach und auch Nickel verlor rund 20 Prozent.
Mittlerweile haben sich alle Industriemetalle wieder erholt, notieren aber immer noch deutlich unter ihren Höchstständen - mit einer Ausnahme. Der Preis für Nickel stieg an der Londoner Metallbörse den achten Tag in Folge und erreichte bei 24.195 Dollar je Tonne den höchsten Stand aller Zeiten.
Stahlproduktion treibt Nickelpreis
Der Grund, warum ausgerechnet Nickel den stärksten Aufschwung erlebt sind relativ einfach zu eruieren. Nachdem die Produktion rostfreien Stahls nach Zahlen des International Stainless Steel Forum im ersten Quartal um zwölf Prozent gegenüber dem Vorquartal zugelegt hat, sehen Investoren hier wieder eine angespanntere Marktlage voraus. Das Wachstum sehe ziemlich robust aus, meint Tony Warwick-Ching, Analyst beim Marktforschungsunternehmen CRU International.
Auch die Fonds hat das wieder auf den Plan gerufen. „Am Mittwoch haben die Fonds noch verkauft, aber heute kaufen sie wieder“, sagte ein Händler am Donnerstag. Andere Händler sehen eine bevorstehende Aufwärtsbewegung als gesünder gegenüber der vorangegangenen an. „Die Märkte steigen, aber die Anleger werden vorsichtiger sein als zu Jahresbeginn. Die Fonds haben eine größerer Risikoaversion als noch im Mai, daher sehe ich nicht, daß sich die liquiditätsgetriebenen Höchststände wiederholen.“, heißt es.
Chris Eibl, Handelschef bei Tiberius Asset Management, ist besonders optimistisch. „Der Trend geht schneller und schneller nach oben. Die Leute werden versuchen aufzuspringen und die Preise noch höher treiben. Wir sind bei Kupfer, Nickel und Zink übergewichtete und bleiben dabei. Optimistisch zeigen sich auch die Produzenten. Der führende Produzent, Inco, prognostizierte zuletzt ein Defizit von 30.000 Tonnen in diesem Jahr.
Defizit 2006, Überschuß 2007
Indes sind die Prognosen offenbar nicht viel wert. Denn sie könnten unterschiedlicher nicht ausfallen. So rechnen Goldman Sachs nur mit einem Defizit von 8.000 Tonnen und im Jahr 2007 mit einem Überschuß von 2.000 Tonnen.
Das Angebot werde in der zweiten Jahreshälfte um drei Prozent steigen, getrieben von einer Ausdehnung der Produktionstätigkeit bei Inco und abgewendeten Streiks. Die Analysten rechnen mit einer robusten Nachfrage bei rostfreiem Stahl, auch wenn die drei größten chinesischen Stahlproduzenten ihre Produktion kurzfristig für einen Monat um 20 Prozent senken wollen, um die Nachfrage nach Nickel zu dämpfen.
Überhaupt sei nicht die Nachfrage nach rostfreiem Stahl der Schlüsselfaktor auf der Nachfrageseite, sondern vielmehr die Nachfrage nach Endprodukten wie Hochbauten und Waschmaschinen. Eine Reduktion der Stahlproduktion gehe daher nur zu Lasten der Lagerbestände und sorge damit für steigende Preise. Da der Markt langfristig von Knappheit geprägt sei, sorge diese Strategie daher nur für Volatilität.
Überschuß 2006, Defizit 2007
Goldman Sachs rechnen aber mit einer hohen Volatilität und einem durchschnittlichen Preis des Drei-Monats-Futures von 18.666 Dollar in diesem und im laufenden Jahr, was einem deutlichen Rückgang des Preises bedeutet. Aktuell notiert der Future bei 22.600 Dollar. In den kommenden Jahren werde der Preis zwischen 12.000 und 22.000 Dollar stark schwanken.
Mit einer starken Volatilität rechnet auch die Société Générale. Indes sehen die Analysten kein echtes Defizit im Markt. Erst 2007 erwarten sie ein vorübergehendes, leichtes Defizit. Die Nickelpreise seien diejenigen, die sich am weitesten von den Fundamentaldaten entfernt hätten und auch wenn ein Anstieg nicht auszuschließen sei, so dürften die Preise Ende 2007 doch viel tiefer liegen.
Indes basierte diese etwas ältere Einschätzung auf einer Unterschätzung der Produktion von rostfreiem Stahl im zweiten Quartal, wobei die Analysten darauf hinweisen, daß die Produktion auch im restlichen Jahr im selben Umfang wachsen müßte, um einen Anstieg von acht Prozent zu erreichen, so daß dieser doch deutlich niedriger ausfallen sollte. Da aber das Produktionswachstum recht überzeugend gewesen sei, sollten die Preise Ende 2007 in der Nähe von 10.000 Dollar liegen.
Preise scheinen nicht fundamental unterlegt
Skeptisch ist auch die Citigroup, die zuletzt mit einem Überschuß von 30.000 Tonnen in diesem Jahr und einem Defizit von 8.000 Tonnen im kommenden Jahr rechnete. Der Preistreiber sei nicht etwa die Nachfrage, sondern eine aggressive Spekulation.
Wenn also auch die Schätzungen der Marktverhältnisse stark voneinander abweichen, so ist ihnen allen eines gemein - sie rechnen nicht mit einer dauerhaften Erholung des Nickel-Preises. Für diesen spricht momentan wieder die Spekulation bzw. der Trend, nicht aber die Fundamentaldaten. Wer mit darauf einsteigt, sollte sich daher bereit halten, kurzfristig zu reagieren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |